Zumindest hat mich eine Szene sehr stark an "Dawn of the Dead" erinnert und einige andere Szenen an weitere Horror-Klassiker :)
Ich weiß genau, welche Szene Du meinst.
Das kommt dabei heraus, wenn man sich heimlich bei IKEA einschließen lässt und sich dann nachts eine Pfeife Azteken-Salbei reinzieht.
Nicht, dass ich so etwas schon mal gemacht hätte oder gar empfehlen würde, denn ich glaube nicht, dass ich die BACKROOMS wirklich "live" erleben möchte. Nein, ganz bestimmt nicht!
Wer jedoch Bock auf ein wirklich schräges Gruselerlebnis hat, dem kann ich BACKROOMS sehr ans Herz legen.
Nach OBSESSION ist dies ein weiterer kleiner Horrorstreifen, der für frischen Wind im Genre sorgt und die Multimillionen-Dollar-Produktionspolitik der großen Studios ad absurdum führt. Wobei für BACKROOMS schon mehr Aufwand betrieben wurde, was die Kulissen angeht. Dennoch kommt der Film recht minimalistisch daher und setzt voll auf Atmosphäre. Und obwohl ich mich ständig an andere Genrefilme erinnert fühlte, hatte ich nie den Eindruck, dass hier etwas abgekupfert wurde. Gewissermaßen macht Regisseur Kane Parsons hier genau das, was die mysteriösen "Backrooms" in seiner Geschichte machen:
Sie saugen alles mögliche auf und geben es bunt zusammengewürfelt wieder – auf gruselige Weise verzerrt und bizarr. Als Filmkenner denkt man hier zwangsläufig an Filme wie CUBE, BLAIR WITCH PROJECT, TRIANGLE, SESSION 9, SHINING, ja sogar 2001 kam mir einmal in den Sinn. Und natürlich einige Werke von David Lynch. Eine besonders garstige Szene hat mich wiederum an ZOMBIE erinnert. Mir würden noch einige mehr einfallen, aber BACKROOMS ist schon eine ganz eigene Hausnummer und in seiner Art wirklich originell. Hier hatte jemand eine wirklich coole Idee und auch ein gutes Händchen, diese Idee effektiv umzusetzen. Über den Inhalt möchte ich eigentlich nicht viel schreiben. Ich bin froh, dass ich unvorbereitet in diesen Film gegangen bin. Die Internet-Serie habe ich nicht gesehen und meine Erwartungen waren...
...ja, keine Ahnung, was ich erwartet hatte – am Ende hatte ich jedenfalls das Gefühl, einen richtig geilen Film gesehen zu haben, auch wenn ich jetzt nicht wirklich sagen könnte, was ich da eigentlich gesehen habe. Das ist so ein Film, wo man aus dem Saal kommt und sich fragt, ob man das alles vielleicht nur geträumt hat. Bin ich womöglich doch während der Vorstellung eingeschlafen?
Solche bizarren Träume erlebe ich eigentlich nur, wenn ich eine Kiffer-Pause einlege und die REM-Phase wieder voll reinkickt – dann kann durchaus so etwas, wie BACKROOMS dabei herauskommen.
Aber nein, das ist einfach ein Film, der das Unbewusste anspricht, nicht die Ratio. Träume sind auch nicht logisch, sondern chaotisch.
Zwar ploppt im weiteren Verlauf der eine oder andere Erklärungsansatz auf, doch diese Erklärungsansätze entpuppen sich fieserweise nur als weitere "Backrooms", wenn man das so sagen kann. BACKROOMS ist also nichts für Leute, die immer eine Erklärung oder zumindest einen Sinn auf dem silbernen Tablett serviert haben möchten. Der Film funktioniert vielmehr auf der emotionalen Ebene. Wer aber Lust hat, sich in eine fremdartige Welt voller Paradoxe und Rätsel zu begeben, und sich dabei eine wohlige Gänsehaut holen möchte, der sollte den BACKROOMS mal einen Besuch abstatten. Mit gerade mal 20 Jahren ist Regisseur Kane Parsons hier ein beeindruckendes Werk gelungen. Ein Blick auf sein Elternhaus erklärt für mich schon einiges: Der Vater ist Videospielentwickler und die Mutter Psychotherapeutin. (Quelle: Wikipedia) Da ist sicherlich so einiges in sein kreatives Schaffen eingeflossen und verarbeitet worden. Gegen eine Fortsetzung hätte ich nichts einzuwenden, auch wenn ich befürchte, dass am Ende zu viel erklärt wird. Das hat schon der CUBE-Reihe nicht gutgetan. Die gut 15-minütige Sequenz nach dem Abspann deutet jedenfalls schon eine Fortsetzung an, man kann sie aber auch als Zugabe betrachten. Ich finde aber auch, dass der Film ohne diese Zugabe besser nachwirkt.
Mein Fazit: Ein wirklich abgedrehter Genre-Remix. Atmosphärisch dicht und von gruselig-bizarrer Ästhetik. Bisweilen ziemlich grotesk und mit verstörendem schwarzem Humor angereichert.
Der ultimate Ikea-Nestbau-Albtraum.
8/10