Gestern Abend nochmal RE2R durchgespielt. Was mir direkt auffiel ist wie perfekt sich die Progression anfühlt. Gerade auch in Bezug auf das Finden von Waffen und Waffenupgrades im Spielverlauf. Dadurch kann man sich einfach besser zur Wehr setzen. Aber das Spiel kontert geschickt, indem einfach neue und stärkere Gegnertypen eingeführt werden. So wird es nie zu leicht. Aber man hat trotzdem das Gefühl Fortschritt zu machen und nicht auf der Stelle zu treten. Dann kommt natürlich auch immer mal wieder ein gut platzierter Bosskampf, wo man einen beachtlichen Teil seiner sorgsam gehorteten Munition wieder los wird. Das fühlt sich zu jeder Zeit unfassbar befriedigend an. Ein richtig tolles Spielerlebnis.
RE9 kann da mit Grace's Passagen nicht mithalten, weil sie einfach nur 2 Waffen im gesamten Spiel zu Verfügung hat. Sie findet keine weiteren. Auch keine Upgrades für die Pistolen. Wenn man die Feuerkraft verbessern möchte muss man Stabilizer finden oder craften. Das ist aber wenig befriedigend. Man hat zwar richtig starke Locations mit Grace und spielt sie auch lange genug, damit es sich eigentlich wie ein komplettes Spiel mit ihr anfühlt, aber es kommen einfach keine neuen, stärkeren Gegnertypen hinzu. Sie hat am Ende die selben Waffen wie am Anfang und es sind immer nur Zombies. Gefühlt tritt die Progression mit ihr komplett auf der Stelle. Dadurch fühlt es sich dann doch nie so wirklich wie ein komplettes Spielerlebnis mit ihr an.
Mit Leon ist es ähnlich. In RE4R ist die Progression auch sehr viel besser. Man bekommt im Verlauf bessere und stärkere Waffen. Das Upgraden ist mega gut integriert. Dazu die Schatzjagd, um an Geld zu kommen, der Händler etc. Das alles trägt so viel zum Spielerlebnis bei. In RE9 hat man eigentlich alle Waffen und Upgrades direkt zur Verfügung sobald Leon in der 2. Hälfte übernimmt. Einfach eine langweilige Kiste ansteuern und sich aussuchen, was man für den Rest des Spiels verwenden möchte. Ende. Dann ballert man sich durchs Game, was sehr viel Spaß macht, aber auch etwas eintönig wirkt, weil es keine wirkliche Progression gibt. Und auf einmal ist man im letzten Akt des Spiels angekommen.
Ich denke, wenn man RE9 nur Grace (Survival Horror) oder nur Leon (Action Horror) gewidmet hätte, wäre eine komplettere Spielerfahrung dabei herumgekommen, wo man auch eine Progression fühlt. Denn so hätte man garantiert auch andere und stärkere Gegnertypen für Grace einführen müssen. Boss Fights ebenso. Und dann hätte sie auch stärkere Waffen und Upgrades dafür finden müssen. Jetzt ist RE9 zwar immer noch ein sehr gutes Spiel, aber halt ganz offensichtlich zwei Spiele ins eins gequetscht. Leidet ein wenig unter eine Identitätskrise. RE2R und RE4R bieten eine einheitliche Spielerfahrung - logischerweise. RE9 spielt sich im Grunde wie eine Mischung aus den beiden Spielen, erreicht jedoch niemals deren Qualität imo. Wie seht ihr das?