Welches Buch lest ihr gerade?

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Blumen für Algernon von Daniel Keyes
(auch bekannt unter Charly)


Eines meiner Lieblingsbücher, welches ich immer wieder hervorhole.
Es handelt von einem dummen Menschen und einer Maus. Über Experimente, die den dummen Menschen in einen überragend intelligenten Menschen verwandeln. Über Gutmütigkeit, Naivität, Erkenntnis, Schmerz, Verfall und dem Unausweichlichem, was er mit der Maus gemein hat.

Ein altes, aber sehr gutes Buch..
Ich lese den Roman tatsächlich auch gerade, allerdings das erste mal und bin bis ziemlich genau der Mitte vorgedrungen. Und ich stimme in den allgemeinen Konsens ein und damit auch die zu, es ist ein verdammt gutes Buch. Die Vorstellung sein Leben erst im Nachhinein reflektieren zu können, ist wirklich sehr emotional an den Lesenden herangebracht. Allerdings würde ich jedoch an einer Stelle widersprechen wollen, denn ich würde Charlie nicht als dumm bezeichnen, sondern er ist kognitiv erkrankt und zu normativen Leistungen nicht im Stande. Dummheit ist in meinen Verständnis aber eine Handlung wider besseren Wissens bei vorhanden Potential es besser zu können. Aber tendenziell ist Intelligenz ohnehin ein schwer greifbares Konstrukt, was ja auch u.a. Thema des Romans zu sein scheint.
 
"Dumm" war nicht negativ gemeint. Mehr im ursprünglichen Sinne als "nicht klug". Es wäre nicht eines meiner Lieblingsbücher, wenn ich keine Empathie empfinden würde. Vielleicht entsprechen meine Wörter nicht mehr dem Zeitgeist, aber bitte legt meine Wörter nicht in der negativsten Art aus. Dem ist nicht so. Wirklich nicht.
 
"Dumm" war nicht negativ gemeint. Mehr im ursprünglichen Sinne als "nicht klug". Es wäre nicht eines meiner Lieblingsbücher, wenn ich keine Empathie empfinden würde. Vielleicht entsprechen meine Wörter nicht mehr dem Zeitgeist, aber bitte legt meine Wörter nicht in der negativsten Art aus. Dem ist nicht so. Wirklich nicht.
Alles gut, das hab ich auch gar nicht von dir gedacht. :)
Wollte das nur erwähnen, weil es eben entsprechend verstanden werden kann und ich dachte, es wäre ein guter Punkt um einen kleinen Austausch zu starten, wo ich das Buch eben gerade selber lese.
 
Ich, die ich Männer nicht kannte aka Moi qui n'ai pas connu les hommes (Jacqueline Harpman, 1995 [dt. 2026])

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TikTok empfiehlt! (Oder so.) Nun hat es Ich, die ich Männer nicht kannte nach Deutschland geschafft. 40 Frauen werden in einem Keller gefangen gehalten, sie werden versorgt und sechs Wärter (mit Peitschen) passen auf sie auf. Ihr Leben wird überwacht und reglementiert, nichts dringt nach "draußen", wenig verändert sich "drinnen" - bis die Frauen es durch Zufall nach draußen schaffen und Inneres die Lage fortwährend verkompliziert. Auf den Spuren der skelettierten, bürokratisch dokumentierenden Sprache Cormac McCarthys: Schmucklos protokolliert die Ich-Erzählerin (sie, die jüngste Frau, ein Mädchen, ca. 15 Jahre) das Geschehen, die Suche, die hoffnungslose Suche. Nach Zivilisation, nach ... irgendetwas, im Nirgendwo. Vor allem: nach (ihrer) Sprache. Der Roman hebelt sämtliche gängigen Vorstellungen einer selbsterklärenden Dystopie aus. Das narrative "Nichts" beherrscht alle drei Segmente, denen sich Jacqueline Harpman widmet. Diese Leseerfahrung frustriert ohne Zweifel. Man meint, bald das große Ganze zu erfahren, die Lücke zwischen dem Davor (der vorherigen Welt) und dem Danach (der gegenwärtigen Welt) zu füllen - doch: Ich, die ich Männer nicht kannte verweigert.

Ich empfand die existenzielle Widersprüchlichkeit hochgradig faszinierend. Da dem Leben, in dem die Frauen existieren, die Bindungs- und Rollenfunktion(en) des sozialen Nahfeldes fehlen, wird es, obschon übersichtlich(er), philosophisch entwurzelter und archaisch, insbesondere abstrakt. Wiederkehrende Tätigkeiten, wiederkehrende Handgriffe. Immer wieder sind die Frauen bemüht, Essen zu holen, Feuer zu machen, ihre Kleidung zu flicken, in Erinnerungen zu schwelgen und zu hoffen. Das repetitive wie redundante Moment des Romans speist sich aus einem Rhythmus des Mangels, des Fehlens. Es fehlen die determinierten Kodizes des gesellschaftlichen Gestaltens, perverserweise gar der Ausbeutung. Noch einmal von vorn anfangen, zu wissen, zu denken. Und trotz dieser Begrenzung der künstlerischen Mittel schafft Harpman poetische, rührende Szenen (vorzugsweise des Sterbens). Bei denen musste ich mehrmals schlucken, auch hier unterläuft die Autorin Erwartungen, wer stirbt und wer aus welchem Grund auf welche Weise sterben will. Das Vage hält sich derart aufrecht, dass ich als Leser - so ging es jedenfalls mir - endlich erlöst werden möchte. "Erlösung" besteht bestenfalls aber darin: Wellen- werden zu Hügellandschaften.

Was die feministische Einordnung des Romans betrifft, vollführt Jacqueline Harpman einen Kniff, der sowohl jenen das Wasser abgräbt, die einen streng personalisierten Zugang zu feministischer Literatur haben (eine Autorin, eine Erzählerin, weibliche Protagonistinnen, männliche, wenn man denn will, "Antagonisten"), als auch jenen, die Feminismus mit Weiblichkeit gleichsetzen. Meinem Verständnis nach benutzt Harpman die feministische Ausgangslange ihrer Geschichte, um Feminismus (endlich wieder!) in eine Struktur zu überführen, die im individuellen Unterdrückungsschicksal nicht stagniert. Mit Blick auf die Opfer der Diegese, des nicht namentlich ausgebreiteten "Ereignisses" berücksichtigt Harpmans Feminismus die patriarchalen Unterdrückungsdynamiken jeglicher Geschlechter in ihren voneinander divergierenden Machtpositionen. Dies vergrößert die Bandbreite des Analyseinstrumentariums, und die resultierende Erkenntnis gibt zu denken: Der Unfreiheit zu entkommen, lädt erst zu ihr ein. Ich hatte Vergnügen an Ich, die ich Männer nicht kannte (und gleichsam das Gefühl, manche Ebene, beispielsweise die sprachtheoretische, noch nicht gänzlich durchdrungen zu haben). {4/5 ❤️}

...

Als Lost-Fanboy, als Fanboy der sagenumwobenen Luke (:zwinker:) kam ich hier ebenso auf meine Kosten!

Auf zum Podcast! Ich bin gespannt, inwieweit sich meine Notizen decken werden (oder auch nicht).
 
Ich, die ich Männer nicht kannte aka Moi qui n'ai pas connu les hommes (Jacqueline Harpman, 1995 [dt. 2026])

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TikTok empfiehlt! (Oder so.) Nun hat es Ich, die ich Männer nicht kannte nach Deutschland geschafft. 40 Frauen werden in einem Keller gefangen gehalten, sie werden versorgt und sechs Wärter (mit Peitschen) passen auf sie auf. Ihr Leben wird überwacht und reglementiert, nichts dringt nach "draußen", wenig verändert sich "drinnen" - bis die Frauen es durch Zufall nach draußen schaffen und Inneres die Lage fortwährend verkompliziert. Auf den Spuren der skelettierten, bürokratisch dokumentierenden Sprache Cormac McCarthys: Schmucklos protokolliert die Ich-Erzählerin (sie, die jüngste Frau, ein Mädchen, ca. 15 Jahre) das Geschehen, die Suche, die hoffnungslose Suche. Nach Zivilisation, nach ... irgendetwas, im Nirgendwo. Vor allem: nach (ihrer) Sprache. Der Roman hebelt sämtliche gängigen Vorstellungen einer selbsterklärenden Dystopie aus. Das narrative "Nichts" beherrscht alle drei Segmente, denen sich Jacqueline Harpman widmet. Diese Leseerfahrung frustriert ohne Zweifel. Man meint, bald das große Ganze zu erfahren, die Lücke zwischen dem Davor (der vorherigen Welt) und dem Danach (der gegenwärtigen Welt) zu füllen - doch: Ich, die ich Männer nicht kannte verweigert.

Ich empfand die existenzielle Widersprüchlichkeit hochgradig faszinierend. Da dem Leben, in dem die Frauen existieren, die Bindungs- und Rollenfunktion(en) des sozialen Nahfeldes fehlen, wird es, obschon übersichtlich(er), philosophisch entwurzelter und archaisch, insbesondere abstrakt. Wiederkehrende Tätigkeiten, wiederkehrende Handgriffe. Immer wieder sind die Frauen bemüht, Essen zu holen, Feuer zu machen, ihre Kleidung zu flicken, in Erinnerungen zu schwelgen und zu hoffen. Das repetitive wie redundante Moment des Romans speist sich aus einem Rhythmus des Mangels, des Fehlens. Es fehlen die determinierten Kodizes des gesellschaftlichen Gestaltens, perverserweise gar der Ausbeutung. Noch einmal von vorn anfangen, zu wissen, zu denken. Und trotz dieser Begrenzung der künstlerischen Mittel schafft Harpman poetische, rührende Szenen (vorzugsweise des Sterbens). Bei denen musste ich mehrmals schlucken, auch hier unterläuft die Autorin Erwartungen, wer stirbt und wer aus welchem Grund auf welche Weise sterben will. Das Vage hält sich derart aufrecht, dass ich als Leser - so ging es jedenfalls mir - endlich erlöst werden möchte. "Erlösung" besteht bestenfalls aber darin: Wellen- werden zu Hügellandschaften.

Was die feministische Einordnung des Romans betrifft, vollführt Jacqueline Harpman einen Kniff, der sowohl jenen das Wasser abgräbt, die einen streng personalisierten Zugang zu feministischer Literatur haben (eine Autorin, eine Erzählerin, weibliche Protagonistinnen, männliche, wenn man denn will, "Antagonisten"), als auch jenen, die Feminismus mit Weiblichkeit gleichsetzen. Meinem Verständnis nach benutzt Harpman die feministische Ausgangslange ihrer Geschichte, um Feminismus (endlich wieder!) in eine Struktur zu überführen, die im individuellen Unterdrückungsschicksal nicht stagniert. Mit Blick auf die Opfer der Diegese, des nicht namentlich ausgebreiteten "Ereignisses" berücksichtigt Harpmans Feminismus die patriarchalen Unterdrückungsdynamiken jeglicher Geschlechter in ihren voneinander divergierenden Machtpositionen. Dies vergrößert die Bandbreite des Analyseinstrumentariums, und die resultierende Erkenntnis gibt zu denken: Der Unfreiheit zu entkommen, lädt erst zu ihr ein. Ich hatte Vergnügen an Ich, die ich Männer nicht kannte (und gleichsam das Gefühl, manche Ebene, beispielsweise die sprachtheoretische, noch nicht gänzlich durchdrungen zu haben). {4/5 ❤️}

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Als Lost-Fanboy, als Fanboy der sagenumwobenen Luke (:zwinker:) kam ich hier ebenso auf meine Kosten!

Auf zum Podcast! Ich bin gespannt, inwieweit sich meine Notizen decken werden (oder auch nicht).
Mich hat das unterlaufen von Erwartungen auch sehr gereizt, die Ausgangssituation schreit ja nahezu nach einer Ausbeutungs-Logik, wo die Frau zu liefern, aber nichts zu fordern hat. Doch die Autorin entzieht dem Lesenden jeglichen Nährboden, zelebriert buchstäblich Sinnlosigkeit durch das Auslassen jeglicher Aufklärung, selbst die raren Spekulationen der Frauen verlaufen in die Belanglosigkeit. Mit den ebenso beiläufigen Fakt, dass es auch Käfige mit Männern gibt, entzieht man spätestens an diesen Punkt die vermeintlich festgeschriebene Rollenverteilung im Patriarchat. Dabei ist genau das dir ur-feministsche Aussage über das Patriarchat, es gibt letztlich keine Gewinner und es ist schädlich für alle, egal von wem die Unterdrückung letztlich ausgeht. Es kann keinen Sinn ergeben, sich dem Potential von Individuen bis hin zur einer gesamten Hälfte der Bevölkerung zu entziehen, Chauvinismus ist letztlich die Selbstkastration der Gesellschaft. In der Beziehung ist auch die komplette fehlende Sexualisierung der Frauen (und Männer). Das Männer im Titel bezieht sich meiner Meinung nach auf die ursprüngliche Bedeutung als Mensch, ohne Geschlechtszuweisung. Sie ist ein Mensch, die eines sinnbehaften Lebens beraubt wurde. Sie, die Menschlichkeit nicht kannte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe heute Nacht "Tote Tage" von Michael Connelly beendet:

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Alles beginnt damit, dass Detective Renée Ballard beim Wellenreiten Dienstausweis, Polizeimarke, Pistole, Handy und Brieftasche gestohlen werden. Ersteres liefert gleich das dringendste Problem, weil sie eigentlich zur Arbeit gehen muss, dort aber ohne Ausweis keinen Zugang erhält. Die Suche nach dem Dieb und ihren Besitztümern entpuppt sich als komplizierte Schnitzeljagd. Zum Glück ist Harry Bosch zur Stelle und unterstützt sie so gut es geht. Parallel dazu ist Renée mit ihren Kollegen bei der Einheit Offen-Ungelöst einem Serienvergewaltiger auf der Spur, der vor knapp zwanzig Jahren seinen Unwesen getrieben hat. Als wäre sie damit nicht ausgelastet genug, bewirbt sich Harrys Tochter Maddie nicht nur um einen Job bei der Cold-Case-Einheit, sie hat auch gleich noch einen Knüller im Gepäck: Neue Hinweise auf den Black-Dahlia-Killer von 1947, einen der berühmtesten Mordfälle in der Geschichte Los Angeles.
Dadurch kämpft Renée in „Tote Tage“ diesmal gleich an drei Fronten gleichzeitig. Alle Fallermittlungen laufen parallel zueinander und sorgen für reichlich Action und Abwechslung. Allein deswegen ist der sechste Ballard-Band schon höchst lesenswert. Dadurch, dass nicht nur Harry Bosch, sondern auch seine Tochter Maddie Bosch entscheidende Rollen spielen, wird der Roman regelrecht zum Highlight. Ich habe die Geschichte von Anfang bis Ende genossen und freue mich jetzt schon auf den nächsten Connelly-Roman. Hier war der Meister auf jeden Fall in Höchstform.
 
So, gerade mit Stephen King's The Eyes of the Dragon fertig geworden. Ein Fantasy-Roman im Stil von "Once upon a time..." klingt erstmal nicht typisch für King, geschrieben ist diese Geschichte von zwei Prinzen, einem bösen Zauberer und einem ermordeten König aber sehr kurzweilig. Hab jetzt drei Tage für die knapp über 400 Seiten gebraucht und konnte das Buch teilweise kaum aus der Hand legen.
Es gibt Parallelen zum Dark Tower bzw. könnte man sich diese Geschichte in der gleichen Welt vorstellen. Flagg hat als alter Bekannter in King's Geschichten eine tragende Rolle, ansonsten steht der Roman schön für sich. Für alle die gerne leicht verdauliche Fantasyromane lesen oder mit King's gruseliger Seite nicht so viel anfangen können sicher einen Blick wert. Für Fans des Autors ohnehin zu empfehlen.
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Sandro Veronesi ist in Italien ein prämierter Literaturstar. Die Kürze und das sommerliche Szenario haben mich bewogen das Buch zu lesen.
Der Roman ist ein sogenannter Coming-of-Age Roman. Es geht um den 12 Jährigen Gigio, der mit seiner Familie im Sommerhaus an der Küste Toskanas immer Urlaub macht und sich zum ersten Mal verliebt, aber auch gleichzeitig die Tragödie seines Lebens erfährt.
Der jetzt erwachsene Erzähler blickt im Buch auf diese Zeit zurück. Wehmütig, etwas zu pathetisch für meinen Geschmack, aber auch sehr zärtlich und gerade diese Linie vom Kindsein zum Erwachsenwerden, die nie ganz überschritten wird und immer hin und her schwirrt, kann Veronesi wirklich sehr gelungen in Worte fassen.
Die Tragödie die sich im Laufe des Buches ereignet, deutet er unheilschwanger wiederholt an und der Leser wird ebenfalls von spannender Neugier gepackt. Das Ganze kumuliert dann gleichzeitig mit dem parallel laufendem Terroranschlag der Münchner Olympiade.
Dabei hat mich der dramatische Twist doch kalt erwischt, auch wenn das eigentlich ein Familiendrama darstellt, das in seiner Alltäglichkeit banal anmutet. Ein durchaus lesenswertes Buch. Das interessanter Weise kaum Verbitterung aufweist und seine Figuren sehr liebevoll umschreibt und bewertet.

Als nächstes steht dann doch schon: "Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jaqueline Harpman an.

Ihr habt jetzt meine Neugierde entfacht.
 
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