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Die Holländerinnen (2025, Dorothee Elmiger)

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Deutscher Buchpreis 2025? Deutscher Buchpreis 2025! Und: berechtigt. Dorothee Elmiger verbaut einen Werner-Herzog-Film und den (bis heute ungelösten!), schier gruseligen Fall um die beiden in Panama verschwundenen Holländerinnen Kris Kremers und Lisanne Froon zu sprachlich anspruchsvoll durchkomponierter Literatur. Als Rahmen dient der Autorin ein Vortrag von Margaret Atwood - sie blickt (auch sprachwissenschaftlich) auf jene Geschichte des Buches zurück, als sie einem Theaterstück mitten im Dschungel beiwohnte, das besagten (Kriminal-)Fall nachzustellen versuchte. Herzog, Conrad, Hemingway, Kracht, den Geschichte(n)-in-Geschichten-Postmodernismus einschlägiger Akteure der 90er (wie Paul Auster) - da, drin, zusätzlich überfrachtet mit mäandernden metaphysischen Beschreibungen. Auch wenn Kremers und Froon verschwanden, vermag die Sprache sie zurückzuholen. Im Kleinen und Kleinsten besteht der Roman jedoch nicht nur daraus, aus einer unmöglichen Suche wie einem unmöglichen Projekt (aka Fitzcarraldo), ihr beizukommen. Viele Geschichten diffundieren. Schweiß wechselt sich ab mit Angst. Die Holländerinnen sollte man gewinnbringend mehrmals lesen. {4/5 ❤️}
 
Gym (2025, Verena Keßler)

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Mir gefiel Verena Keßlers Debütroman Die Gespenster von Demmin, ihr neuester Roman Gym interessierte mich konzeptionell sogar noch mehr. Man sollte sich nur nicht täuschen lassen. Keßler liefert mitnichten eine letztgültige Antifitness- bzw. Antiselbstoptimierungsstudie (wie es der Titel suggeriert). Der Roman handelt stattdessen von Obsession in Eskalation. Die namenlose Protagonistin - sie fängt in einem Fitnessstudio an zu arbeiten, indem sie ihr sichtbares Übergewicht weglügt und behauptet, dass sie schwanger gewesen sei - will genauso sein wie ihre Kunden, eine Kundin, eine Bodybuilderin. Um jeden (gesundheitlichen) Preis. Gym scheut nicht vor Humor und lockeren Missverständnissen kratzbürstiger Figuren, anfänglich schiebt sich ein Augenzwinkern zu der keimfreien Atmosphäre schwitzender, (aus)stöhnender Körpermotoren. Im Laufe des Romans verändert Keßler ihre Sprache, wie sie ihre Protagonistin verändert: aggressive Ellipsen gemäß dem Zwang, besser zu sein. Ich gebe zu, dass dieses letzte Drittel (zu?) plötzlich einbricht. Andererseits fragte ich mich durchaus, ob und wann Keßler den zwar lesenswerten, aber größtenteils schmucklos ausstaffierten Arbeitsalltag aufbricht. Tut sie, dann mit Bravour. {4/5}
 
Zu dem Buch möchte ich noch ein paar Informationen und Eindrücke nachreichen.
Im ersten Kapitel erzählt er davon, wie er schon in jungen Jahren Filme sah, die für ein erwachsenes Publikum gedacht waren. Babysitter waren damals teuer für seine alleinerziehende Mutter und so kam sie auf die Idee, den kleinen Quentin mit ins Kino zu nehmen, wenn sie und ihr Freund einen neuen Film sehen wollten. Quentin musste versprechen, während dieser Zeit sich ruhig zu verhalten und nicht zu nörgeln, sonst müsste er zuhause bleiben mit einer Babysitterin. Und Quentin genoß es, bei dieser „Erwachsenenzeit“ dabei zu sein und die Erwachsenen und ihr Verhalten zu beobachten, z. B. ihre Reaktionen auf die Filme, die sie im Kino sahen. Mit seinen sieben oder acht Jahren verstand er natürlich nicht alle Feinheiten der Handlung, aber dafür gab es die Möglichkeit, nach dem Kinobesuch auf dem Heimweg über den Film zu sprechen und Fragen zu stellen.
Die folgenden Kapitel beschäftigen sich jeweils mit einem bestimmten Filmklassiker, z. B. „Deliverance - Beim Sterben ist jeder der Erste“ oder „The Getaway“ oder „Sisters - Schwestern des Bösen“.
Damals stellte Tarantino im Berliner Admiralspalast das Buch vor. Leider gab es weder eine Autogrammstunde noch waren die Exemplare, die man dort erwerben konnte - auch mein Buchexemplar hatte ich an dem Abend dort gekauft - vorab signiert worden. Sehr bedauerlich. Fotos von dem Event habe ich leider auch nicht, da Fotografieren streng verboten war; alle Smartphones wurden zuvor eingesammelt und in kleinen Safes verstaut. Die Veranstaltung ist schon wieder einige Jahre her, aber erst jetzt komme ich dazu, das Buch auch mal zu lesen. Ich bin noch nicht ganz durch mit der Lektüre, weil ich zwischendurch die Klassiker - ich gebe zu, so manche kenne ich noch gar nicht - mir besorge und im Heimkino schaue, bevor ich das jeweilige Kapitel lese, welches ihnen gewidmet ist. Aktuell habe ich „Sisters“ und die beiden „French Connection“-Filme geschaut.
Und „Cinema Speculation“ hat er das Buch wohl deshalb genannt, weil er ab und zu spekuliert, wie ein Film wohl mit einer anderen, ganz bestimmten, Besetzung geworden wäre.
 
Ich habe das Buch vor ein paar Jahren gelesen und fand es recht intteressant. Außerdem bin ich so auf ein paar Filme aufmerksam geworden, die ich vorher wenig bis gar nicht auf dem Schirm hatte.
 
Zu dem Buch möchte ich noch ein paar Informationen und Eindrücke nachreichen.
Im ersten Kapitel erzählt er davon, wie er schon in jungen Jahren Filme sah, die für ein erwachsenes Publikum gedacht waren. Babysitter waren damals teuer für seine alleinerziehende Mutter und so kam sie auf die Idee, den kleinen Quentin mit ins Kino zu nehmen, wenn sie und ihr Freund einen neuen Film sehen wollten. Quentin musste versprechen, während dieser Zeit sich ruhig zu verhalten und nicht zu nörgeln, sonst müsste er zuhause bleiben mit einer Babysitterin. Und Quentin genoß es, bei dieser „Erwachsenenzeit“ dabei zu sein und die Erwachsenen und ihr Verhalten zu beobachten, z. B. ihre Reaktionen auf die Filme, die sie im Kino sahen. Mit seinen sieben oder acht Jahren verstand er natürlich nicht alle Feinheiten der Handlung, aber dafür gab es die Möglichkeit, nach dem Kinobesuch auf dem Heimweg über den Film zu sprechen und Fragen zu stellen.
Die folgenden Kapitel beschäftigen sich jeweils mit einem bestimmten Filmklassiker, z. B. „Deliverance - Beim Sterben ist jeder der Erste“ oder „The Getaway“ oder „Sisters - Schwestern des Bösen“.
Damals stellte Tarantino im Berliner Admiralspalast das Buch vor. Leider gab es weder eine Autogrammstunde noch waren die Exemplare, die man dort erwerben konnte - auch mein Buchexemplar hatte ich an dem Abend dort gekauft - vorab signiert worden. Sehr bedauerlich. Fotos von dem Event habe ich leider auch nicht, da Fotografieren streng verboten war; alle Smartphones wurden zuvor eingesammelt und in kleinen Safes verstaut. Die Veranstaltung ist schon wieder einige Jahre her, aber erst jetzt komme ich dazu, das Buch auch mal zu lesen. Ich bin noch nicht ganz durch mit der Lektüre, weil ich zwischendurch die Klassiker - ich gebe zu, so manche kenne ich noch gar nicht - mir besorge und im Heimkino schaue, bevor ich das jeweilige Kapitel lese, welches ihnen gewidmet ist. Aktuell habe ich „Sisters“ und die beiden „French Connection“-Filme geschaut.
Und „Cinema Speculation“ hat er das Buch wohl deshalb genannt, weil er ab und zu spekuliert, wie ein Film wohl mit einer anderen, ganz bestimmten, Besetzung geworden wäre.
Hatte das Buch vor 2 Jahren mit Freude gelesen. Mir haben Tarantinos Analysen und Insiderinformation zu besagten Filmen besonders gefallen. So hat er mich überzeugt "Sisters" eine Chance zu geben.
Zum Glück! Der Film ist absolut sehenswert.
 
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