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Bewertungen Gesamtwertung (nur Käufe bzw. Sichtungen) 4,60 Stern(e) 92 Erwartungen 75% mcr

Kinofilm: Die Odyssee [Christopher Nolan] (2026) [Kino]

  • Werde ich mir anschauen

    Stimmen: 38 43,2%
  • Gesehen, für gut befunden

    Stimmen: 24 27,3%
  • Gesehen, kann man schauen, muss man aber nicht

    Stimmen: 5 5,7%
  • Gesehen, gefällt mir nicht

    Stimmen: 2 2,3%
  • Interessiert mich nicht

    Stimmen: 19 21,6%

  • Umfrageteilnehmer
    88

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Ist eigentlich noch jemandem aufgefallen dass der Focus Puller ziemlich oft gepennt hat? Vor allem bei Dialogen mit großer Blendenöffnung, wenn sich die Köpfe nach vorne und hinten bewegen, ist der oft nicht hinterhergekommen mit dem Schärfeziehen. Liegt vermutlich auch am sehr entblößenden Filmmaterial. Ganz extrem bei einer Szene gegen Ende mit Tom Holland und Anne Hathaway. Sie war da ständig out of focus.
 
Gestern wurde nach nur 2 Wochen 600 Mio. schon eingespielt. Ein Wahnsinn 😀
Sie gehen jetzt in Richtung einer Milliarde. Wow 😍
 
War gestern auch drin und kann viele angebrachte nachvollziehen aber ich wurde trotzdem ganz gut unterhalten und fand ihn für mich wesentlich besser als Tenet und erst recht als Oppenheimer.
 
Man kann bei Filmen über alles mögliche diskutieren. Die Schauspieler, die Optik, den Sound, die Requisiten und Kostüme, das Budget, usw. Ist mir aber bei der Bewertung letztendlich egal. Am Ende des Tages zählt für mich nur, ob mir der Film bzw. die Geschichte, die er erzählt, gefallen hat, und ob ich mit der Art und Weise der Erzählung abgeholt wurde. Ich habe Die Odyssee gestern im IMAX im Traumpalast Leonberg gesehen und fand den Film großartig. Die drei Stunden vergingen wie im Flug. Manche Szenen waren spannend, manche emotional. Für mich hat dieser Film von vorne bis hinten funktioniert, und ich freue mich schon auf den Heimkino Release.
Mit den letzten beiden Nolan Filmen konnte ich nicht so viel anfangen. Dunkirk hatte es schwer, weil ich generell kein Freund von Kriegsfilmen bin, und Oppenheimer mochte ich nicht besonders, weil es ein Biopic war, und mir die Person Oppenheimer einfach nicht zusagt (vermutlich wieder aufgrund des Themas Zweiter Weltkrieg).
Seine Filme davor liebe ich, egal ob Prestige, The Dark Knight oder Insomnia. Meine Top 3 sind ganz klar Interstellar, Inception und Tenet. Wenn ich es zeitlich schaffe, werde ich mir die Odyssee gerne ein zweites Mal im Kino anschauen.
 
Es ging mir nicht nur um Kumbbis Meinungsäußerung, sondern tatsächlich generell an diese Art der kritischen Auseinandersetzung, die hier vorherrscht, in meinen Augen sollte man das Werk betrachten, was man aus ihm heraus lesen kann und das dann sezieren. Es ist doch z.B. kein valider Kritikpunkt an einer Verfilmung der Odyssee, fehlende Schlachten zu bemängeln, dass gibt die Geschichte doch von sich aus schon nicht her.

Du machst es ja ganz richtig, hast die Anti-Kriegs-Botschaft heraus gearbeitet und argumentierst am Text warum sie deiner Ansicht nach nicht greift
Ist das nicht etwas anmaßend zu fordern, wie die Stoßrichtung einer Kritik zum Film auszusehen hat, damit das Ganze hier Akzeptanz findet? Zu beurteilen, wann eine Filmkritik „richtig gemacht“ ist?! Lieber @Noir020, du könntest nochmal über deinen Satz „Du machst es ja schon ganz ruchtig…“ und die daraus ableitbaren Implikationen nachdenken ….. 😉

Hab ich mit einem Wort die ganzen hier geäußerten positiven Bewertungen dieses Films bewertet oder in Frage gestellt? Ich hab rein an der Sache und rein aus meinem Blickwinkel geurteilt.

Bei einem Werk, das mich in seiner gesamten Präsentation so wenig wie dieses überzeugt, will ich nichts mehr herauslesen - ehrlich gesagt ist hier für mich Hopfen und Malz verloren, Da noch irgendwas an Geschichte zu sezieren.

Ich gehe ins Kino bzw sehe mir einen Film an und dann wird bewertet, ob mir dieser Film gefällt oder nicht und ob ich diesen Film als Film gut finde oder nicht und benenne auch klar, warum das so ist.

Und wenn man bei einem 250 Mio Film nicht mehr kritisieren darf, dass das alles IN MEINEN AUGEN eher nach 50 Mio aussieht, dass die gesamte visuelle Darstellung und Umsetzung IN MEINEN AUGEN einfach schlecht ist, dass es in MEINEN AUGEN nicht viel mehr ist als repetetives Abfilmen von paar Leuten vor kargen Kulissen, die dümmliche schmonzettenhafte Dialoge deklamieren, wann sollte man das denn sonst dürfen?
Zumal bei jemand wie Nolan……….

Wenn mich dieserHaufen negativer Fakten nicht überzeugt, dann ist es mir egal, ob Nolan das so wollte. Ich bewerte einen Film dahingehend, ob mich das Ergebnis und Erlebnis als Kinobesucher überzeugt und ob es dem entspricht, was nach meiner Ansicht einen guten Film in diesem Genre ausmachen SOLLTE, was überhaupt einen guten Film ausmacht, und nicht, ob das Ergebnis das ist, was der Regisseur sich hier vorgestellt hat.

In einem Restaurant bewerte ich das Gericht dahin gehend, ob es a) für das, als was es nominell angeboten wird, gut gekocht wurde und b) mir auch schmeckt. Wenn ein Schweinebraten nur eine labbrige Kruste hat, völlig trocken und ungewürzt schmeckt und sich zäh kaut, dann sag ich, dass der Koch keine Ahnung von Schweinebraten hat (vor allem, wenn ich in meinem Leben schon 100te hervorragende Schweinebraten gegessen habe und durchaus auch offen bin für interessante Ansätze) und die Basics(!) von Schweinebraten schlichtweg nicht beherrscht bzw. In diesem Fall generell von gutem kochen. Und dann benenne ich das: dass das ein SCHLECHTER Schweinebraten ist. Da ist es mir völlig egal, ob dieser schweinebraten genau den Vorstellungen des Kochs von schweinebraten entspricht und er nach Ansicht des Kochs genau so fad, zäh und langweilig schmecken sollte. Dann bleibt es ein schlechter Braten und generell sogar ein schlechtes Essen.

Die Analogie zu Nolans Odyssee schafft ihr selbst… nur so viel: Nolans Odyssee ist nicht nur kein Epos, es ist einfach ein schlechter Film. Und warum das mMn so ist, habe ich zur Genüge weiter oben ausgeführt- ihr müsst die Meinung nicht teilen, aber worauf ich meine Meinung abstütze und begründe, das solltet ihr schon mir überlassen.

Nein, ich bemängele keine fehlenden schlachten bei der ODYSSEE (🤣) und könnte durchaus den Film auf einer ganz anderen Ebene bewerten - als jemand, der das Trum im Original (im griechischen) gelesen und sich mit der homerischen Welt und auch möglichen aktuellen Blicken und Interpretationen darauf während seiner Schullaufbahn beschäftigt hat, hielte ich mich dazu intellektuell durchaus immer noch in der Lage 😉- ich hab mich nur dazu entschieden, dieses Werk auf einer weit oberflächlicheren Ebene zu zerpflücken, weil mich diese in meinen Augen komplett versagende Oberfläche davon abgehalten hat, auch nur den geringsten Drang zu verspüren, tiefer zu steigen- das ist es mir schlichtweg nicht wert und das ist der Film auch nicht wert.

Die meisten anderen Nolan Filme si d das wert, dieses unter die Oberfläche steigen, dieser hier nicht. Mir nicht. Nolan wird’s überleben.
Der nächste Nolan kriegt ne neue Chance…

Just my 2 ct
Ohne den Film bisher gesehen zu haben, bin ich ehrlich gesagt froh, dass es neben den ganzen Jubelstürmen auch andere Stimmen gibt.

Mit deiner Deutlichkeit habe ich übrigens überhaupt kein Problem. Wenn die Enttäuschung groß ist, kann man das auch klar so benennen.

Ich komme frühestens in zwei Wochen ins Kino und habe es damit auch nicht besonders eilig. Was ich allerdings schon vermutet hatte, scheint sich wohl zu bewahrheiten: Ähnlich wie bei „The Hateful Eight“ ist das Großformat hier offenbar eher Selbstzweck als eine echte Bereicherung.

Ganz nach dem Motto: „Seht her, ich kann mir das leisten.“
 
Meine Top 3 sind ganz klar Interstellar, Inception und Tenet.
Schön das hier jemand mal 'Tenet' hervorhebt. Ich mag den auch und finde den allgemein unterschätzt.
Inhaltlich kann man da viel bemängel, aber in der handwerklichen Form ist das ein Meisterwerk.
Muss ich auch nach wiederholter Sichtung sagen, nachdem ich den am Anfang unnötig kompliziert fand. Wenn man den aber einmal komplett kennt, bemerkt man, wie straight und logisch der ist. Sicherlich ist da auch ordentlich Showing-off seiner handwerklichen Fähigkeiten dabei, aber das macht hier Spaß, gleichzeitig Vorwärts und Rückwärts zu betrachten und wie die Figuren damit umgehen, nachdem sie das wie der Zuschauer verstanden haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Schlecht Geschlafen?
Nein, aber solche Aussagen sind einfach abenteuerlich. Den Film nicht gesehen habe, aber die wildesten Vermutungen aufstellen und sich bereits bestätigt sehen.
Nolan ist so dermaßen Style over Substance das könnte sein zweiter Vorname sein, aber der ist ja bekanntlich bereits Imax

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Jo, Platz 5 in meinem Christopher-Nolan-Ranking. War spitze (wenngleich nicht frei von Schwächen)!

...

Gedanken dazu:

Die "Antikriegsbotschaft" funktionierte für mich allein deswegen, weil der letzte Shot weit über den Krieg als Fanal hinausreicht - er adressiert, über den Krieg, eine Ursünde des zivilisatorischen Regelsystems (die aber nicht durchweg der Krieg in Vollendung sein muss, schließlich hadern die Männer Odysseus' und Odysseus als solcher im Kleinen wie Kleinsten - ich würde es als den Missbrauch von Vertrauen interpretieren).

Man könnte es dem Film negativ und gefühlt ahistorisch auslegen, dass Nolan Oppenheimer im Geiste bloß fortsetzt und ein alternatives historisches Setting findet, um die Genese des instrumentellen Bösen wiederholt zu begründen. Was die Atombombe war, ist nun der Fall Trojas, und verfolgt man (populärhistorisch) die Zivilisationsbrüche der Moderne, landet man von Troja und der Atombombe zwangsläufig irgendwann in Auschwitz, Vietnam und, wenn man will, Abu Ghuraib. Diese "Singularitätslinie", die Zivilisationsbrüche reihum in Beziehung setzt, halte ich für abgegriffen, unterkomplex und dekontextualisierend.

Spannender war für mich der Fall Trojas als vermenschlichte Theodizee: Wenn durch eine (menschliche) Lüge, durch die Vernunft die Geschicke des Westens übergreifend begannen, kam dann (auch), dank eines Menschen, der Zeus ironischerweise überwindet, das Böse in die Welt?

Zumindest sind sich Odysseus und Oppenheimer nicht unähnlich. Männer, die zu einer spezifischen Umbruchszeit "da" sind, Moderne mitgestalten, Moderne gleichermaßen pervertieren, weil sie selbst, Opfer ihrer Erfindung(en), mitgestaltet, mitpervertiert werden. Durch den Film hinweg spürt man abermals diese Trauer der in die Zukunft gerichteten Tat.

Mich berührte Die Odyssee, ich wunderte mich eher, warum Zuschauer emotional gar nicht mitgingen. Am berührendsten war sicher der Heimatkitsch in Gestalt einer Depression: Steuerte Odysseus gezielt Inseln an, um den Weg zu seiner Heimat zu verschleppen? Der Kitsch von Nähe, die Welten trennt. Eine der formal anregendsten Ideen war es, Penelope zu separieren. Man sieht sie hinter einer Wand, hinter einem Schleier, geisterhaft. Bekommt dadurch der Mythos der Penelope eine Form, die unangreifbar, unberührbar sich den Gewalten von Männern aussetzt wie widersetzt, oder entkörperlicht und entsubjektiviert der Krieg den Menschen? Oder bedingt das eine das andere?

Apropos: Zu Jennifer Lames assoziativer Montage meinte ich scherzhaft zu meiner Begleitung, die sich mit den "Anforderungen" der IHK bei eigenen filmischen Projekten einst herumschlug: Der Schnitt wäre von denen rigoros abgelehnt worden, zu "verwirrend", zu wenig continuity editing; tatsächlich dirigiert Lame poetisch durch eine Reihe von Erinnerungsfragmenten in Erinnerungsfragmenten. Christopher Nolans neu hinzugekommene Sinnlichkeit, bei der der Schnitt seine Unsichtbarkeit verliert, gefällt. Mein Lieblingsschnitt: von (menschlichem) Kopf zu (göttlichem) Kopf.

Ich frischte als Vorbereitung Following (1998) wieder auf - ja, die "Kinderkrankheiten" hatte Nolan bereits dort, und sie sollten nie gänzlich kuriert werden. Kinderkrankheiten wie: Subtext zu verbalisieren (Odysseus hält noch einmal einen schweren Monolog an der Wand nahe seiner Frau, das Gedachte und das Gesagte, Text, Subtext und Metatext fallen idiotensicher in eins), eine philosophische Idee grobschlächtig in Genre kippen zu lassen; die Figurenanzahl ist jedenfalls massiv, bei der Nolan hin und wieder Schwierigkeiten hat, bekannten Gesichtern Relevanz zuzuweisen (Mia Goth z.B.), ebenso den Episoden der Odyssee, deren Verweildauer schwankt. Meine Begleitung kam schwer(er) rein, die Expositionsdialoge lähmten. Ich konnte es nachvollziehen.

Leider lässt er nicht locker (mein Lieblingskritikpunkt): Aus Christopher Nolan wird in diesem Leben kein Actionregisseur mehr. Wenn Nolan Action abstrahiert und der Raum während des Sehens vom Publikum selbst hergestellt werden muss (exemplarisch in der Höhle des Zyklopen), dann funktioniert es. Es funktioniert nicht, wenn Nolan direkt das Gefecht gewohnt steif (The Dark Knight Rises), gewohnt zerschnitten (Batman Begins) bebildert.
Glücklicherweise hat er Jennifer Lame und Ludwig Göransson an seiner Seite, die der Erstürmung Trojas einen tickenden Herzschlag-Herzinfarkt-Intensivstation-Bombast verleihen. Schnitt wie Musik sind in dieser Szene am formschömsten aufeinander abgestimmt.
Horror hin oder her (auch ich wünsche ihm einen Horrorfilm) - was Benny Safdie (als antiker Darth Vader), Jon Bernthal und Lupita Nyong'o an dunkelschwülstiger Präsenz, an emotionalem (Narben-)Ornament unter Beweis stellen, hätte möglicherweise den besseren, den noch dunkleren Film ergeben!

Letztlich muss ich Menelaus' Frage aber bejahen - diese Geschichte hat mich bewegt. Statt verkopfter Mathematik (er)findet Christopher Nolan das modernistische, sich seiner Materialität hingebende Erzählkino, bei dem Geschichte in Gegenwart gegossen wird. Wo andere Filmschaffende von einer einzigen Idee ihr Leben lang zehren, finde ich diese Entwicklung, auch oder vor allem durch die künstlerischen Impulse neuer und neuerer Wegbegleiter, beachtlich.
Oppenheimer gab mir mehr zum Denken, Interstellar zum Fühlen. Odysseus hingegen schippert irgendwo zwischen Denken und Fühlen - und dem sicheren, unsicheren Hafen großen verkehrsverunglückten Kinos, zu dem man sich verhalten muss und sollte. {3,5/5 ❤️}
 
Jo, Platz 5 in meinem Christopher-Nolan-Ranking. War spitze (wenngleich nicht frei von Schwächen)!

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Gedanken dazu:

Die "Antikriegsbotschaft" funktionierte für mich allein deswegen, weil der letzte Shot weit über den Krieg als Fanal hinausreicht - er adressiert, über den Krieg, eine Ursünde des zivilisatorischen Regelsystems (die aber nicht durchweg der Krieg in Vollendung sein muss, schließlich hadern die Männer Odysseus' und Odysseus als solcher im Kleinen wie Kleinsten - ich würde es als den Missbrauch von Vertrauen interpretieren).

Man könnte es dem Film negativ und gefühlt ahistorisch auslegen, dass Nolan Oppenheimer im Geiste bloß fortsetzt und ein alternatives historisches Setting findet, um die Genese des instrumentellen Bösen wiederholt zu begründen. Was die Atombombe war, ist nun der Fall Trojas, und verfolgt man (populärhistorisch) die Zivilisationsbrüche der Moderne, landet man von Troja und der Atombombe zwangsläufig irgendwann in Auschwitz, Vietnam und, wenn man will, Abu Ghuraib. Diese "Singularitätslinie", die Zivilisationsbrüche reihum in Beziehung setzt, halte ich für abgegriffen, unterkomplex und dekontextualisierend.

Spannender war für mich der Fall Trojas als vermenschlichte Theodizee: Wenn durch eine (menschliche) Lüge, durch die Vernunft die Geschicke des Westens übergreifend begannen, kam dann (auch), dank eines Menschen, der Zeus ironischerweise überwindet, das Böse in die Welt?

Zumindest sind sich Odysseus und Oppenheimer nicht unähnlich. Männer, die zu einer spezifischen Umbruchszeit "da" sind, Moderne mitgestalten, Moderne gleichermaßen pervertieren, weil sie selbst, Opfer ihrer Erfindung(en), mitgestaltet, mitpervertiert werden. Durch den Film hinweg spürt man abermals diese Trauer der in die Zukunft gerichteten Tat.

Mich berührte Die Odyssee, ich wunderte mich eher, warum Zuschauer emotional gar nicht mitgingen. Am berührendsten war sicher der Heimatkitsch in Gestalt einer Depression: Steuerte Odysseus gezielt Inseln an, um den Weg zu seiner Heimat zu verschleppen? Der Kitsch von Nähe, die Welten trennt. Eine der formal anregendsten Ideen war es, Penelope zu separieren. Man sieht sie hinter einer Wand, hinter einem Schleier, geisterhaft. Bekommt dadurch der Mythos der Penelope eine Form, die unangreifbar, unberührbar sich den Gewalten von Männern aussetzt wie widersetzt, oder entkörperlicht und entsubjektiviert der Krieg den Menschen? Oder bedingt das eine das andere?

Apropos: Zu Jennifer Lames assoziativer Montage meinte ich scherzhaft zu meiner Begleitung, die sich mit den "Anforderungen" der IHK bei eigenen filmischen Projekten einst herumschlug: Der Schnitt wäre von denen rigoros abgelehnt worden, zu "verwirrend", zu wenig continuity editing; tatsächlich dirigiert Lame poetisch durch eine Reihe von Erinnerungsfragmenten in Erinnerungsfragmenten. Christopher Nolans neu hinzugekommene Sinnlichkeit, bei der der Schnitt seine Unsichtbarkeit verliert, gefällt. Mein Lieblingsschnitt: von (menschlichem) Kopf zu (göttlichem) Kopf.

Ich frischte als Vorbereitung Following (1998) wieder auf - ja, die "Kinderkrankheiten" hatte Nolan bereits dort, und sie sollten nie gänzlich kuriert werden. Kinderkrankheiten wie: Subtext zu verbalisieren (Odysseus hält noch einmal einen schweren Monolog an der Wand nahe seiner Frau, das Gedachte und das Gesagte, Text, Subtext und Metatext fallen idiotensicher in eins), eine philosophische Idee grobschlächtig in Genre kippen zu lassen; die Figurenanzahl ist jedenfalls massiv, bei der Nolan hin und wieder Schwierigkeiten hat, bekannten Gesichtern Relevanz zuzuweisen (Mia Goth z.B.), ebenso den Episoden der Odyssee, deren Verweildauer schwankt. Meine Begleitung kam schwer(er) rein, die Expositionsdialoge lähmten. Ich konnte es nachvollziehen.

Leider lässt er nicht locker (mein Lieblingskritikpunkt): Aus Christopher Nolan wird in diesem Leben kein Actionregisseur mehr. Wenn Nolan Action abstrahiert und der Raum während des Sehens vom Publikum selbst hergestellt werden muss (exemplarisch in der Höhle des Zyklopen), dann funktioniert es. Es funktioniert nicht, wenn Nolan direkt das Gefecht gewohnt steif (The Dark Knight Rises), gewohnt zerschnitten (Batman Begins) bebildert.
Glücklicherweise hat er Jennifer Lame und Ludwig Göransson an seiner Seite, die der Erstürmung Trojas einen tickenden Herzschlag-Herzinfarkt-Intensivstation-Bombast verleihen. Schnitt wie Musik sind in dieser Szene am formschömsten aufeinander abgestimmt.
Horror hin oder her (auch ich wünsche ihm einen Horrorfilm) - was Benny Safdie (als antiker Darth Vader), Jon Bernthal und Lupita Nyong'o an dunkelschwülstiger Präsenz, an emotionalem (Narben-)Ornament unter Beweis stellen, hätte möglicherweise den besseren, den noch dunkleren Film ergeben!

Letztlich muss ich Menelaus' Frage aber bejahen - diese Geschichte hat mich bewegt. Statt verkopfter Mathematik (er)findet Christopher Nolan das modernistische, sich seiner Materialität hingebende Erzählkino, bei dem Geschichte in Gegenwart gegossen wird. Wo andere Filmschaffende von einer einzigen Idee ihr Leben lang zehren, finde ich diese Entwicklung, auch oder vor allem durch die künstlerischen Impulse neuer und neuerer Wegbegleiter, beachtlich.
Oppenheimer gab mir mehr zum Denken, Interstellar zum Fühlen. Odysseus hingegen schippert irgendwo zwischen Denken und Fühlen - und dem sicheren, unsicheren Hafen großen verkehrsverunglückten Kinos, zu dem man sich verhalten muss und sollte. {3,5/5 ❤️}
Wow! Ich liebe Deine Besprechungen, Deine Expertise und Deine gelungene Wortwahl. Aber hier bin ich einfach nur geplättet, was Du darin alles findest, siehst, hineininterpretierst. Dafür fehlt mir offenbar der intellektuelle Background. Leider finde ich zu Nolans aktuellem Werk gar keinen Zugang. Im Gegensatz zu den für mich bereits schwer zugänglichen Vorgängern, finde ich DIE ODYSSEE darüber hinaus noch unerwartet banal und bieder inszeniert, die Dialoge schal und einfallslos, nur Mittel zum Zweck, also Informationsvermittlung plus Pathos, ohne Esprit, ohne Witz, ohne Gefühl für Rhythmus und Stimmung, und vor allem ohne Überraschung. Das ist alles so erwartbar, was da über die lange Laufzeit gesprochen wird.

Der Film berührt mich null. Die Szenen sind entweder gedehnt lang (Kirke "welches Schweinderl hätten's denn gern?", oder auch dieses "Einer gegen alle" am Ende - wirklich lächerlich) oder aber dann wieder zu kurz, gehetzt scheinend, die Abenteuer abarbeitend, aber nie "richtig". Es gibt keinerlei rhythmischen Fluss, der einen zu tragen begönne. Somit finde ich auch den von Dir exklusiv gelobten Schnitt misslungen. Die Musik, zu Beginn noch spannend, weil ungewohnt, nervt mit zunehmender Laufzeit und fühlt sich mehr und mehr wie Lärm an, weil sie so inflationär eingesetzt und im Verlauf auch immer weniger passend zum Geschehen scheint, wie etwas, das parallel nebenher läuft. Das Sound Design eher wuchtig als filigran, macht schon einige Punkte, aber zusammen mit der Musik, die ja ihrerseits "sounddesignt", ist das oft des Guten zu viel und zu laut.

Mein wesentliches Problem: Nichts lädt mich hier ein, so tief zu graben wie Du und weitere intellektuelle Ebenen zu entdecken - dafür müsste es schon auf der oberen, direkten, empathischen Ebene irgendetwas geben, dass mich fesselt und begeistert. In drei langen Stunden ist mir jeder der Protagonisten tatsächlich herzlich egal. Ich sehe distanziert zu und beobachte die auch mal durchaus spannenden Geschehnisse, aber „andocken“ im Sinne von mitfiebern, hoffen, bangen, freuen … das will mir nicht gelingen. Der Hund, der im Film nur eine kleine Rolle spielt, ist letztlich der einzige, der mir für ein paar Sekunden zu Herzen geht.
 
Ganz unabhängig vom eigenen Urteil sind Besprechungen von @Der Philosoph immer wirklich lesenswert und man geht schlauer raus, als man rein ging. Manche Lesarten sind ja spannend, die Emotion und handwerkliche Beurteilung bleibt allerdings halt höchst subjektiv, und darin liegt ja für viele die Hauptkritik.

Gestern habe ich mir nach Interstellar übrigens mal wieder Insomnia reingezogen. Seine einzige Auftragsarbeit, das Drehbuch schrieb Nolan nicht. Ich liebe den Film und seine Atmosphäre, generell lebt und atmet dieser Film David Fincher in jeder Sekunde, als wäre er ihm auf den Leib geschrieben worden.
 
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