The Dead Zone (1979)
Johnny Smith, ein junger, engagierter Lehrer, befindet sich gerade auf dem Heimweg, als sein Taxi vom Wagen eines leichtsinnigen Jugendlichen frontal gerammt wird. Wie durch ein Wunder überlebt Johnny den Crash, trägt jedoch schwere Kopfverletzungen davon & fällt in ein Koma. Nach ungefähr fünf Jahren erwacht er aus dem tiefen Schlaf, gesegnet mit einer unheimlichen Gabe (bzw. geschlagen mit einem lästigen Fluch). Denn manchmal, wenn er jemanden berührt, hat er eine Vision, welche unmittelbar mit dieser Person zusammenhängt. So "sieht" er z. B., dass es im Haus seiner Krankenschwester gerade zu brennen beginnt & dass die verschollene Mutter seines polnischen Arztes die Nazizeit überlebt hat. Und dass ein aufstrebender Politiker namens Greg Stillson in einigen Jahren Tod & Verderben über die Menschheit bringen wird.
Mit
The Dead Zone hat Stephen King seinen bis dahin wohl vielschichtigsten Roman vorgelegt, der mich auf verschiedenen Ebenen - paranormales Drama, bittersüße Love-Story, aufwühlender Krimi, spannender Polit-Thriller - (bereits wiederholt) begeistert. Dass die Geschichte so wunderbar funktioniert, liegt auch an der Hauptfigur, diesen Durchschnittsamerikaner (sein Name wurde nicht zufällig gewählt), dessen schwieriges Leben der Autor so plausibel & glaubhaft schildert. Zwar wurde ihm etwas gegeben (worum er nicht gebeten hat), doch das ist kein Ersatz für das, was ihm genommen wurde. Fünf Jahre seines Lebens sind verloren, sein Körper ist beschädigt, sein Job ist weg, seine Freundin ist dahin, seine Eltern sind verändert & als Draufgabe halten ihn fast alle entweder für einen gewissenlosen Betrüger oder einen gruseligen Freak.
Und während King seinen zerrissenen Protagonisten um die schwerste Entscheidung seines Lebens ringen lässt, versetzt er den Leser so ganz nebenbei in seine Position & zwingt ihn mittels eines einfachen Gedankenspiels darüber nachzudenken, wie er/sie an dessen Stelle handeln würde. Mit dem Wissen von heute, würde man, wenn man die Möglichkeit hätte, mit einer Zeitmaschine in das Deutschland der 1930er-Jahre zurückreisen, um Hitler zu töten? Kings Schreibe ist angenehm fließend & packend, sodass es schwerfällt, das Buch zur Seite zu legen. Eine zu Herzen gehende Traurigkeit liegt über dem Geschehen, das Johnny auch nach Castle Rock führt, in diese (fiktive) Kleinstadt, die im King’schen Universum eine so große Rolle spielt. David Cronenberg hat das Buch, in dem eine panische Nebenfigur mit Carrie eine andere Schöpfung des Meisters erwähnt, großartig verfilmt.