Ich schreib da jetzt nur einmal was dazu und hier wird Ausnahmsweise einmal kurz Parteipolitik gedroppt, dass bitte ich zu Entschuldigen.
@Micha Lu
Ich verstehe, was du sagen willst, aber ich finde, du verdrehst hier ein paar Dinge und packst sehr unterschiedliche Themen in einen Topf.
Ich begebe mich nicht in eine Opferrolle, ich beschreibe schlicht eine Realität, die uns seit Jahren begleitet. Wir werden für bestimmte Veröffentlichungen
und für eine klare Haltung angefeindet, wir bekommen Hassnachrichten, Morddrohungen und übelste Beschimpfungen.
Das ist keine „Kritik“, das ist teilweise komplett enthemmt und menschenverachtend. Das erwähne ich nicht, um Mitleid zu bekommen, sondern weil es
Teil dessen ist, was passiert, wenn man als Label Inhalte veröffentlicht, die sich offen gegen Faschismus, Rassismus und Ideologien der Ausgrenzung stellen.
Was mich an der ganzen Diskussion zunehmend nervt, ist diese selektive Empörung. Im Musik- und Kulturbereich ist es seit Jahrzehnten völlig normal, politisch zu sein.
Künstler*innen, Labels, Filmschaffende – alle haben sich immer positioniert. Problematisch wird es offenbar erst dann, wenn die Haltung nicht ins eigene Weltbild passt.
Äußert sich jemand rechts, heißt es schnell „Provokation“, „Meinung“, „muss man aushalten“.
Äußert man sich klar antifaschistisch, wird plötzlich gefordert, Politik habe dort nichts zu suchen. Diese Doppelmoral ist nicht neu, aber sie ist unerquicklich.
Wicked Vision veröffentlicht nunmal auch unbequeme, gesellschaftskritische und antifaschistische Filme. "Der Nachtportier". "Salò". "Die Haut", diverse Tinto-Brass-Filme, dazu über 20 Black-Cinema-Titel.
Genau deswegen werden wir u.a. angefeindet. Bei der Black-Cinema-Reihe wurden wir ernsthaft als „umgekehrte Rassisten“ beschimpft und es wurde uns nahegelegt, doch bitte eine „White-Power-Box“ zu veröffentlichen.
Das ist kein missverständliches Feedback, das ist völlig jenseits jeder Diskussion. Wer so argumentiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er bei mir keine wohlwollende Reaktion mehr bekommt.
Zum Thema „Blackwashing“: Ich behaupte nicht, dass jede Kritik automatisch rassistisch ist. Natürlich kann man über Besetzungen, Adaptionen und Trends diskutieren.
Was ich aber nicht mehr ernst nehme, sind diese typischen Reflexe: Sobald eine nicht-weiße Person in einer Rolle auftaucht, die früher weiß war, ist es sofort „Ideologie“, „Zwang“, „Woke-Wahnsinn“.
Wenn jahrzehntelang alles weiß ist, gilt das aber als „neutral“. Und genau da fängt das Problem an.
Und ja: Wenn jemand mit genau diesen Mustern argumentiert, dann ist das für mich mindestens ein Hinweis darauf, woher der Wind weht. Das ist nicht „ausflippen“, das ist Erfahrung.
Was 161 / A.F.A. betrifft: Ich stehe für Antifaschismus. Punkt. Nicht für Gewaltfantasien, nicht für Hammerattacken, nicht für irgendeinen revolutionären Blödsinn. Davon distanziere ich mich klar.
Aber Antifaschismus ist keine extreme Haltung, sondern eine verdammt normale Grenze. Wer daraus zwanghaft „Linksextremismus“ konstruieren will, tut das nicht aus Differenzierung, sondern aus Abwehr.
Auch bei Themen wie Menschenhandel, Kinderehen oder ähnlichem gilt: Natürlich sind das reale Probleme. Der Unterschied ist, ob man sie benennt, um Menschen zu schützen –
oder ob man sie instrumentalisiert, um pauschal gegen Migrant*innen, Minderheiten oder „die da“ zu hetzen. Dass die EINE PARTEI bestimmte Probleme ebenfalls erwähnt, macht sie nicht glaubwürdig. Sie benutzt sie als Werkzeug. Ich nicht.
Was mir außerdem wichtig ist: Ich mache keine Gesinnungstests und ich lebe nicht in einer moralisch reinen Blase. Wir arbeiten mit Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Schichten zusammen,
teilweise mit Leuten, die ein sehr bewegtes Leben hinter sich haben. Und ja, es gibt Fälle, in denen man erst spät erfährt, dass jemand politisch anders tickt als man selbst.
Dann wird nicht automatisch alles verbrannt und abgebrochen, weil hinter jeder Haltung erst einmal ein Mensch steht. Das ist keine Doppelmoral, das ist Realität. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, zumindest für mich nicht.
Aber: Das heißt nicht, dass wir keine Linie haben. Wicked Vision ist keine „Weiße Rose 2.0“ und will das auch nicht sein. Aber wir waren von Anfang an ein Label mit klarer Position.
Das ist nichts Neues, kein Aufdrehen, keine Phase. 2015 hättest du dich bei unseren Postings wahrscheinlich im Strahl erbrochen.
Und noch eines ganz deutlich: Ich provoziere nicht, um Reaktionen zu sammeln, um mich danach selbst zu rechtfertigen. Ich sage Dinge, weil ich davon überzeugt bin. Wer das kritisieren will, kann das tun.
Wer das nervig findet, darf das finden. Aber ich werde mir nicht vorwerfen lassen, ich würde mir „zum Obst machen“, nur weil ich eine Haltung habe, die nicht allen passt.
Nochmal zur Provokation: Natürlich gehört es auch mal dazu, mit Gewissen Dingen zu "spielen" - dies rechtfertig aber nicht im Ansatz die Art der Reaktionen wie z.. B. beim DIE HAUT Posting - mit einem direkten Zitat aus dem Film.
Und ganz ehrlich: Wenn es für Leute schon provozierend ist, dass ich mit Nagellack an den Fingern Mediabooks in Kamera halten, dann bin NICHT ich das Problem. Ober möchtest du mir jetzt auch sagen,
dass ich Handschuhe tragen soll, oder eine Frau die Werbung machen lassen soll, weil Männer mit Nagellack an den Fingern (80er und Szene lassen grüßen) sich nicht zeigen dürfen, voralle, wenn sie ein Label betreiben?
Ich betreibe kein Aktienunternehmen, sonder ne kleine Pommesbude mit Gothics, Headbangern und Punkas und ich bin froh, dass die breite Masse das egal ist oder cool findet.
Am Ende ist es simpel: Wicked Vision bringt Filme mit Haltung, Wicked Vision hat eine Haltung.
Das war so seit 2000, das ist so und das bleibt so. Dafür werde ich mich nicht rechtfertigen und ganz sicher nicht leiser werden, nur damit es für andere bequemer ist.
p.s. Und bevor du mich gleich wieder Privat anschreibst. Nein, es gibt kein Problem, ich halte deine Meinung aus, alles gut. Ich habe aber auch langsam keine Lust mehr über das Thema zu sprechen.