Ich habe den Diskurs zum Audiokommentar verfolgt und kann die Kritik daran nachvollziehen.
Dass der Audiokommentar offenbar in dieser Form angeliefert und übernommen wurde, erklärt zwar die Herkunft des Problems, entkräftet es aber nicht. Für Käufer zählt am Ende die veröffentlichte Blu-ray, nicht die interne Produktionsgeschichte.
Wenn ein Audiokommentar so abgemischt ist, dass der Hauptfilmton in gleicher Lautstärke mitläuft und die Kommentatoren dadurch schwer verständlich sind, dann ist das kein normaler kreativer Spielraum mehr. Ein Audiokommentar hat eine klare Funktion: Man soll dem Kommentar folgen können. Wenn genau das über weite Strecken erschwert wird, ist Kritik daran berechtigt.
Besonders schief finde ich das scheinbar naive 'Für mich war das kein Problem, also musste ich auch nichts kommunizieren'. Wenn das die Qualitätskontrolle sein soll, ist das kein besonders beruhigendes Signal. Gerade bei einem Audiokommentar sollte auffallen, ob die Kommentarspur verständlich ist oder ob sie vom Filmton zugedeckt wird.
Dazu kommt der Widerspruch: Einerseits wird so getan, als sei alles völlig unproblematisch gewesen. Andererseits wird eingeräumt, dass man nachvollziehen könne, wenn andere damit ein Problem haben. Damit wird aus einem möglichen technischen Mangel plötzlich ein persönliches Empfindungsproblem der Käufer gemacht. Das überzeugt mich nicht. Es geht nicht darum, ob einzelne Hörer besonders empfindlich sind. Es geht darum, ob ein Audiokommentar seine Grundfunktion erfüllt.
Auch der Verweis auf 84 Entertainment bzw. René trägt für mich nur begrenzt. Dass René dazu nichts mehr sagen kann, ist tragisch, aber daraus folgt nicht automatisch, dass gar nichts mehr möglich gewesen wäre. Die Personen, die den Audiokommentar eingesprochen haben, sind dem Verleger bekannt; man hat bereits in anderen Zusammenhängen miteinander gearbeitet. Eine Nachfrage wäre daher naheliegend gewesen: Gibt es noch eine saubere Originaldatei des Kommentars? Genau diese Frage drängt sich umso mehr auf, wenn man den Kommentar angeblich nicht neu aufnehmen konnte oder wollte.
Schwierig finde ich in diesem Zusammenhang auch den Verweis auf das verbesserte Bildmaster. Dass das ursprünglich vorgesehene Master von 84 Entertainment offenbar stark mit DNR bearbeitet war und hier nachgebessert wurde, ist positiv zu bewerten. Nur beantwortet es die Kritik am Audiokommentar nicht. Bildmaster und Audiokommentar sind zwei verschiedene Qualitätsbereiche derselben Veröffentlichung.
Vor allem verschiebt dieses Argument die Ebene: Aus einer konkreten Kritik an einem problematisch präsentierten Extra wird plötzlich eine Grundsatzfrage, ob man die Veröffentlichung nicht insgesamt anerkennen müsse. Das lenkt von der eigentlichen Frage ab: Ist der Audiokommentar auf der Disc in dieser Form ordentlich nutzbar oder nicht?
Der spätere YouTube-Upload einer sauberen Kommentarspur macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Er zeigt offenbar, dass eine verständliche Fassung des Kommentars existiert oder zumindest verfügbar gemacht werden konnte. Natürlich ist es nett, wenn der Kommentar extern anhörbar ist. Aber das ersetzt nicht die Fassung auf der Disc. Gekauft wurde eine Blu-ray mit Audiokommentar, nicht ein Produkt, bei dem man sich den eigentlich brauchbaren Kommentar zusätzlich irgendwo auf YouTube anhören muss. Ein externer Upload kann verschwinden, ist nicht Teil der Disc und ersetzt keine ordnungsgemäße Präsentation des beworbenen Extras auf dem gekauften Produkt.
Auch die QM-Frage bleibt: Wer hat das geprüft? Hat sich den Audiokommentar jemand komplett angehört? Waren mehrere Personen beteiligt? Oder wurde nur stichprobenartig kontrolliert? Wenn ein durchgehend problematischer Mix niemandem auffällt, sagt das zumindest etwas über die Prüfung aus.
Wer die Blu-ray gekauft hat, sie öffnet und erst beim Abspielen feststellt, dass der Audiokommentar tatsächlich in dieser Form auf der Disc enthalten und dadurch nur eingeschränkt nutzbar ist, sollte das aus meiner Sicht nicht als bloßes 'gefällt mir nicht' behandeln. Vor dem Öffnen ist dieser Punkt für Käufer schließlich nicht überprüfbar. Gerade bei eingeschweißter Ware kann man vorher nicht wissen, wie der Audiokommentar konkret abgemischt ist.
Man muss dem Label keine böse Absicht unterstellen. Aber man darf feststellen: Das Ergebnis auf der Disc ist problematisch, die Kommunikation dazu war nicht transparent, und die nachträgliche Erklärung macht aus einem technischen Problem unnötig ein persönliches Empfindungsproblem der Käufer.
Kurz gesagt: Dass der Fehler übernommen und nicht selbst produziert wurde, macht ihn nicht unsichtbar. Dass er schwer oder teuer zu beheben wäre, macht ihn nicht automatisch unerheblich. Und dass der Verleger persönlich damit leben kann, heißt nicht, dass Käufer die Kritik daran schlucken müssen.