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Konnte gestern nach einer etwas längeren Pause Rose Madder von Stephen King beenden. War wieder ein gutes Buch aber kein pageturner wie manch andere Geschichte von ihm. Das ganze geht wieder mehr in Richtung Emanzipation unterdrückter Frauen was King ja auch in Dolores Claiborne und Gerald's Game behandelt. Auf dieser Ebene funktioniert der Roman für mich auch am besten. Die Ausflüge in die Fantasy-Welt und das Finale in dieser wollten dann für mich leider nicht ganz passen. Ein reiner Thriller hätte mir hier doch mehr behagt, wäre im Gegenzug aber auch deutlich konventioneller gewesen.
Geschrieben ist das ganze wieder gut, unnötige Längen gibt es nicht aber gerade in der fantasiereicheren zweiten Hälfte hab ich mir doch deutlich mehr Zeit gelassen als in der geerdeten ersten Hälfte.
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Cool! Genau diese Buchausgabe habe ich auch! :-)
 
Caro Claire Burke: „Yesteryear”
Was Lesen betrifft, gehören vorwiegend Krimis und Thriller zu meinem Beuteschema. Ab und zu darf es aber auch mal gerne etwas anders sein: ein Sachbuch oder eine Biographie, oder ein Roman, der ein aktuelles Thema behandelt und nicht in die Kategorie „Krimi, Thriller, Horror“ fällt.

So ein Buch ist „Yesteryear“ von Caro Claire Burke.
Der Begriff Yesteryear bedeutet so viel wie „die gute alte Zeit“.

Und um die gute alte Zeit und die traditionellen Werte geht es auch in dem Buch: die Ehe zwischen Mann und Frau und das einfache Leben nach christlichen Grundsätzen. Und wie man all das mittels Social Media auch als Business aufziehen kann.

Natalie Heller Mills ist eine typische Tradwife - eine traditionelle Ehefrau. Sie und ihr Mann sind gute Christen und leben die klassische Rollenverteilung: der Mann ist für das Einkommen zuständig und die Ehefrau für das Führen des Haushalts und die Kindererziehung. Und natürlich ist der Mann das Oberhaupt der Familie.

Und die Familie ist sehr groß, gerade ist das fünfte Kind unterwegs. Und da man die gute alte Zeit so wertschätzt, lebt die Familie Mills auf einer großen Ranch und ist Selbstversorger: man hat Kühe und Hühner und baut Bio-Gemüse an.

Man führt ein harmonisches, fröhliches und gottgefälliges Leben - und lässt dank Social Media viele Tausend Follower daran teilhaben. Die Videos über das Leben auf der Farm und Natalies tolle Back-Tutorials werden professionell erstellt und der Online-Shop, über den man Kochschürzen und Kochgeschirr made in China verkauft, läuft ausgezeichnet.

Aber all das ist nur die Fassade - hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus.

Die Geschichte des Romans wird aus der Ich-Perspektive von Natalie erzählt - und sie ist wirklich die unsympathischste Protagonistin, die mir je in einem Roman begegnet ist. Sie ist arrogant und lästert permanent über ihre Mitmenschen: die Helfer auf der Farm (die man verheimlicht), ihre Produzentin, die Nannys der Kinder und überhaupt jeden - inklusive ihrer Kinder und ihren Mann, den sie für ein dummes Weichei hält und dem sie gerne mal „in die Fresse hauen“ würde.

Eines Tages aber wacht Natalie in einer ganz anderen Welt auf - und zwar buchstäblich in der guten alten Zeit: auf einer Farm ohne jegliche modernen Annehmlichkeiten, mit Kindern und einem mürrischen Mann. Jetzt muss sie Brennholz sammeln, alte, geflickte Kleidung tragen und Wäsche in kaltem Wasser schrubben. Sie behauptet, der Mann und die Kinder seien Fremde und nicht ihre Familie und natürlich fragt sie sich, wie sie dort hin kam und wie sie diesem Leben entfliehen kann.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: der Gegenwart und der Vergangenheit. Man verfolgt Natalies Leben und ihren Werdegang auf dem College und später den Aufbau der Farm und ihre Social-Media-Aktivitäten. Und parallel wird ihr Leben als ärmliche Farmersfrau erzählt. Eine Erklärung für diesen Zeitsprung liefert der Roman auch (es ist aber keine Science Fiction).

Mir hat das Buch sehr gefallen. Es behandelt ein aktuelles Thema (das Phänomen der Tradwifes, das Hochhalten der traditionellen Werte und Rollen und auch das fragwürdige, businessmäßige Ausschlachten dieses Lebensstils). Der Roman ist sehr unterhaltsam geschrieben und auch wenn die Erzählerin sehr arrogant rüberkommt, gefiel mir ihre lakonische und manchmal drastische Ausdrucksweise sehr.
 

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Im Westen nichts Neues (1929, Erich Maria Remarque)

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Was Landnahme (2005) für den zweiten Bildungsweg war, war Im Westen nichts Neues für den ersten. Ich erinnere mich, dass das Buch für einige meiner Mitschüler seinerzeit überfordernd wirkte, mich eingeschlossen. Es kam zu ... früh? Vielleicht! Aber es hinterließ Eindruck. Man unterhält sich bei Kriegs- und Antikriegsästhetiken freilich über Widersprüche in der Darstellung von Krieg: Muss Krieg erst goutierbar sein, um (schein)kritisch zu werden? Kann der Grad an genreinterner Unterhaltung eingedämmt, womöglich umgangen werden? Der Ästhetisierung des Krieges, die in diesem Roman protokollarisch verhindert wird, fügt Remarque eine weitere (seltene) Ebene hinzu, für die ich höchstens Malicks The Thin Red Line (1998) alternativ nennen könnte: eine Ebene der Poetisierung des Krieges. Unabhängig der erschütternden bis viehischen Brutalität - Remarques dichterische, weil blumige und bittere Sprache lädt zu einem wunderschönen elegischen Ausgleich für eine Welt ein, den sie eigentlich nicht verdient. Um zu überleben, das ist einer der Gedanken, der sich am tiefgreifendsten aufdrängt, müssen die Männer redundant werden, quasi reflexionsfeindlich (konträr ihres Buches). {4/5 ❤️}

Merken: Wer Im Westen nichts Neues ohne den Fronturlaub Paul Bäumers "adaptiert", hat grundsätzlich reingeschissen. So!
 
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Eine wunderbare Lektüre - witzig, ironisch, unprätentiös; die Zusammenarbeit mit Harvey Keitel (beim "Piano") und William Hurt ("Bis ans Ende der Welt") fand er ziemlich unangenehm. Er gibt auch gerne zu, dass er als "jobbing actor" manchen "rubbish" gedreht hat, weil er zu der Zeit keine anderen Angebote hatte.
Liegt hier auch noch auf dem Stapel ungelesener Bücher. Bin schon sehr gespannt, Neill kam immer sehr sympathisch rüber.

Die letzten Wochen hab ich mich etwas durch William Gibsons Neuromancer gequält. Das waren tatsächlich 300 der anstrengendsten Seiten die ich seit langem gelesen habe. Ich war mir oft gar nicht mehr sicher auf welcher "Daseinsebene" man sich befindet und musste öfters nochmal zurückblättern was auch nicht immer weiterhalf. Definitiv nix für nebenher. Ich kann aber nachvollziehen wie prägend der Roman für Filme wie Matrix oder Strange Days war, aber lesen möchte ich das nicht noch ein zweites mal.
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Eine wunderbare Lektüre - witzig, ironisch, unprätentiös; die Zusammenarbeit mit Harvey Keitel (beim "Piano") und William Hurt ("Bis ans Ende der Welt") fand er ziemlich unangenehm. Er gibt auch gerne zu, dass er als "jobbing actor" manchen "rubbish" gedreht hat, weil er zu der Zeit keine anderen Angebote hatte.
Liegt hier auch noch auf dem Stapel ungelesener Bücher. Bin schon sehr gespannt, Neill kam immer sehr sympathisch rüber.

Die letzten Wochen hab ich mich etwas durch William Gibsons Neuromancer gequält. Das waren tatsächlich 300 der anstrengendsten Seiten die ich seit langem gelesen habe. Ich war mir oft gar nicht mehr sicher auf welcher "Daseinsebene" man sich befindet und musste öfters nochmal zurückblättern was auch nicht immer weiterhalf. Definitiv nix für nebenher. Ich kann aber nachvollziehen wie prägend der Roman für Filme wie Matrix oder Strange Days war, aber lesen möchte ich das nicht noch ein zweites mal.
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Ich fand Neuromancer auch unfassbar schwer zu lesen, ganz besonders die Passage als Peter Riviera in Istanbul dazu stößt, habe ich seine Fähigkeit der Hologramm Projektion überhaupt nicht mit geschnitten und gar nicht mehr verstanden, wo vorne und hinten ist. Auch der Ausflug nach Zion zu der Rastafari Gemeinde und die Natur der Flatline und des Cyberspace, dass man im ersten Moment natürlich mit dem Internet gleichzusetzen versucht, was aber nicht in Gänze zu trifft. Die Fortsetzungen Biochips/Count Zero und Mona Lisa Override lesen sich etwas einfacher, kommen aber auch nicht mehr an die Intensität von Neuromancer heran. Gibsons Kurzgeschichten, sind teils auch eher schwierig zu erfassen, gilt auch für den Output des Rest der Kerngruppe der Cyberpunk-Literaten, die Schreibweise ist oft sehr assoziativ, voller echten und fiktionalen Slang, luizide Passagen fließen nahtlos in Hard-Science oder Tech-TalK Elemente über.

Kann das voll verstehen, dass man eher keine Lust auf eine zweite Runde hat, mir hat es aber tatsächlich sehr geholfen, verstanden habe ich die Geschichte als auch die Welt jedenfalls erst beim zweiten mal. Und das obwohl ich schon von anderen cyberpunkesken Werken in Comic, Film und auch Literatur, wenn auch damals noch nicht sonderlich viel, vorgeprägt war.
 
Ich habe jetzt mal die Hitler-Biographie von Ian Kershaw angefangen. Und zwar die "Kompaktausgabe", die als engl. TB immer noch 1000 Seiten hat.

Kershaw schreibt einen flüsssigen und gut lesbaren Stil, einige kürzere Werke von ihm kenne ich bereits.
 
Gerade beendet:

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Während Henry Winkler in den USA den Status einer lebenden Legende geniest, ist er in Deutschland relativ unbekannt. Dabei hat der Schauspieler bereits in den Siebzigern mit seiner Rolle als Arthur Fonzarelli in der Serie „Happy Days“ Fernsehgeschichte geschrieben. Schon innerhalb der ersten Staffel wurde seine Nebenfigur zur Hauptperson. Später war er es, der die Vorlage für den Ausdruck „Jump the Shark“ lieferte. Als die Serie nach zehn Jahren endete, wechselte er hinter die Kamera und wurde Produzent der Serie „MacGyver“. In den Neunzigern startete er als Schauspieler nicht nur in „Scream“ durch, sondern auch im ersten von mehreren Filmen zusammen mit Adam Sandler, bevor er im neuen Jahrtausend mit „Arrested Development“, „Royal Pains“ und „Barry“ im Seriengeschäft abermals große Erfolge feierte.
In seiner Autobiografie erzählt er nicht nur von diesen Erfolgen, sondern ebenso von Tiefpunkten, Selbstzweifeln und wie ihm seine nicht diagnostizierte Dyslexie Jahrzehntelang zu schaffen macht. Seine Schilderungen sind immer wieder mit Humor und einem Augenzwinkern versehen. Dazu liefert er sehr persönliche Einblicke in sein Familienleben und seine Gedankenwelt.
Wer mehr über das Auf und Ab im Leben eines Schauspielers in Hollywood erfahren möchte, ist bei „Being Henry“ genau richtig. Wer Winkler als The Fonz oder in seinen anderen ikonischen Rollen mochte, sollte ebenfalls einen Blick in das Buch riskieren.
 
Ich habe jetzt mal die Hitler-Biographie von Ian Kershaw angefangen. Und zwar die "Kompaktausgabe", die als engl. TB immer noch 1000 Seiten hat.

Kershaw schreibt einen flüsssigen und gut lesbaren Stil, einige kürzere Werke von ihm kenne ich bereits.
Ich hatte die mal vor Jahren abgefangen. Also die Langausgabe. Hab dann aber abgebrochen.
Ich fands zu deprimierend.
 
Ich habe jetzt mal die Hitler-Biographie von Ian Kershaw angefangen. Und zwar die "Kompaktausgabe", die als engl. TB immer noch 1000 Seiten hat.

Kershaw schreibt einen flüsssigen und gut lesbaren Stil, einige kürzere Werke von ihm kenne ich bereits.
Ich hatte die mal vor Jahren abgefangen. Also die Langausgabe. Hab dann aber abgebrochen.
Ich fands zu deprimierend.
Weil der kleine Adolf so viel geschlagen wurde?
 
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Empfehlung von der Bestsellerliste 1933, nunmehr 70 nach dem Tod des Autors gemeinfrei (die Bayrische Landesregierung hatte die Rechte).

Ian Kershaw ist auf jeden Fall sehr renommiert, findet sich auf der Leseliste der LMU, ich hab Höllensturz von ihm, aber noch nicht gelesen.

Aktuell lese ich Buddhismus - Handbuch und kritische Einführung von V & R.
Behandelt den Buddhismus global und durch alle Zeiten, vor der Vor-/Moderne betrifft das nur Asien, dort aber fast überall. In S-O-Asien (Birma, Kambodscha Thailand, Laos, Vietnam; Sumatra und Malaysia sind hingegen überwiegend muslimisch) vor allem Theravada, in Zentral- (Tibet, ... ) und Ostasien (China, Korea, Taiwan, Japan) Mahayana, in China und Japan die eigenen Ausprägungen des Mahayana, der Chan-Buddhismus (jap. Zen), dazu gehören die Shaolin, und das Tiantai, (jap. Rinzai), das in Japan stark mit den Samurai assoziiert wurde.
Der moderne Buddhismus, den sich westliche Interessierte und Esoteriker zurechtgelegt haben wird gründlich unterschieden, so hatte Meditation selbst unter den Mönchen nur für die wenigstens irgendeine Bedeutung und auch die heutigen Klöster haben dort nichts damit zu tun, sondern betreiben v.a. gesellschaftl. Arbeit, Bestattungen & Co. Die Meditationstechniken wie das hierzulande populäre Vipassana und das Zazen stammen aber schon aus deren Schulen.

Aus dem Klappentext:

Dabei wird deutlich, dass das im Westen verbreitete positive Bild vom Buddhismus als einer friedfertigen, weltabgewandten und meditativen Erleuchtungslehre große und wichtige Bereiche dieser Religion ausblendet, z.B. die gesamte nicht-meditative religiöse Praxis, interne Konflikte aller Art, wirtschaftliche und politische Interessen, Mission, die Verfolgung Andersgläubiger oder die religiöse Rechtfertigung von Krieg und Gewalt. Oliver Freiberger und Christoph Kleine versuchen, anhand von Beispielen die reale und faszinierende Komplexität des Buddhismus anzudeuten und damit das Interesse auch für weniger populäre, aber nicht minder bedeutsame Facetten dieser Religion zu wecken.
 
Psycho (1959, Robert Bloch)

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Ohne Hitchcocks Psycho (1960) hätte Blochs Psycho höchstens die Regale der Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen verstaubt. Trotz des Popularitätsschubs, wie Bloch im Nachwort verbittert schreibt, erinnern sich die meisten an, genau, Hitchcocks Psycho. Bloch sei von der Autorentheorie, die den Regisseur fatalerweise immer auch als (Drehbuch-)Autoren führt, letztlich aus seiner eigenen Geschichte getilgt worden. Berechtigt? Ich war mir ... unschlüssig. Ein biederer, altbackener Text, dem die formalen Kniffe Hitchcocks (sehr) halfen. Die (inhaltlichen) Änderungen, die er vornahm, bewegen sich im Einprozentbereich: Norman Bates ist bei Robert Bloch ein korpulenter, allen Schönheitsmaßstäben widersprechender junger Büchernarr mit Brille, ein bisschen mehr Mutter-Liebhaber-Vorgeschichte vertieft die Psychopathologie, und überdies wirkt die Fokalisierung rein auf Bates selbst gemünzt (wo der Film sie, je nach Akt, gezielter wechselt). Der (Kurz-)Roman ist dafür mehr Understatement, die Morde Ellipsen. Man liest es schnell, schwungvolle Dialoge - Zeugnis einer Zeit, in der die Meister vermehrt Groschenromane dem Bahnhof und Flughafen entrissen. {3/5}
 
Psycho (1959, Robert Bloch)

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Ohne Hitchcocks Psycho (1960) hätte Blochs Psycho höchstens die Regale der Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen verstaubt. Trotz des Popularitätsschubs, wie Bloch im Nachwort verbittert schreibt, erinnern sich die meisten an, genau, Hitchcocks Psycho. Bloch sei von der Autorentheorie, die den Regisseur fatalerweise immer auch als (Drehbuch-)Autoren führt, letztlich aus seiner eigenen Geschichte getilgt worden. Berechtigt? Ich war mir ... unschlüssig. Ein biederer, altbackener Text, dem die formalen Kniffe Hitchcocks (sehr) halfen. Die (inhaltlichen) Änderungen, die er vornahm, bewegen sich im Einprozentbereich: Norman Bates ist bei Robert Bloch ein korpulenter, allen Schönheitsmaßstäben widersprechender junger Büchernarr mit Brille, ein bisschen mehr Mutter-Liebhaber-Vorgeschichte vertieft die Psychopathologie, und überdies wirkt die Fokalisierung rein auf Bates selbst gemünzt (wo der Film sie, je nach Akt, gezielter wechselt). Der (Kurz-)Roman ist dafür mehr Understatement, die Morde Ellipsen. Man liest es schnell, schwungvolle Dialoge - Zeugnis einer Zeit, in der die Meister vermehrt Groschenromane dem Bahnhof und Flughafen entrissen. {3/5}
Meiner Meinung nach ist es auch ein wenig Schade, dass Bloch nur auf Psycho reduziert wird, den Hitchcock in der Tat formal auf ein höheres Level gehoben hat. Er hat aber neben Thrillern und Horror sich auch in der Phantastik einen Namen gemacht und es gibt einiges lesenswertes darunter, gerade bei seinen Kurzgeschichten könnte man da fündig werden.

Ich selbst lese gerade die Neuausgabe Das Buch der der neuen Sonne von Gene Wolfe, die uns der selige Carcosa Verlag in überarbeiteter Übersetzung aufbereitet. Eins der großen Fantasy Epen überhaupt, bzw. Science-Fiction, denn hinter Welt unter der sterbenden Sonne verbirgt sich eine in vor-industrielle Zustände zurück gefallene Gesellschaft, die in den Ruinen einer einst raumfahrenden Zivilisation haust. Gene Wolfe ist ein feinfühliger Erzähler und ob seiner erzählenden Hauptfigur, einen angehenden Abkömmling der Zunft der Folterer, ergeht er sich nicht in Grausamkeiten, ein geübter Leser erkennt nicht nur in den Türmen ausrangierte Raumschiffe, sondern auch das katholische Weltbild Wolfes. Wie Tolkien webt er das aber dezent genug ein, nicht so apologetisch wir ein C.S. Lewis tat. Zumindest in der ursprünglichen Tetralogie, der Nachklapp Roman The Urth of the New Sun wird es ein wenig pedantischer. Trotzdem hoffe ich das er auch noch in den neuen Format neu aufgelegt wird, sowie auch der Zyklus der langen Sonne. Weil der spielt in einen Generationenraumschiff und das Thema hab ich zurzeit stärker im Fokus.
 
Weil der spielt in einen Generationenraumschiff und das Thema hab ich zurzeit stärker im Fokus.
Die vier Bücher der neuen Sonne mag ich auch sehr. Band fünf wirkt auf mich etwas schwierig. Den Versuch das Ganze abzurunden fand ich etwas mißlungen bis überflüssig. Lesevergnügen hatte ich aber trotzdem.
Ich bin gespannt wie Du die lange Sonne findest. Ich fand die im Vergleich leider eher verzichtbar. Die Faszination der neuen Sonne stelle sich bei mir jedenfalls nicht ein. Leider. Ich hab mich eigentlich sehr über mehr Lesestoff aus dem Universum gefreut. Vielleicht wirken die Muster nur einmal bei mir, die neue Sonne hatte zeitlich als älteres Werk Vorsprung. Lesen war bei mir dabei sehr zäh. Keine Vergleich zur „Neuen“, den ich immer wieder verschlungen habe.
Ich kenne nur die Heyne Ausgaben.
 
Psycho (1959, Robert Bloch)

Ohne Hitchcocks Psycho (1960) hätte Blochs Psycho höchstens die Regale der Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen verstaubt. Trotz des Popularitätsschubs, wie Bloch im Nachwort verbittert schreibt, erinnern sich die meisten an, genau, Hitchcocks Psycho. Bloch sei von der Autorentheorie, die den Regisseur fatalerweise immer auch als (Drehbuch-)Autoren führt, letztlich aus seiner eigenen Geschichte getilgt worden. Berechtigt? Ich war mir ... unschlüssig. Ein biederer, altbackener Text, dem die formalen Kniffe Hitchcocks (sehr) halfen. Die (inhaltlichen) Änderungen, die er vornahm, bewegen sich im Einprozentbereich: Norman Bates ist bei Robert Bloch ein korpulenter, allen Schönheitsmaßstäben widersprechender junger Büchernarr mit Brille, ein bisschen mehr Mutter-Liebhaber-Vorgeschichte vertieft die Psychopathologie, und überdies wirkt die Fokalisierung rein auf Bates selbst gemünzt (wo der Film sie, je nach Akt, gezielter wechselt). Der (Kurz-)Roman ist dafür mehr Understatement, die Morde Ellipsen. Man liest es schnell, schwungvolle Dialoge - Zeugnis einer Zeit, in der die Meister vermehrt Groschenromane dem Bahnhof und Flughafen entrissen. {3/5}
Meiner Meinung nach ist es auch ein wenig Schade, dass Bloch nur auf Psycho reduziert wird, den Hitchcock in der Tat formal auf ein höheres Level gehoben hat. Er hat aber neben Thrillern und Horror sich auch in der Phantastik einen Namen gemacht und es gibt einiges lesenswertes darunter, gerade bei seinen Kurzgeschichten könnte man da fündig werden.
Ich finde es ehrlich gesagt beeindruckend, wie oft mäßige Romanvorlagen die tollsten Filme inspirierten: Der Pate, Straw Dogs, Vom Winde verweht, Starship Troopers, Psycho, ...

Neben Dune fällt mir spontan nur ein literarisches Meisterwerk ein, das direkt ein filmisches nach sich zog: L.A. CONFIDENTIAL. Vielleicht sollte man weniger versuchen, brillante Vorlagen zu adaptieren. Ausbaufähige, aber unausgegoren umgesetzte Ideen bieten da viel mehr Potential.
 
Ich finde es ehrlich gesagt beeindruckend, wie oft mäßige Romanvorlagen die tollsten Filme inspirierten: Der Pate, Straw Dogs, Vom Winde verweht, Starship Troopers, Psycho, ...

...& natürlich Jaws, der so ziemlich alles vermissen lässt, was Spielbergs Film ausmacht.
 
Ich habe gestern "Die große Hitze: Ein Philip-Marlowe-Roman" von Denise Mina beendet:

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Es beginnt wie ein klassischer Hardboiled-Krimi Ende der 1930er Jahre. Privatdetektiv Philip Marlowe erhält den Auftrag, die vor kurzem verschwundene Tochter eines Millionärs zu suchen. Pleite, wie Marlowe ist, willigt er ein und macht sich auf die Suche in L.A. Es dauert auch tatsächlich nicht lang, bis er sie aufgespürt hat. Allerdings wurde die Tochter gar nicht entführt, sondern ist freiwillig gegangen, um vor ihrem gewalttätigen Vater zu fliehen. Das stürzt den Detektiv in Gewissensbisse und er beschließt, erst mal mehr über die Hintergründe herauszufinden. Dabei dauert es nicht lang, bis es eine erste Leiche gibt.
Seit Jahren ist die irische Autorin Denise Mina großer Fan von Noir-Krimis. Als sie vom Raymond-Chandler-Estate die Erlaubnis erhält, einen autorisierten Philip-Marlowe-Roman zu schreiben, setzt sie alles daran, dem Original so nah wie möglich zu kommen. Deshalb liest sich „Die große Hitze“ auch die meiste Zeit so, als würde die Geschichte von Chandler selbst kommen. Es gibt zahlreiche flapsige Dialoge und Beschreibungen. Dazu schwingt immer eine leichte Melancholie in den Worten mit. Und genau wie beim Original wird die Handlung irgendwann immer komplexer, bis kaum mehr jemand durchblickt. Wer die alten Marlowe-Krimis mag, wird hier daher voll auf seine Kosten kommen.
 
Ich habe es nicht. Nur zur Erinnerung, falls es jemand kaufen möchte.
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