Die Welt war damals von Franz Joseph I. begrenzt. Auf jeder Briefmarke, auf jeder Münze und auf jedem Stempel bestätigte sein Bildnis die Unabänderlichkeit der Welt, das unantastbare Dogma ihrer Eindeutigkeit. So ist die Welt, und außer dieser kann es für dich keine andere geben - das verkündete das Siegel mit dem kaiserlich-königlichen Greis. Alles andere ist Hirngespinst, wilde Anmaßung und Usurpation. Franz Joseph I. hatte sich über alles gelegt und bremste die Welt in ihrem Wachstum.
Im tiefsten Inneren unseres Wesens, lieber Leser, neigen wir zur Gesetzestreue. Die Loyalität unserer gefügigen Natur ist nicht unempfänglich für den Reiz der Autorität. Und Franz Joseph I., das war die höchste Autorität. Wenn dieser autoritäre Greis seinen ganzen Ernst in die Waagschale dieser Wahrheit warf, dann half nichts mehr, man mußte auf die Phantasien der Seele und auf ihre inbrünstigen Antizipationen verzichten und sich, so gut es ging, in dieser einzig möglichen Welt ohne Illusion und ohne Romantik arrangieren — und vergessen.
Doch als sich die Gefängnistore unwiderruflich geschlossen hatten, als die letzte Öffnung zugemauert war, als sich alles verschwor, um Dich totzuschweigen, oh, mein Gott, als Franz Joseph I. auch die letzten Ritzen zugeklebt damit niemand Dich erblicken konnte - da erhobst Du Dich im rauschenden Mantel der Meere und Kontinente und straftest ihn Lügen. Oh, Du, mein Gott, hast damals das Odium der Häresie auf Dich genommen und Du bist mit dieser gigantischen, farbenprächtigen und großartigen Blasphemie über die Welt hereingebrochen. Oh, herrlicher Häresiarch! Du trafst mich damals wie ein Schlag, mit dieser flammenden Briefmarkenmappe, Du explodiertest sozusagen aus der Tasche von Rudolf heraus. Damals war mir die dreieckige Form einer Briefmarkenmappe noch unbekannt. In meiner Verblendung hielt ich es für eine Papierpistole, womit wir in der Schule unter der Bank zum Kummer der Professoren herumschossen. Oh, wie Du aus ihr geschossen hast, oh, mein Gott! Es war Deine feurige Tirade, es war Deine brennende und herrliche Philippika gegen Franz Joseph I. und seınen Staat der Prosa, es war das echte Buch des Glanzes!
Ich schlug es auf, und es leuchtete mir hell entgegen, mit den Farben der Welten, mit dem Wind unfaßbarer Himmelsräume, mit dem Panorama wirbelnder Horizonte. Seite für Seite hast Du dieses Buch durchschritten und die aus allen Zonen und Klimata gewebte Schleppe hinter Dir hergezogen. Kanada, Honduras, Nicaragua, Abrakadabra, Hiporabundia ... Oh, mein Gott, ich verstand Dich. Das alles war nur ein Manöver Deines Reichtums, es waren die erstbesten Worte, die Dir in den Sinn gekommen waren. Mit einem Griff in die Tasche zeigtest Du mir - wie eine Handvoll Knöpfe — die unzähligen, Dir innewohnenden Möglichkeiten.