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Kinofilm: Die Odyssee [Christopher Nolan] (2026) [Kino]

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Aber dieses Rumgeheule ist schon übertrieben.
Wenn man die Tragweite der Entscheidungen und Konsequenzen betrachtet eher nicht, wie ich finde.
Aber für mich rufen Geschichten bei denen Familie und Vergänglichkeit kombiniert und stark thematisiert werden immer sehr starke Emotionen hervor.
Ich konnte bei Interstellar jede Träne nachvollziehen.
 
Selbst INTERSTELLAR hat mich ausgesprochen wenig berührt. Ich denke, Nolan ist ein ambitionierter Versuch von Cyberdyne Systems die Menschheit im Bereich des Unterhaltungssektors mit pseudointellektuellen und pseudoemotionalen Inhalten auf die Übernahme der Welt durch die Maschinen vorzubereiten. :zwinker:
Der hat mich damals im Kino schon sehr berührt. Hatte den letztes Jahr nach längerer Zeit mal wieder gesehen.
Als klassischer Sci-Fi-Film, abseits von Space Opera und Horrorfilmen wie Alien und Konsorten, funktioniert der immer noch sehr gut.
Mir ist erst jetzt aufgefallen wie viel da geweint wird. Ständig ist da jemand am flennen. Grundsätzlich ist das Nolans emotionalster Film.
Aber dieses Rumgeheule ist schon übertrieben.
Ist der Untergang der Menschheit kein Grund für Tränen? Interstellar hab ich nur ein Mal gesehen, aber die Szene mit dem relativen Zeitablauf, in welcher für Matthew McConaughey nur Minuten, auf der Erde jedoch Jahrzehnte vergehen, hat mir gereicht.
 
Selbst INTERSTELLAR hat mich ausgesprochen wenig berührt. Ich denke, Nolan ist ein ambitionierter Versuch von Cyberdyne Systems die Menschheit im Bereich des Unterhaltungssektors mit pseudointellektuellen und pseudoemotionalen Inhalten auf die Übernahme der Welt durch die Maschinen vorzubereiten. :zwinker:
Der hat mich damals im Kino schon sehr berührt. Hatte den letztes Jahr nach längerer Zeit mal wieder gesehen.
Als klassischer Sci-Fi-Film, abseits von Space Opera und Horrorfilmen wie Alien und Konsorten, funktioniert der immer noch sehr gut.
Mir ist erst jetzt aufgefallen wie viel da geweint wird. Ständig ist da jemand am flennen. Grundsätzlich ist das Nolans emotionalster Film.
Aber dieses Rumgeheule ist schon übertrieben.
Ist der Untergang der Menschheit kein Grund für Tränen? Interstellar hab ich nur ein Mal gesehen, aber die Szene mit dem relativen Zeitablauf, in welcher für Matthew McConaughey nur Minuten, auf der Erde jedoch Jahrzehnte vergehen, hat mir gereicht.
Die ist echt herzzerreißend.
 
Selbst INTERSTELLAR hat mich ausgesprochen wenig berührt.
Der ist einfach schnulzig und -- obwohl er mit aller Macht das Gegenteil beweisen will -- sehr einfach gestrickt. Ein Blendwerk.

Dass Leute INTERSTELLAR als Meisterwerk feiern, ist mir komplett unbegreiflich.

Sorry, hatte mich schon ein paar mal zurückgehalten, aber jetzt ging's nicht mehr. :)
giphy.gif



(Gibt trotzdem andere Nolan-Filme, die ich sehr mag.)
 
Ich meine zu verstehen was du meinst, aber erläutere mal. :gruebel:
Das hatte ich mal nach der Kinovorstellung dazu geschrieben:
Weder bin ich großer Nolan-Fan noch bin ich an Interstellar mit haushohen Erwartungen herangegangen.
Nach den teils euphorischen Reaktionen und Rezensionen wollte ich mir im Kino mit eigenen Augen ein Bild von diesem Filmphänomen machen.

Für mich gibt es drei Themenpakete, weshalb ich Interstellar für misslungen halte:

1.Schmalz und holzschnittartige All-American-Hero-Charaktere
Schon die Einführung der Familie auf einer dystopischen Erde zeigt mir nur stereotype Charaktere. Die zentrale Figur Cooper ist alleinerziehend, aufopfernd, schlau, mutig, rebellisch, kernig, cool und weder die untergehende Zivilisation noch die teils aufmüpfigen Kinder können ihn auch nur eine Sekunde aus der Ruhe bringen. Die zweite zentrale Figur, seine Tochter “Murph” scheint ebenfalls aus dem Charakter-Setzbaukasten: sympathisch unkonventionell, eigenwillig, hochbegabt, integer und süß. Bei allen Reibereien ist jeder für jeden da, wertschätzend. Hohle Phrasen, z. B. bei der Schulkonferenz, werden von Cooper ironisch demaskiert. Es ist die geballte Essenz aus amerikanischen Idealen, die diese Familie ausmacht. Das und der Hang der Inszenierung zu arg gefühlvollen Tönen in der Vater-Tocher-Beziehung, definieren für mich Kitsch, der versucht authentisch rüberzukommen. Für die meisten scheint das zu funktionieren, mich haben die Figuren kalt gelassen.
Ab der zweiten Hälfte im Film häufen sich die Flenn-Szenen nochmal massiv. Das ist alles hochemotional und sehr forciert. Das Sahnehäubchen ist eine kurze Ansprache über die Liebe, die nicht metaphorisch, sondern faktisch (!) als die Raum und Zeit überwindende Macht dargestellt wird, die alles lenkt. Dies wird tatsächlich in einem Gespräch unter Wissenschaftlern geäußert, mit dem Inbrunst der Überzeugung. Da bin ich vor Fassungslosigkeit fast aus dem Kinosessel gepurzelt.

2. Die mit wissenschaftlichen Details überfrachtete bzw. überkomplexe Handlung
Es wird extrem viel erklärt in Interstellar, ohne wirklich Wissen zu vermitteln. Was aber auch kein Wunder ist, weil die Konzepte um die es geht, hochabstrakt sind. Die Handlung ist gespickt mit wissenschaftlichen Details, mit denen man ganze Bibliotheken füllen könnte: Relativitätstheorie und die Natur der Zeit, Quantenmechanik, Wurmlöcher, Schwarze Löcher, 5-dimensionale Räume...
Im letzten Viertel herrscht dagegen Wundergläubigkeit vor, die wissenschaftlich verbrämt wird. Interstellar betritt esoterische Gefilde, beruft sich aber auf moderne Erkenntnisse und beharrt darauf, dass jedes Ereignis im Film logisch erklärt werden kann. Da steht er komplett im Gegensatz zu 2001, der sich eine mystische Dimension erhält und keine Erklärbär-Monologe absondert.
Ich bin nicht der Meinung, dass man jedes Detail verstehen muss, damit ein Film funktioniert und man kann dem Zuschauer auch zumuten um die Ecke zu denken und über seinen persönlichen Tellerrand zu schauen, aber auf mich wirkt Interstellar überambitioniert und streberhaft. Er ist einfach mit Ideen überfrachtet, was ihn zum perfekten Film für blasse Nerds macht, die in wochenlanger Arbeit jedes Detail recherchieren können, um die Handlung zu rekonstruieren.

3. Die Kernaussage des Films, die eher zu einem 1950er-Jahre-SF-Streifen passt und konservative Werte hochhält
Bei aller Kompliziertheit feiert der Film die einfache Lösung. Die Menschheit hat die Karre in den Dreck gefahren, aber nicht mit Mühe und vereinten Kräften versuchen sie die Karre wieder herauszuziehen, sondern „die Wissenschaft“ in Form der NASA soll die Hau-ruck-Lösung bringen. Im Auftrag der Wissenschaft fungieren heldenhafte Astronauten als Zünglein an der Waage.
Überhaupt wird „der Griff nach den Sternen“ glorifiziert, als Inbegriff menschlichen Fortschritts. Dazu passt Coopers cool-unangepasster Cowboystil. Interstellar ist schon ein sehr genaues Abbild konservativer amerikanischer Werte: das ganze Heroische, Wissenschafts- und Technikvertrauen,die tränenselige Vater-Tochter-Beziehung, das Hochhalten der Familienwerte, Liebe, ja die Liebe und unser Mann im All, der leicht rebellische, aber immer super-sympathische Cooper – Heureka.

FAZIT: Diese Negativpunkte wären für mich zu verkraften gewesen, wenn Interstellar einfach spannende Unterhaltung gewesen wäre. Mit fast drei Stunden Laufzeit zog sich der Film aber wie Kaugummi.
Beeindruckend sind am ehesten noch die visuelle Umsetzung und – ja – auch die Ideen und Details, wenn es nicht viel zuviele wären, dass einem bald der Kopf schwirrt. Die Filmmusik von Hans Zimmer hat mir anfangs mit ihrem kühl-kirchenorgelartigen Sound gut gefallen, aber im Laufe der Zeit wird sie doch recht penetrant, vor allem wenn die Musik Szenen übertönen will, die sowieso schon laut sind (z. B. beim Eintritt des Raumschiffs in die Atmosphäre).
So bin etwas zerschlagen aus dem Kino gewankt und es ist für mich schwer vorstellbar, dass sich jemand nach der ersten Sichtung Interstellar freiwillig ein zweites Mal antut. Mein Art von Kino ist das definitiv nicht.

Aber zweifellos hat der Film bei vielen einen Nerv getroffen, was an den Kritiken und Zuschauerreaktionen zu sehen ist.

5/10
 
Ist der Untergang der Menschheit kein Grund für Tränen?
Derzeit denke ich, eine Menge Tiere und Pflanzen würden aufatmen. :60:
Die kommen auch so wieder klar. Wenn der Mensch erstmal weg ist.
Da entspricht ein optimistischerer Ausblick wie beispielsweise in The Abyss eher meinem Blick auf die Welt und um das Ganze wieder mehr oder weniger elegant auf Die Odyssee zurückzuführen: Solange Menschen Reue empfinden und bereit sind, ihr Verhalten zu ändern, besteht noch Hoffnung.
 
Ich meine zu verstehen was du meinst, aber erläutere mal. :gruebel:
Das hatte ich mal nach der Kinovorstellung geschrieben:

"Weder bin ich großer Nolan-Fan noch bin ich an Interstellar mit haushohen Erwartungen herangegangen.
Nach den teils euphorischen Reaktionen und Rezensionen wollte ich mir im Kino mit eigenen Augen ein Bild von diesem Filmphänomen machen.

Für mich gibt es drei Themenpakete, weshalb ich Interstellar für misslungen halte:

1.Schmalz und holzschnittartige All-American-Hero-Charaktere
Schon die Einführung der Familie auf einer dystopischen Erde zeigt mir nur stereotype Charaktere. Die zentrale Figur Cooper ist alleinerziehend, aufopfernd, schlau, mutig, rebellisch, kernig, cool und weder die untergehende Zivilisation noch die teils aufmüpfigen Kinder können ihn auch nur eine Sekunde aus der Ruhe bringen. Die zweite zentrale Figur, seine Tochter “Murph” scheint ebenfalls aus dem Charakter-Setzbaukasten: sympathisch unkonventionell, eigenwillig, hochbegabt, integer und süß. Bei allen Reibereien ist jeder für jeden da, wertschätzend. Hohle Phrasen, z. B. bei der Schulkonferenz, werden von Cooper ironisch demaskiert. Es ist die geballte Essenz aus amerikanischen Idealen, die diese Familie ausmacht. Das und der Hang der Inszenierung zu arg gefühlvollen Tönen in der Vater-Tocher-Beziehung, definieren für mich Kitsch, der versucht authentisch rüberzukommen. Für die meisten scheint das zu funktionieren, mich haben die Figuren kalt gelassen.
Ab der zweiten Hälfte im Film häufen sich die Flenn-Szenen nochmal massiv. Das ist alles hochemotional und sehr forciert. Das Sahnehäubchen ist eine kurze Ansprache über die Liebe, die nicht metaphorisch, sondern faktisch (!) als die Raum und Zeit überwindende Macht dargestellt wird, die alles lenkt. Dies wird tatsächlich in einem Gespräch unter Wissenschaftlern geäußert, mit dem Inbrunst der Überzeugung. Da bin ich vor Fassungslosigkeit fast aus dem Kinosessel gepurzelt.

2. Die mit wissenschaftlichen Details überfrachtete bzw. überkomplexe Handlung
Es wird extrem viel erklärt in Interstellar, ohne wirklich Wissen zu vermitteln. Was aber auch kein Wunder ist, weil die Konzepte um die es geht, hochabstrakt sind. Die Handlung ist gespickt mit wissenschaftlichen Details, mit denen man ganze Bibliotheken füllen könnte: Relativitätstheorie und die Natur der Zeit, Quantenmechanik, Wurmlöcher, Schwarze Löcher, 5-dimensionale Räume...
Im letzten Viertel herrscht dagegen Wundergläubigkeit vor, die wissenschaftlich verbrämt wird. Interstellar betritt esoterische Gefilde, beruft sich aber auf moderne Erkenntnisse und beharrt darauf, dass jedes Ereignis im Film logisch erklärt werden kann. Da steht er komplett im Gegensatz zu 2001, der sich eine mystische Dimension erhält und keine Erklärbär-Monologe absondert.
Ich bin nicht der Meinung, dass man jedes Detail verstehen muss, damit ein Film funktioniert und man kann dem Zuschauer auch zumuten um die Ecke zu denken und über seinen persönlichen Tellerrand zu schauen, aber auf mich wirkt Interstellar überambitioniert und streberhaft. Er ist einfach mit Ideen überfrachtet, was ihn zum perfekten Film für blasse Nerds macht, die in wochenlanger Arbeit jedes Detail recherchieren können, um die Handlung zu rekonstruieren.

3. Die Kernaussage des Films, die eher zu einem 1950er-Jahre-SF-Streifen passt und konservative Werte hochhält
Bei aller Kompliziertheit feiert der Film die einfache Lösung. Die Menschheit hat die Karre in den Dreck gefahren, aber nicht mit Mühe und vereinten Kräften versuchen sie die Karre wieder herauszuziehen, sondern „die Wissenschaft“ in Form der NASA soll die Hau-ruck-Lösung bringen. Im Auftrag der Wissenschaft fungieren heldenhafte Astronauten als Zünglein an der Waage.
Überhaupt wird „der Griff nach den Sternen“ glorifiziert, als Inbegriff menschlichen Fortschritts. Dazu passt Coopers cool-unangepasster Cowboystil. Interstellar ist schon ein sehr genaues Abbild konservativer amerikanischer Werte: das ganze Heroische, Wissenschafts- und Technikvertrauen,die tränenselige Vater-Tochter-Beziehung, das Hochhalten der Familienwerte, Liebe, ja die Liebe und unser Mann im All, der leicht rebellische, aber immer super-sympathische Cooper – Heureka.

FAZIT: Diese Negativpunkte wären für mich zu verkraften gewesen, wenn Interstellar einfach spannende Unterhaltung gewesen wäre. Mit fast drei Stunden Laufzeit zog sich der Film aber wie Kaugummi.
Beeindruckend sind am ehesten noch die visuelle Umsetzung und – ja – auch die Ideen und Details, wenn es nicht viel zuviele wären, dass einem bald der Kopf schwirrt. Die Filmmusik von Hans Zimmer hat mir anfangs mit ihrem kühl-kirchenorgelartigen Sound gut gefallen, aber im Laufe der Zeit wird sie doch recht penetrant, vor allem wenn die Musik Szenen übertönen will, die sowieso schon laut sind (z. B. beim Eintritt des Raumschiffs in die Atmosphäre).
So bin etwas zerschlagen aus dem Kino gewankt und es ist für mich schwer vorstellbar, dass sich jemand nach der ersten Sichtung Interstellar freiwillig ein zweites Mal antut. Mein Art von Kino ist das definitiv nicht.

Aber zweifellos hat der Film bei vielen einen Nerv getroffen, was an den Kritiken und Zuschauerreaktionen zu sehen ist.

5/10
Nene, ich meinte wieso er sagt dass er keine "Meisterwerke" braucht. Sträubt er sich grundsätzlich gegen die Bezeichnung? Mag er Filme nicht bei denen der Konsens positiv ist?
 
"Weder bin ich großer Nolan-Fan noch bin ich an Interstellar mit haushohen Erwartungen herangegangen.
Nach den teils euphorischen Reaktionen und Rezensionen wollte ich mir im Kino mit eigenen Augen ein Bild von diesem Filmphänomen machen.

Für mich gibt es drei Themenpakete, weshalb ich Interstellar für misslungen halte:

1.Schmalz und holzschnittartige All-American-Hero-Charaktere
Schon die Einführung der Familie auf einer dystopischen Erde zeigt mir nur stereotype Charaktere. Die zentrale Figur Cooper ist alleinerziehend, aufopfernd, schlau, mutig, rebellisch, kernig, cool und weder die untergehende Zivilisation noch die teils aufmüpfigen Kinder können ihn auch nur eine Sekunde aus der Ruhe bringen. Die zweite zentrale Figur, seine Tochter “Murph” scheint ebenfalls aus dem Charakter-Setzbaukasten: sympathisch unkonventionell, eigenwillig, hochbegabt, integer und süß. Bei allen Reibereien ist jeder für jeden da, wertschätzend. Hohle Phrasen, z. B. bei der Schulkonferenz, werden von Cooper ironisch demaskiert. Es ist die geballte Essenz aus amerikanischen Idealen, die diese Familie ausmacht. Das und der Hang der Inszenierung zu arg gefühlvollen Tönen in der Vater-Tocher-Beziehung, definieren für mich Kitsch, der versucht authentisch rüberzukommen. Für die meisten scheint das zu funktionieren, mich haben die Figuren kalt gelassen.
Ab der zweiten Hälfte im Film häufen sich die Flenn-Szenen nochmal massiv. Das ist alles hochemotional und sehr forciert. Das Sahnehäubchen ist eine kurze Ansprache über die Liebe, die nicht metaphorisch, sondern faktisch (!) als die Raum und Zeit überwindende Macht dargestellt wird, die alles lenkt. Dies wird tatsächlich in einem Gespräch unter Wissenschaftlern geäußert, mit dem Inbrunst der Überzeugung. Da bin ich vor Fassungslosigkeit fast aus dem Kinosessel gepurzelt.

2. Die mit wissenschaftlichen Details überfrachtete bzw. überkomplexe Handlung
Es wird extrem viel erklärt in Interstellar, ohne wirklich Wissen zu vermitteln. Was aber auch kein Wunder ist, weil die Konzepte um die es geht, hochabstrakt sind. Die Handlung ist gespickt mit wissenschaftlichen Details, mit denen man ganze Bibliotheken füllen könnte: Relativitätstheorie und die Natur der Zeit, Quantenmechanik, Wurmlöcher, Schwarze Löcher, 5-dimensionale Räume...
Im letzten Viertel herrscht dagegen Wundergläubigkeit vor, die wissenschaftlich verbrämt wird. Interstellar betritt esoterische Gefilde, beruft sich aber auf moderne Erkenntnisse und beharrt darauf, dass jedes Ereignis im Film logisch erklärt werden kann. Da steht er komplett im Gegensatz zu 2001, der sich eine mystische Dimension erhält und keine Erklärbär-Monologe absondert.
Ich bin nicht der Meinung, dass man jedes Detail verstehen muss, damit ein Film funktioniert und man kann dem Zuschauer auch zumuten um die Ecke zu denken und über seinen persönlichen Tellerrand zu schauen, aber auf mich wirkt Interstellar überambitioniert und streberhaft. Er ist einfach mit Ideen überfrachtet, was ihn zum perfekten Film für blasse Nerds macht, die in wochenlanger Arbeit jedes Detail recherchieren können, um die Handlung zu rekonstruieren.

3. Die Kernaussage des Films, die eher zu einem 1950er-Jahre-SF-Streifen passt und konservative Werte hochhält
Bei aller Kompliziertheit feiert der Film die einfache Lösung. Die Menschheit hat die Karre in den Dreck gefahren, aber nicht mit Mühe und vereinten Kräften versuchen sie die Karre wieder herauszuziehen, sondern „die Wissenschaft“ in Form der NASA soll die Hau-ruck-Lösung bringen. Im Auftrag der Wissenschaft fungieren heldenhafte Astronauten als Zünglein an der Waage.
Überhaupt wird „der Griff nach den Sternen“ glorifiziert, als Inbegriff menschlichen Fortschritts. Dazu passt Coopers cool-unangepasster Cowboystil. Interstellar ist schon ein sehr genaues Abbild konservativer amerikanischer Werte: das ganze Heroische, Wissenschafts- und Technikvertrauen,die tränenselige Vater-Tochter-Beziehung, das Hochhalten der Familienwerte, Liebe, ja die Liebe und unser Mann im All, der leicht rebellische, aber immer super-sympathische Cooper – Heureka.

FAZIT: Diese Negativpunkte wären für mich zu verkraften gewesen, wenn Interstellar einfach spannende Unterhaltung gewesen wäre. Mit fast drei Stunden Laufzeit zog sich der Film aber wie Kaugummi.
Beeindruckend sind am ehesten noch die visuelle Umsetzung und – ja – auch die Ideen und Details, wenn es nicht viel zuviele wären, dass einem bald der Kopf schwirrt. Die Filmmusik von Hans Zimmer hat mir anfangs mit ihrem kühl-kirchenorgelartigen Sound gut gefallen, aber im Laufe der Zeit wird sie doch recht penetrant, vor allem wenn die Musik Szenen übertönen will, die sowieso schon laut sind (z. B. beim Eintritt des Raumschiffs in die Atmosphäre).
So bin etwas zerschlagen aus dem Kino gewankt und es ist für mich schwer vorstellbar, dass sich jemand nach der ersten Sichtung Interstellar freiwillig ein zweites Mal antut. Mein Art von Kino ist das definitiv nicht.

Aber zweifellos hat der Film bei vielen einen Nerv getroffen, was an den Kritiken und Zuschauerreaktionen zu sehen ist.

5/10
Das trifft den Nagel auf den Kopf. Chapeau! Super zusammengefasst.
Trotzdem ist INTERSTELLAR noch um Klassen innovativer und einfallsreicher als DIE ODYSSEE.
 
OT:
Heute im IMAX Düsseldorf gesehen.
Die Hauptsinne wurden bedient. Trotz der langen Laufzeit kann Nolan die Dramaturgie größenteils halten. Allerdings war mir das Finale etwas zu ausgewalzt und der Kampf um die Freier zu abrupt geschnitten. So richtiges R-Rated war das in dieser Sequenz nicht.
Eine bessere und aufwendigere Verfilmung des antiken Stoffes werden wir wohl nicht mehr bekommen. Das Ganze ist sehr düster und thematisch kann man Parallelen zur Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit um globale Konflikte und Kriegstreiberei ziehen.
Dabei ist Odysseus hier tragische Figur, ganz im Sinne der griechischen Mythologie und antiker Epen.
Seine Urschuld lastet seit jeher auf der Menschheit.
So erklärt uns das Nolan. Das hat mich nicht durchgehend überzeugt.
Vielleicht liegt es auch an der Ambivalenz der Figur.
Nichtsdestotrotz macht Matt Damon seinen Job gut.
Noch stärker fand ich Anne Hathaway. Die aus ihrer eher passiven Rolle das Maximum rausholt. Auch John Leguizamo spielt sehr stark.
Der Rest ist einfach da oder Eyecandy. Charlize Theron ist immer noch schön anzuschauen.
Die titelgebende Odyssee gestaltet sich spektakulär und teils wie ein Horrorfilm. Bedingt durch Nolans Realismusanspruch und "analoger" Bodenständigkeit.
Trotz Schauwerten, hat mich dramaturgisch, die List mit dem trojanischen Pferd am stärksten gepackt. Hier zieht Nolan alle Register seines Könnens.
Leider zog sich das letzte Drittel für mich etwas zu sehr.
Vielleicht waren meine Erwartungen auch etwas zu hoch.
Sehenswert ist Nolans Odyssee allemal. Vor allem im Kino.
Direkt nach dem Ende des Films war ich etwas enttäuscht, aber jetzt hätte ich durchaus Lust den Film, vor allem im O-Ton, nochmal zu schauen.
Man darf sich bei Nolan für so ein Kinoevent bedanken.
Gerade auch im Zeitalter der totgerittenen Franchises und seelenlosem CGI-Effekt-Gewitter.

8/10
 
Dass Leute INTERSTELLAR als Meisterwerk feiern, ist mir komplett unbegreiflich.
Ich feiere grundsätzlich überhaupt nichts als Meisterwerk, mir kann etwas gefallen oder nicht, mich kann etwas berühren oder nicht, aber "Meisterwerke" brauche ich nicht!
Ich meine zu verstehen was du meinst, aber erläutere mal. :gruebel:
"Meisterwerk" hat für mich zum einen etwas von Selbstgewixxe, und wenn dann akzeptiere ich das vielleicht für Werke aus weiter zurückliegenden Jahrzehnten.

Wenn "man" in 30 Jahren z.B "Odyssey" mehrheitlich als Meisterwerk einordnen würde, dann wäre das für mich akzeptabel, wäre mir aber auch dann egal ;)

Aber für halbwegs aktuelle Filme ist das für mich grundsätzlich keine naheliegende Kategorie.
 
Dass Leute INTERSTELLAR als Meisterwerk feiern, ist mir komplett unbegreiflich.
Ich feiere grundsätzlich überhaupt nichts als Meisterwerk, mir kann etwas gefallen oder nicht, mich kann etwas berühren oder nicht, aber "Meisterwerke" brauche ich nicht!
Ich meine zu verstehen was du meinst, aber erläutere mal. :gruebel:
"Meisterwerk" hat für mich zum einen etwas von Selbstgewixxe, und wenn dann akzeptiere ich das vielleicht für Werke aus weiter zurückliegenden Jahrzehnten.

Wenn "man" in 30 Jahren z.B "Odyssey" mehrheitlich als Meisterwerk einordnen würde, dann wäre das für mich akzeptabel, wäre mir aber auch dann egal ;)

Aber für halbwegs aktuelle Filme ist das für mich grundsätzlich keine naheliegende Kategorie.
Gut, das ist natürlich sehr individuell. Ich werfe mit dem Begriff auch nicht um mich, manche machen das sehr inflationär. Wenn ich ihn nutze, dann schon sehr bewusst.
 
"Weder bin ich großer Nolan-Fan noch bin ich an Interstellar mit haushohen Erwartungen herangegangen.
Nach den teils euphorischen Reaktionen und Rezensionen wollte ich mir im Kino mit eigenen Augen ein Bild von diesem Filmphänomen machen.

Für mich gibt es drei Themenpakete, weshalb ich Interstellar für misslungen halte:

1.Schmalz und holzschnittartige All-American-Hero-Charaktere
Schon die Einführung der Familie auf einer dystopischen Erde zeigt mir nur stereotype Charaktere. Die zentrale Figur Cooper ist alleinerziehend, aufopfernd, schlau, mutig, rebellisch, kernig, cool und weder die untergehende Zivilisation noch die teils aufmüpfigen Kinder können ihn auch nur eine Sekunde aus der Ruhe bringen. Die zweite zentrale Figur, seine Tochter “Murph” scheint ebenfalls aus dem Charakter-Setzbaukasten: sympathisch unkonventionell, eigenwillig, hochbegabt, integer und süß. Bei allen Reibereien ist jeder für jeden da, wertschätzend. Hohle Phrasen, z. B. bei der Schulkonferenz, werden von Cooper ironisch demaskiert. Es ist die geballte Essenz aus amerikanischen Idealen, die diese Familie ausmacht. Das und der Hang der Inszenierung zu arg gefühlvollen Tönen in der Vater-Tocher-Beziehung, definieren für mich Kitsch, der versucht authentisch rüberzukommen. Für die meisten scheint das zu funktionieren, mich haben die Figuren kalt gelassen.
Ab der zweiten Hälfte im Film häufen sich die Flenn-Szenen nochmal massiv. Das ist alles hochemotional und sehr forciert. Das Sahnehäubchen ist eine kurze Ansprache über die Liebe, die nicht metaphorisch, sondern faktisch (!) als die Raum und Zeit überwindende Macht dargestellt wird, die alles lenkt. Dies wird tatsächlich in einem Gespräch unter Wissenschaftlern geäußert, mit dem Inbrunst der Überzeugung. Da bin ich vor Fassungslosigkeit fast aus dem Kinosessel gepurzelt.

2. Die mit wissenschaftlichen Details überfrachtete bzw. überkomplexe Handlung
Es wird extrem viel erklärt in Interstellar, ohne wirklich Wissen zu vermitteln. Was aber auch kein Wunder ist, weil die Konzepte um die es geht, hochabstrakt sind. Die Handlung ist gespickt mit wissenschaftlichen Details, mit denen man ganze Bibliotheken füllen könnte: Relativitätstheorie und die Natur der Zeit, Quantenmechanik, Wurmlöcher, Schwarze Löcher, 5-dimensionale Räume...
Im letzten Viertel herrscht dagegen Wundergläubigkeit vor, die wissenschaftlich verbrämt wird. Interstellar betritt esoterische Gefilde, beruft sich aber auf moderne Erkenntnisse und beharrt darauf, dass jedes Ereignis im Film logisch erklärt werden kann. Da steht er komplett im Gegensatz zu 2001, der sich eine mystische Dimension erhält und keine Erklärbär-Monologe absondert.
Ich bin nicht der Meinung, dass man jedes Detail verstehen muss, damit ein Film funktioniert und man kann dem Zuschauer auch zumuten um die Ecke zu denken und über seinen persönlichen Tellerrand zu schauen, aber auf mich wirkt Interstellar überambitioniert und streberhaft. Er ist einfach mit Ideen überfrachtet, was ihn zum perfekten Film für blasse Nerds macht, die in wochenlanger Arbeit jedes Detail recherchieren können, um die Handlung zu rekonstruieren.

3. Die Kernaussage des Films, die eher zu einem 1950er-Jahre-SF-Streifen passt und konservative Werte hochhält
Bei aller Kompliziertheit feiert der Film die einfache Lösung. Die Menschheit hat die Karre in den Dreck gefahren, aber nicht mit Mühe und vereinten Kräften versuchen sie die Karre wieder herauszuziehen, sondern „die Wissenschaft“ in Form der NASA soll die Hau-ruck-Lösung bringen. Im Auftrag der Wissenschaft fungieren heldenhafte Astronauten als Zünglein an der Waage.
Überhaupt wird „der Griff nach den Sternen“ glorifiziert, als Inbegriff menschlichen Fortschritts. Dazu passt Coopers cool-unangepasster Cowboystil. Interstellar ist schon ein sehr genaues Abbild konservativer amerikanischer Werte: das ganze Heroische, Wissenschafts- und Technikvertrauen,die tränenselige Vater-Tochter-Beziehung, das Hochhalten der Familienwerte, Liebe, ja die Liebe und unser Mann im All, der leicht rebellische, aber immer super-sympathische Cooper – Heureka.

FAZIT: Diese Negativpunkte wären für mich zu verkraften gewesen, wenn Interstellar einfach spannende Unterhaltung gewesen wäre. Mit fast drei Stunden Laufzeit zog sich der Film aber wie Kaugummi.
Beeindruckend sind am ehesten noch die visuelle Umsetzung und – ja – auch die Ideen und Details, wenn es nicht viel zuviele wären, dass einem bald der Kopf schwirrt. Die Filmmusik von Hans Zimmer hat mir anfangs mit ihrem kühl-kirchenorgelartigen Sound gut gefallen, aber im Laufe der Zeit wird sie doch recht penetrant, vor allem wenn die Musik Szenen übertönen will, die sowieso schon laut sind (z. B. beim Eintritt des Raumschiffs in die Atmosphäre).
So bin etwas zerschlagen aus dem Kino gewankt und es ist für mich schwer vorstellbar, dass sich jemand nach der ersten Sichtung Interstellar freiwillig ein zweites Mal antut. Mein Art von Kino ist das definitiv nicht.

Aber zweifellos hat der Film bei vielen einen Nerv getroffen, was an den Kritiken und Zuschauerreaktionen zu sehen ist.

5/10
Das trifft den Nagel auf den Kopf. Chapeau! Super zusammengefasst.
Trotzdem ist INTERSTELLAR noch um Klassen innovativer und einfallsreicher als DIE ODYSSEE.
Homers Texte zählen zu den ältesten überlieferten Schriften der Menschheit. Da ist eine Vielzahl an Adaptionen doch normal. Dementsprechend ist die Geschichte nun mal nicht nicht neu. Wie ist "Innovation" in dem Kontext zu verstehen? :81:
 
Die Odyssee hätte ein Meisterwerk werden können, alle Zutaten waren grundsätzlich vorhanden. Wurde aber leider dann doch nichts.
 
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