Ich verstehe nicht, dass immer sofort die Rassisten- und Nazikeule rausgeholt werden muss, wenn sich über ethnisch unpassende Besetzungen echauffiert wird. Die Dame passt nunmal (wie der Großteil der Besetzung) nicht auf die Figur der Vorlage. Manchen Leuten sind solche Details eben wichtig. Kann man das nicht vernünftig diskutieren?
In anderen Teilen des Internet krakelen übrigens dunkelhäutige Menschen lautstark, dass der von Disney in die nähere Auswahl genommene Aaron Pierre für die Rolle des Black Panther viel zu hellhäutig ist und nicht auf die Vorlage passt. Sind das dann auch Rassisten?
Die üblichen Verdächtigen dürfen mich dann jetzt gerne steinigen.
Klar könnte man Vernünftig diskutieren, aber überlege für 5 Sekunden, welche Leute es sind, die nicht vernünftig diskutieren?
Es wäre schön, wenn es nicht darum geht, irgendjemanden automatisch auszuschließen oder zu diskriminieren, sondern einfach darum, dass Fans sich für die Vorlage interessieren und darüber reden wollen, ob Schauspieler:innen optisch und charakterlich zu einer Figur passen. Bei weißen Schauspieler:innen passiert das so gut wie nie – guckt euch mal Nolans Filme oder ähnliche Hollywood-Produktionen an: Viele Rollen, die eigentlich diverser hätten sein können, sind weiß besetzt, und niemand regt sich drüber auf. Niemand schreit „Rassismus!“, niemand wird online niedergemacht.
Bei schwarzen Schauspieler:innen ist es leider komplett anders. Sobald jemand für eine Rolle besetzt wird, eskaliert das Netz oft sofort. Schon Kommentare darüber, ob die Rolle passt, werden emotional aufgeladen, es tauchen Debatten über politische Korrektheit auf, und nicht selten kommen auch beleidigende oder abwertende Kommentare dazu.
Man muss dabei auch gucken, um welche Rollen es eigentlich geht. Bei fiktiven Charakteren ist das Ganze nochmal ein anderes Thema als bei historischen Figuren oder realen Personen. Ein Großteil der Aufregung ist reiner Whataboutism: „Was ist mit Martin Luther King?“ oder „Was, wenn Blade plötzlich weiß wäre?“ – das bringt hier einfach nichts. Bei fiktiven Figuren kann man kreativ sein: Einen schwarzen Superman zu machen ist völlig legitim, und es gibt ja genug Versionen, die weiterhin die klassische weiße Figur zeigen. Wer sagt: „Superman oder Batman sollten nicht plötzlich schwarz sein, passt für mich nicht“, kann das argumentativ vertreten, ohne dass er automatisch rassistisch ist. Es geht hier um künstlerische Entscheidungen, nicht um reale Menschen. Schließlich wird ja nicht plötzlich ein weißer Präsident von einem Schwarzen gespielt – das ist ein ganz anderer Kontext.
Ein Beispiel, das du genannt hast: Aaron Pierre für „Black Panther“. Es heißt laut dir, dass es Leute gibt, die sagen, er sei „zu hell“ für die Rolle. Klar, das gibt es, aber diese Meinung kommt von einer winzigen Minderheit (ich hätte gerne mal Zahlen) und steht in keinem Verhältnis zu dem massiven Rassismus, der online gegen schwarze Schauspieler:innen losgetreten wird. Sachliche Kritik an Passung ist was anderes als die ständigen aggressiven Angriffe, die man regelmäßig liest.