Nach
Dracula braucht frisches Blut (1973) hatte sich Christopher Lee geschworen nie wieder Dracula zu spielen, so lehnte er einen Auftritt in Hammer's nächsten und auch letztem Beitrag ihrer Dracula Reihe
Die 7 goldenen Vampire ab. 1976 legte er für
Die Herren Dracula dann doch nochmal den Umhang des Vampirfürsten um. Einer der Gründe war dann wohl, dass er seine Paraderolle persiflieren darf. Auch wenn er im Film nicht namentlich genannt wird und nur in den verschiedenen Titeln so heißt, weiß eigentlich jeder dass das hier Dracula sein soll. Zumal in der Vorlage von Claude Klotz auch von Dracula die Rede ist.
Es muss Lee bestimmt sehr viel Spaß gemacht haben und obwohl das eine Komödie ist, lässt er sie nie ins Lächerliche abdriften, heißt der Graf behält trotzdem seine Würde, Eleganz etc.
Er legt diese Rolle aber deutlich anders an als bei Hammer, zudem unterscheiden sich Kostüm und Make-up ganz klar. Ähnlich war es ja schon bei Jess Francos
Nachts, wenn Dracula erwacht (1970), der damals als Originalgetreue Umsetzung des Romans von Bram Stoker vermarktet wurde, den Grafen spielt er dort auch anders als bei Hammer.
Ich mag den Film und hab mich wieder sehr amüsiert.
So Dialoge wie "Ferdinand man kegelt nicht mit der Urne seiner Mutter!" sind einfach wunderbar. Eine meiner Lieblingsszenen ist beim Bestatter, wenn der Graf seinem Sohn einen passenden Sarg aussucht und Ferdinand erstmal probeliegen soll. Dazu die Blicke von dem Bestatter. Oder wenn der Graf sein "Schnuckilein" los wird.

Aber auch Sohn Ferdinand hat sehr humorvolle Momente, i.d.R. wenn er beim Versuch an menschliches Blut zu kommen kläglich scheitert.
Wenn man den mal mit
Tanz der Vampire vergleicht, fällt einem auf das Polanskis Vampirfilm, trotz einiger humorvoller Szenen gerade in den Szenen mit dem Vampir doch ernster ist. Auch
Die Herren Dracula hat seine ernsten Momente, vor allem der an Hammer erinnernde Anfang ist ja noch recht ernst rübergebracht. Aber
Die Herren Dracula würde ich wenn ich beide hintereinander schauen würde, eindeutig eher als Parodie einstufen.
In der deutschen Synchro finde ich Klaus Miedel herrlich, der war immer passend auf so Adelige oder Gentleman Figuren. Als Stimme von Yul Brynner fand ich ihn auch immer gut, das nur so nebenbei. Ob er jetzt ne passende Stimme für Lee ist muss jeder selbst entscheiden, ich finde ihn auf dieser "Gentleman Dracula" Version die Lee hier spielt sehr gut besetzt, in einem Hammer Dracula hingegen wäre er unpassend.
Die Bildqualität ist ok, nicht die beste wenn ich ehrlich bin aber trotzdem gut schaubar. Wir hatten bei Anolis aber schon deutlich bessere HD Master. Ich würde es als wechselhaft bezeichnen, gerade in den Szenen die draußen spielen, ist die Qualität schlechter. Andere hingegen wie z.B. die Szene beim Bestatter sehen ganz gut aus.
Bleibt die Frage ob das jetzt ne eigene Abtastung ist, was von den Franzosen oder man das Master von Severin übernommen hat? Das müsste jetzt Anolis beantworten oder einer der sich mehr mit dem Bild beschäftigt.
Angekündigt war der von Anolis ja seit 2021, die Severin Blu-ray erschien 2022 in der "The Eurocrypt of Christopher Lee Collection 2", die französische Blu-ray von Gaumont hingegen 2023.
Im Booklet steht übrigens, dass man damals eine Weichzeichnerlinse eingesetzt hat, das erklärt zumindest den allgemeinen Look des Films.
Bei den Tonspuren hat man bei Hauptfassung neben deutsch und französisch zusätzlich auch die englische Synchro zur Auswahl, wo Lee sich selber gesprochen. Bei der etwas kürzeren deutschen TV-Fassung nur deutsch und französisch.
Audiokommentare gibt es diesmal 2 Stück.
Rolf Giesen erzählt u.a. sehr aus- und auch abschweifend über die Vorlage, den Einfluss von Tanz der Vampire und den Vampirfilm allgemein, Christopher Lee und das Rumänien unter Ceausescu und weiteren Themen.
Das Duo Uwe Sommerlad und Volker Kronz gehen zwar auf Cast & Crew und andere Themen wie die Sozialkritik ein, bleiben aber auch sehr viel bei Christopher Lee, Hammer und dem Vampirfilm und deren Parodien allgemein.
Von der Severin Blu-ray hat man dann viele der Extras übernommen. Darunter ein altes Archiv Interview mit Claude Klotz dem Autor der Vorlage und ein neueres mit Hauptdarsteller Bernard Menez.
Da es hier auch den US Trailer und die US Titelsequenz gibt, finde ich es etwas schade das man nicht auch noch die stark umgeschnittene US Fassung
Dracula and Son mit übernommen hat, die wäre zumindest zum vergleichen auch sehr interessant gewesen.
Auf der Disc mit der deutschen TV-Fassung befindet sich das von Anolis produzierte Featurette "Christopher Lee and the Mediterranean". So ein ähnliches Featurette hatten wir auch bei
Shatter über Stuart Whitman.
Hier erzählt Troy Howarth sehr viel über Christopher Lees Karriere im Mittelmeerraum (Italien, Spanien, Frankreich). Angefangen mit seinen Auftritten bei Mario Bava und co. in Italien, über seine Arbeiten bei Jess Franco in Spanien hin zu Frankreich, wo er dann auch genauer auf
Die Herren Dracula eingeht. Danach geht es wieder nach Italien. Bei den italienischen Sachen kommen zudem immer mal bekannte Namen nämlich Lamberto Bava, Sergio Martino und Ernesto Gastaldi zu Wort.
Weitere Extras sind etwas Bild- u. Werbematerial. Wer aber ein bisschen sucht findet auf dieser Disc auch noch ein kleines Easter egg.
Und wer nicht suchen will:
Bei der Bildergalerie nach oben.
Die Booklettexte von Dr. Rolf Giesen und Lars Dreyer-Winkelmann gehen beide ausführlich auf die Produktion, Cast & Crew und zum Teil auf ähnliche Horrorkomödien ein. Bei Giesen ist das ganze aber wie üblich angereichert mit Zitaten.
Vieles doppelt sich da natürlich. Interessant aber der Punkt über den damaligen realen Hintergrund der Kommunisten und Ceausescu in Rumänien und den Vampirglauben.
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Die Bildqualität hätte besser sein können, aber ansonsten bin ich zufrieden und der Film macht immer wieder Spaß.
Diesmal hat es nicht so lange gedauert bis wir einen weiteren Eintrag in der 70er Reihe der Phantastischen Klassiker gekriegt haben und mit
Die Herren Dracula haben wir auch erstmals einen französischen Film sowie eine (Horror)Komödie in der Reihe.
Passt aber als Vampirfilm wunderbar ins Anolis Programm. In der Hammerreihe sind die meisten von deren Vampirfilmen bei Anolis erhältlich und bei den Phantastischen Klassikern gibt's mit
Die Geliebte des Vampirs einen klassischen und mit
Goké - Vampir aus dem Weltall einen ungewöhnlichen Vampirfilm und jetzt halt eine Vampirkomödie.
Die nächsten beiden in der Reihe werden dann wohl endlich
Guila, Frankensteins Teufelsei und
Die Rache der schwarzen Spinne werden. Beide Filme wurden jetzt auch durch mehrere Beiträge auf der Facebook Seite von Anolis als die nächsten Filme mehr oder weniger angeteasert. Mal schauen welcher zuerst kommt, freuen tu ich mich auf beide.