@Kal-El Zumindestens in Ostdeutschland habe ich es wirklich so mitbekommen. Als Kind und Jugendlicher hatte ich selber keinerlei Möglichkeiten überhaupt irgendwo Filmkritiken zu veröffentlichen und habe auch fast nie welche gelesen, selbst die Filmhandlung war mir meistens unbekannt. Ich habe oft nur die Bilder auf den Plakaten als Anhaltspunkt gehabt, ob mich der Film interessieren könnte oder nicht.
Interessant.
(Jetzt wird es off topic, sorry):
Hier im Westen war das anders. So ziemlich jedes Lokalblättchen hatte seine Filmkritiker, die am Wochenende bzw am Freitag die Neustarts besprochen, ebenso in den überregionalen Zeitungen wie der Zeit, deren Feuilleton oft sehr ausführliche Kritiken enthielten. Dazu kamen dann die Stadtmagazine, die es in manchen Städten kostenlos gab, in anderen wurden sie verkauft, teilweise sogar überregional, wie zB Tip (hieß die so?) aus Berlin, die du sogar hier in Bayern kaufen konntest und die hatten auch Filmkritiken.
Dazu kamen diverse Filmzeitschriften (allen voran cinema), sowie Filmbesprechungen im TV, sei es in eigenen Kinomagazinen oder als Teil von Kultursendungen wie Aspekte. Also Informartion war mehr als genug vorhanden. Und oft genug wurde da gleich mitgeliefert, wie man den jeweiligen Film gefälligst zu sehen und einzuordnen hat.
Und da wurde oft mit harten Bandagen ausgeteilt, dagegen sind die Youtuber Waisenknaben. Es galt die wahre Filmkunst und den bildungsbürgerlichen Geschmack gegen den bösen (US-)Kommerz zu verteidigen.
Der spätere Regisseur Hans-Christoph Blumenberg hat über Krieg der Sterne in der Zeit geschrieben. "Wenn dieser Film der Vorbote des Kinos der Zukunft sein sollte, dann muß man Angst haben um die Zukunft des Kinos." Und das war noch harmlos. Bei Jäger des verlorenen Schatzes hat er sinngemäß geschrieben, dass Lucas und Spielberg die Hollywood-Demagogen im Sinn der Reden von Ronald Reagan und Casper Weinberg sind.
Und auch die Tagespresse war nicht gnädig. Da wurde Krieg der Sterne als "Micky Maus im Weltraumsaloon" bezeichnet. Und Stallone und Schwarzenegger-Filme wurden zunächst auch sehr ungnädig aufgenommen, ebenso wie viele Eastwood-Streifen. Da viel mehr als einmal das Wort "faschistisch".
Oder schau dir mal die Kritik von Rolf Giesen zu Cronenbers Die Fliege aus Tip an:
Von daher verstehe ich die ganze Aufregung um irgendwelche Youtuber nicht. Ist nix Neues, nur ein anderes Medium.
(Spaßige Anekdote zum Schluss: in seinem Verriss von Tanz der Teufel hat der lokale Kritiker u.a. geschrieben: "Für diesen Film braucht man einen Magen aus Beton". Das örtliche KIno hat sich dieses Zitat sofort geschnappt und damit Werbung für den Film gemacht)
