Er ist furchtbar unangenehm und man muss sich als potenzieller Zuschauer ernsthaft die Frage stellen, ob man sich sowas antun möchte und wofür. Die Handlung kann nicht der Grund sein und die Aussage hinsichtlich vorhandener Machtstrukturen ist simpel. Schauwerte gibt es nicht, obgleich der Film handwerklich gut und stellenweise kreativ inszeniert ist. Schlussendlich ist der Film aber nur eine Abfolge verstörender Praktiken und das Publikum wird auf wahrhaft unappetitliche Weise zum Voyeur der gebotenen ekelhaften Abartigkeiten.
Ja,
Salò ist unangenehm. Ja,
Salò wirkt wie eine Kette gleicher Szenenfolgen, die immer widerlicher werden.
Aber: nein, er ist keine "Abfolge verstörender Praktiken". Das ist alles konzeptionell geordnet und genau ausgeführt.
Der Film ist ohne den Blick au fPasolini selbst und die Einordnung in die Zeit, in der er gedreht, tatsächlich kaum mehr als ein exploitativ- widerlich- durchaus kalkuliertes Skandalwerk.
Absolut richtig: dieser Film ist ein echter Pasolini - das hatte ich an anderen Stellen schon mal geschrieben. Dieser Mann war ein Literat, bevor er überhaupt mit dem Filmgeschäft in Berührung kam. Er blieb auch bis zuletzt Schriftsteller. Und dieser Mann hatte eine klare Vision von den Themen, die ihn interessierten, und das hat sich immer auch auf seine Filmarbeit ausgewirkt.
SALÒ ist klar ein Kunst- bzw. Arthousefilm.
Ich würde sagen: er ist der einzige "Splatter"film mit cineastischer Ausrichtung, den es bisher gegeben hat. Alles andere, was auch hier in MS immer besprochen und gerühmt wird, ist einfach nicht vergleichbar. Kein
Dawn of the Dead, kein
Woodoo, kein
Glockenseil, kein
Cannibal Holocaust, nicht wirklich
Texas Chansaw Massacre, selbst der
Geisterstadt nicht. Alle diese Filme haben gewisse Brutalitäten, die mit einer gewissen Intelligenz gekoppelt sind, aber ihnen fehlt jene Konsequenz an Negation, die
Salò besitzt.
Salò ist unerbittlich in seiner Haltung, beschönigt nichts, lenkt nicht ab, liefert keine Erlösung. Seine verstörende Wirkung sind nicht allein die Widerlichkeiten, sondern der ganze Kontext von Machtmißbrauch und Terror, von denen das 20. Jahrhundert voll war. Und er wirkt nach, weil er eben nie wirklich positiv wird.
In dieser Konsequenz gibt es keinen Film, der den Intellekt mehr verstört als diesen - und die ekligen Gefühle, die man bis dato empfunden hat, wirken umso stärker nach...