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Es braucht den Willen zur Vernichtung eines Volkes, das zu vernichtende Volk und die Ausführung bzw. zu mindestens den Versuch. Also stellen sich nur zwei Fragen: War der Wille zu Vernichtung Trojas vorhanden? Ich denke hier kann man eindeutig mit einen Ja antworten. Kann man Troja bzw. die Trojaner als Volk ansehen? Wie von mir beschrieben, würde ich die Frage bejahen. Also sind wir quer Definition beim Völkermord, im Falle Trojas nach Homers Beschreibung auch ein entsprechend ausgeführter.
Ich sehe das etwas anders. Auch in der Sekundärliteratur ist mir im Kontext mit Troia noch nie etwas derartiges begegnet, dass man als Motiv für die Einnahme und Zerstörung Troias Genozid unterstellt hat. Es wurde nicht vorsätzlich eine Zivilisation oder Kultur vernichtet. Ich halte das für etwas zu hoch gegriffen. Aber ich muss auch dazusagen, dass ich kein Historiker bin.
Wenn man sich den Hisarlık Tepe näher anschaut (von dem man annimmt, daß er dem antiken Troja entspricht), gab es nach den möglichen Ereignissen des Trojanischen Krieges eine weitere Besiedlung über Jahrhunderte hinweg - da ist die Spurlage nicht so genau, daß man generell den Begriff Genozid anwenden kann. Die Nachfolger könnten andere Völker gewesen sein, aber zwingend ist das wohl erst um das 8. Jahrhundert v. Chr. anzunehmen (Troja XIII).
So ist es! Genau das spricht gegen Genozid.
Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber meinst du weil die Vernichtung nicht vollständig war, weil weiter Menschen in der Region siedelten, wäre es kein Genozid? Wie gesagt die meisten Genozide in der Menschheitsgeschichte waren "vollständig" nach dem Argument wäre auch der Holocaust kein Genozid. Selbstverständlich kannte man das Prinzip des Genozid in der Antike nicht, man hatte eine gänzlich andere Perspektive auf den Krieg, er wurde als legitimes Mittel zu Durchsetzung von Interessen, der Krieg war teilweise ritualisiert und man hatte kein humanitäres Völkerrecht. Aber, wenn der trojanische Krieg heute geführt worden wäre, dann hätte man den Tatbestand des Genozid wohl anerkannt. Ok, außer man wäre treuer Grieche oder von den Griechen wirtschaftlich/politisch abhängig oder hegt gemeinsame Animositäten. ;)
 
Aber, wenn der trojanische Krieg heute geführt worden wäre, dann hätte man den Tatbestand des Genozid wohl anerkannt.
Vermutlich ja. Der Vorsatz, wegen des Raubes der Helena Rache an den Trojanern zu nehmen, wird ja klar formuliert. Es gibt den Eid des Agamemnon in der "Ilias". Nach heutigen Kriterien ja, ein Genozid, nach antiker Vorstellung war es gängige Praxis, Städte einzunehmen, Männer zu ermorden und Frauen samt Kindern in die Sklaverei zu führen. Ich meine (als Nicht-Historiker und damit Laie), dass es nicht ganz einfach ist, den Stempel aufzudrücken, weil wir mit modernen Kategorien antike und in diesem Fall nicht-historische Ereignisse beschreiben.

Es gibt aus der Antike reale Ereignisse, die einem Genozid nahekommen: die vollständige Zerstörung Karthagos durch die Römer im 3. Punischen Krieg anno 146 v. Chr. sowie die Zerstörung der Stadt Melos durch die Athener im Peloponnesischen Krieg. Alexander der Große hat mit dem rebellierenden Theben 335 v. Chr. ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Später auch in Persepolis.
 
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