Welches Buch lest ihr gerade?

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Konnte gestern nach einer etwas längeren Pause Rose Madder von Stephen King beenden. War wieder ein gutes Buch aber kein pageturner wie manch andere Geschichte von ihm. Das ganze geht wieder mehr in Richtung Emanzipation unterdrückter Frauen was King ja auch in Dolores Claiborne und Gerald's Game behandelt. Auf dieser Ebene funktioniert der Roman für mich auch am besten. Die Ausflüge in die Fantasy-Welt und das Finale in dieser wollten dann für mich leider nicht ganz passen. Ein reiner Thriller hätte mir hier doch mehr behagt, wäre im Gegenzug aber auch deutlich konventioneller gewesen.
Geschrieben ist das ganze wieder gut, unnötige Längen gibt es nicht aber gerade in der fantasiereicheren zweiten Hälfte hab ich mir doch deutlich mehr Zeit gelassen als in der geerdeten ersten Hälfte.
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Cool! Genau diese Buchausgabe habe ich auch! :-)
 
Caro Claire Burke: „Yesteryear”
Was Lesen betrifft, gehören vorwiegend Krimis und Thriller zu meinem Beuteschema. Ab und zu darf es aber auch mal gerne etwas anders sein: ein Sachbuch oder eine Biographie, oder ein Roman, der ein aktuelles Thema behandelt und nicht in die Kategorie „Krimi, Thriller, Horror“ fällt.

So ein Buch ist „Yesteryear“ von Caro Claire Burke.
Der Begriff Yesteryear bedeutet so viel wie „die gute alte Zeit“.

Und um die gute alte Zeit und die traditionellen Werte geht es auch in dem Buch: die Ehe zwischen Mann und Frau und das einfache Leben nach christlichen Grundsätzen. Und wie man all das mittels Social Media auch als Business aufziehen kann.

Natalie Heller Mills ist eine typische Tradwife - eine traditionelle Ehefrau. Sie und ihr Mann sind gute Christen und leben die klassische Rollenverteilung: der Mann ist für das Einkommen zuständig und die Ehefrau für das Führen des Haushalts und die Kindererziehung. Und natürlich ist der Mann das Oberhaupt der Familie.

Und die Familie ist sehr groß, gerade ist das fünfte Kind unterwegs. Und da man die gute alte Zeit so wertschätzt, lebt die Familie Mills auf einer großen Ranch und ist Selbstversorger: man hat Kühe und Hühner und baut Bio-Gemüse an.

Man führt ein harmonisches, fröhliches und gottgefälliges Leben - und lässt dank Social Media viele Tausend Follower daran teilhaben. Die Videos über das Leben auf der Farm und Natalies tolle Back-Tutorials werden professionell erstellt und der Online-Shop, über den man Kochschürzen und Kochgeschirr made in China verkauft, läuft ausgezeichnet.

Aber all das ist nur die Fassade - hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus.

Die Geschichte des Romans wird aus der Ich-Perspektive von Natalie erzählt - und sie ist wirklich die unsympathischste Protagonistin, die mir je in einem Roman begegnet ist. Sie ist arrogant und lästert permanent über ihre Mitmenschen: die Helfer auf der Farm (die man verheimlicht), ihre Produzentin, die Nannys der Kinder und überhaupt jeden - inklusive ihrer Kinder und ihren Mann, den sie für ein dummes Weichei hält und dem sie gerne mal „in die Fresse hauen“ würde.

Eines Tages aber wacht Natalie in einer ganz anderen Welt auf - und zwar buchstäblich in der guten alten Zeit: auf einer Farm ohne jegliche modernen Annehmlichkeiten, mit Kindern und einem mürrischen Mann. Jetzt muss sie Brennholz sammeln, alte, geflickte Kleidung tragen und Wäsche in kaltem Wasser schrubben. Sie behauptet, der Mann und die Kinder seien Fremde und nicht ihre Familie und natürlich fragt sie sich, wie sie dort hin kam und wie sie diesem Leben entfliehen kann.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: der Gegenwart und der Vergangenheit. Man verfolgt Natalies Leben und ihren Werdegang auf dem College und später den Aufbau der Farm und ihre Social-Media-Aktivitäten. Und parallel wird ihr Leben als ärmliche Farmersfrau erzählt. Eine Erklärung für diesen Zeitsprung liefert der Roman auch (es ist aber keine Science Fiction).

Mir hat das Buch sehr gefallen. Es behandelt ein aktuelles Thema (das Phänomen der Tradwifes, das Hochhalten der traditionellen Werte und Rollen und auch das fragwürdige, businessmäßige Ausschlachten dieses Lebensstils). Der Roman ist sehr unterhaltsam geschrieben und auch wenn die Erzählerin sehr arrogant rüberkommt, gefiel mir ihre lakonische und manchmal drastische Ausdrucksweise sehr.
 

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Im Westen nichts Neues (1929, Erich Maria Remarque)

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Was Landnahme (2005) für den zweiten Bildungsweg war, war Im Westen nichts Neues für den ersten. Ich erinnere mich, dass das Buch für einige meiner Mitschüler seinerzeit überfordernd wirkte, mich eingeschlossen. Es kam zu ... früh? Vielleicht! Aber es hinterließ Eindruck. Man unterhält sich bei Kriegs- und Antikriegsästhetiken freilich über Widersprüche in der Darstellung von Krieg: Muss Krieg erst goutierbar sein, um (schein)kritisch zu werden? Kann der Grad an genreinterner Unterhaltung eingedämmt, womöglich umgangen werden? Der Ästhetisierung des Krieges, die in diesem Roman protokollarisch verhindert wird, fügt Remarque eine weitere (seltene) Ebene hinzu, für die ich höchstens Malicks The Thin Red Line (1998) alternativ nennen könnte: eine Ebene der Poetisierung des Krieges. Unabhängig der erschütternden bis viehischen Brutalität - Remarques dichterische, weil blumige und bittere Sprache lädt zu einem wunderschönen elegischen Ausgleich für eine Welt ein, den sie eigentlich nicht verdient. Um zu überleben, das ist einer der Gedanken, der sich am tiefgreifendsten aufdrängt, müssen die Männer redundant werden, quasi reflexionsfeindlich (konträr ihres Buches). {4/5 ❤️}

Merken: Wer Im Westen nichts Neues ohne den Fronturlaub Paul Bäumers "adaptiert", hat grundsätzlich reingeschissen. So!
 
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Eine wunderbare Lektüre - witzig, ironisch, unprätentiös; die Zusammenarbeit mit Harvey Keitel (beim "Piano") und William Hurt ("Bis ans Ende der Welt") fand er ziemlich unangenehm. Er gibt auch gerne zu, dass er als "jobbing actor" manchen "rubbish" gedreht hat, weil er zu der Zeit keine anderen Angebote hatte.
Liegt hier auch noch auf dem Stapel ungelesener Bücher. Bin schon sehr gespannt, Neill kam immer sehr sympathisch rüber.

Die letzten Wochen hab ich mich etwas durch William Gibsons Neuromancer gequält. Das waren tatsächlich 300 der anstrengendsten Seiten die ich seit langem gelesen habe. Ich war mir oft gar nicht mehr sicher auf welcher "Daseinsebene" man sich befindet und musste öfters nochmal zurückblättern was auch nicht immer weiterhalf. Definitiv nix für nebenher. Ich kann aber nachvollziehen wie prägend der Roman für Filme wie Matrix oder Strange Days war, aber lesen möchte ich das nicht noch ein zweites mal.
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Eine wunderbare Lektüre - witzig, ironisch, unprätentiös; die Zusammenarbeit mit Harvey Keitel (beim "Piano") und William Hurt ("Bis ans Ende der Welt") fand er ziemlich unangenehm. Er gibt auch gerne zu, dass er als "jobbing actor" manchen "rubbish" gedreht hat, weil er zu der Zeit keine anderen Angebote hatte.
Liegt hier auch noch auf dem Stapel ungelesener Bücher. Bin schon sehr gespannt, Neill kam immer sehr sympathisch rüber.

Die letzten Wochen hab ich mich etwas durch William Gibsons Neuromancer gequält. Das waren tatsächlich 300 der anstrengendsten Seiten die ich seit langem gelesen habe. Ich war mir oft gar nicht mehr sicher auf welcher "Daseinsebene" man sich befindet und musste öfters nochmal zurückblättern was auch nicht immer weiterhalf. Definitiv nix für nebenher. Ich kann aber nachvollziehen wie prägend der Roman für Filme wie Matrix oder Strange Days war, aber lesen möchte ich das nicht noch ein zweites mal.
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Ich fand Neuromancer auch unfassbar schwer zu lesen, ganz besonders die Passage als Peter Riviera in Istanbul dazu stößt, habe ich seine Fähigkeit der Hologramm Projektion überhaupt nicht mit geschnitten und gar nicht mehr verstanden, wo vorne und hinten ist. Auch der Ausflug nach Zion zu der Rastafari Gemeinde und die Natur der Flatline und des Cyberspace, dass man im ersten Moment natürlich mit dem Internet gleichzusetzen versucht, was aber nicht in Gänze zu trifft. Die Fortsetzungen Biochips/Count Zero und Mona Lisa Override lesen sich etwas einfacher, kommen aber auch nicht mehr an die Intensität von Neuromancer heran. Gibsons Kurzgeschichten, sind teils auch eher schwierig zu erfassen, gilt auch für den Output des Rest der Kerngruppe der Cyberpunk-Literaten, die Schreibweise ist oft sehr assoziativ, voller echten und fiktionalen Slang, luizide Passagen fließen nahtlos in Hard-Science oder Tech-TalK Elemente über.

Kann das voll verstehen, dass man eher keine Lust auf eine zweite Runde hat, mir hat es aber tatsächlich sehr geholfen, verstanden habe ich die Geschichte als auch die Welt jedenfalls erst beim zweiten mal. Und das obwohl ich schon von anderen cyberpunkesken Werken in Comic, Film und auch Literatur, wenn auch damals noch nicht sonderlich viel, vorgeprägt war.
 
Ich habe jetzt mal die Hitler-Biographie von Ian Kershaw angefangen. Und zwar die "Kompaktausgabe", die als engl. TB immer noch 1000 Seiten hat.

Kershaw schreibt einen flüsssigen und gut lesbaren Stil, einige kürzere Werke von ihm kenne ich bereits.
 
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