Hab gerade wieder zwei Homerverse in der letzten Lektion gehabt
Πολλοί τοι περὶ ἄστυ μέγα Πριάμοιο μάχοντο // ἥρωες.
Gewiss kämpften viele Helden um die große Stadt des Priamos.
Περὶ ᾽Οδυσσέως· * Πολλῶν δ᾽ ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω.
Über Odysseus: Vieler Menschen Städte sah er und erkannte (ihre/die) Gesinnung.
Im 8. Jh. v. Chr. übernahmen die Griechen ja erst das Alphabet der Phönizier (hebr. Aleph א Bet ב Gimel ג <> Alpha Beta Gamma), das erste was niedergeschrieben wurde ist Homer, es stellt somit die älteste schriftlich fixierte Sprachstufe dar (... im Alphabet; mykenisch Linear B und minoisch Linear A sind ebenfalls griechisch). Die Barden müssen das also schon eine Weile geträllert haben, es ist noch nicht so lange her da war das Auswendiglernen sehr sehr wichtig, insofern will ich an der mündlichen Überlieferung auch über mehrere Jahrhunderte gar nicht zweifeln, dass sie es nicht mit wissenschaftlicher Empirie unserer Tage hatten ist auch klar, also Verfälschungen auftreten.
Über die Seevölker besteht auch in der Fachwelt kein Zweifel, dass es die Völker der Ägäis, die Phönizier der Levanteküste, die Sizilier und Italer waren ebenso, auch wenn nicht alle Völkerbezeichnungen über die uns die Pharaonen berichten eindeutig geklärt sind. In dem Zusammenhang ist uns auch der Begriff Israel zum ersten Mal dokumentiert, der Pharao berichtet in der Merenptah- oder Israel-Stele davon, dass er die Seevölker und alle anderen Völkerschaften in der Umgebung geschlagen und auf ihren Platz verwiesen haben. Die Ägypter verlieren in ihren Aufzeichnungen niemals, auch wenn sie es in Wirklichkeit taten, tatsächlich hatten die Ägypter große Angst vor den Seevölkern.
Jan Assmann nennt den Exodus die "Revolution der Alten Welt". Zwei dutzend Pharaonen mit Namen Mose hatten im Neuen Reich bis an den Euphrat alles unterworfen, Kamose, Ahmose, Thutmose, Wedjmose, Merimose, Amenmose, Ramose.... Ram.ses. In der Amarna-Korrespondez unter Echnaton 14. Jh v. findet man auch den Stadtherrn von Jerusalem:
EA 288 schrieb:
Spr[eche] zum König, meinem Herrn, meinem Sonnengott, eine Botschaft von IR₃-Hebat, deinem Diener. Ich falle zu den zwei Füßen des Königs, meines Herrn, siebenmal und siebenmal.
Siehe, der König, mein Herr, hat seinen Ruf von Osten bis Westen begründet (wörtl. bis zum Aufgang der Sonne und dem Untergang der Sonne).
Für die Historizität vom biblischen Mose und dem Exodus besteht in der Fachwelt hingegen keine annähernd ausreichende Beweislage (sehr gut zB Christian Frevel - Geschichte Israels, 2018). Die Fasti Graeci in meinem Griechischkurs sehen jedoch so aus:
Der Seevölkersturm jedenfalls ist gesichert, er fegte über das ganze Mittelmeer hinweg und löste den Bronzezeitkollaps aus, alle mykenischen Paläste gingen in Flammen auf, das Reich der Hethiter, Ugarit und viele tausend Städte gingen unter. Die spät-bronzezeitlichen Städte waren im Schnitt deutlich größer als sie das für eine Weile in der Eisenzeit waren.
Schliemann grub ja nicht bloß Troja aus, sondern auch Mykene und gab dort einer Goldmaske den Namen Maske des Agamemnon.
Nach alter Auffassung wurde der trojanische Held Aeneas Stammvater der Römer (nachdem er seinen Samen an Frauen aus allen Kontinenten verteilte, weshalb dem römischen Volk die Veranlangung zur Weltherrschaft innewohne > Dantes Monarchia), sein Enkel Brutus der Stammvater der Briten sowie eine Gruppe um Frankion die sich bei der Flucht vom Zug des Aeneas abspalteten die der Franken und Germanen: Troja wurde als bedeutenste Wende in der Alten Welt verstanden.
Altgriechisch ist eine sehr stark flektierende Sprache, die Beugung ist bei der Deklination bzw Konjugation sehr stark, Augment, Reduplikation, Themavokal, Tempus- & Moduskennzeichen werden nicht bloß eingefügt sondern verändern das Wort durch Kontraktion, Dehnung, Ablaut stark. Bei Homer findet man noch die unkontrahierten Formen (νόος > att. νοῦς), das Umspringen der Quantität fehlt noch (βασιλῆος > βασιλέως), Augment ist fakultativ, u.a.m.
Die Formenlehre ist einer der umfangreichsten Aspekte der altgr. Grammatik die insgesamt noch umfangreicher ist als die von Latein. Latein hat sich aber noch aus der indogermanischen Ursprache den Lokativ und den Ablativ als Kasus erhalten, Griechisch nur den Vokativ, vereinzelt gibt im Lokativ erstarrte Worte, οἴκοι zuhause zB.
Die Grenze zu Altgriechisch wird 1453 Fall von Byzanz gezogen, das sind 2200 Jahre, ursprünglich viele Alphabete und Dialekte, viele Sprachstufen, deshalb wird stets erwähnt, dass man es nicht als eine einzige Sprache betrachten sollte.
Mit persönlich bereitet der dichterische Duktus im altgr. Epos und Lyrik am meisten Probleme, weit mehr als Grammatik, Vokabular ist in allen griechischen Dialekten weitgehend gleich oder ähnlich, die Wortstämme sind bis heute die selben (modernes Gr. hat bloß deutlich veränderte und vereinfachte Grammatik). Gerade die Freiheit die die Dichtkunst von rigider Grammatik erlaubt ist was es für mich schwer macht, andere mag es da genau anders herum ergehen.
Ἱπποκράτους· Βραχὺς ὁ βίος, ἡ δὲ τέχνη μακρά.