Meine Kurzkritik zum Film:
Ich bin nicht böse auf den neuen Street Fighter Film. Am Ende war ich sogar etwas erleichtert, dass er nicht so schlecht war, wie ich es nach den aus meiner Sicht fürchterlichen Trailer erwartete. Zufrieden bin ich aber auch nicht. Obwohl es durchaus Anlass für Jubel gibt. Zum Beispiel über die famosen Anime-Sequenzen, die uns immer wieder zu Beginn und während des Films in Flashbacks Hintergrundgeschichten zu den Charakteren erzählen, die sich auch, wie so ziemlich alles am Film, mit der bekannten Lore über Figuren, Rivalitäten und Co. deckt. Dazu gibt es wirklich richtig viele und damit meine ich wirklich massig Easter Eggs für die Fans der Spielereihe zu entdecken und das reicht wirklich bis ins Jahr 1987 und dem Originalspiel zurück. Auch Kenner des Animated Movie werden die ein oder andere Anspielung erkennen. Das hat wirklich Spaß gemacht und setzt sich grade zu Beginn bei der Umsetzung der Videospielmusik und der Adaption der MTV-Ästhetik der frühen 90er. Da kann der Film was. Leider muss man aber auch anmerken, dass der Soundtrack für einen Film der im Jahr 1993 spielt und bei dem die Musik auch “in the scene” größtenteils läuft völlig falsch ist. Die meisten der Songs von Black Hole Sun, Be My Lover, Bitch oder This is how we do it wurden erst nach 1993 veröffentlicht. Und warum Ryu und Ken sich gegenseitig im jahr 1987 den 4 Non Blondes Evergreen What’s Up vorjaulen, weiß auch nur der Music Supervisor.
Die Geschichte erzählt von Ryu und Ken, die sich aus dem ein oder anderen Grund aus den Augen verloren haben und einem von Oberschurke M. Bison veranstaltetem Kampfturnier, an dem natürlich nur die besten Kämpfer der Welt teilnehmen dürfen. Alle Figuren haben aber natürlich ihre eigene und persönliche Motivation zum Turnier zu reisen, darunter auch Chun-Li, deren Story man ebenfalls bereits schon aus Comics und Spielen kennt. Ich würde jedoch die Behauptung aufstellen, dass Leute, die absolut gar nichts mit der Vorlage und den Charakteren anfangen können, Schwierigkeiten mit der Verfilmung haben werden. Denen könnte das alles zu absurd und lächerlich vorkommen. Denn auch in Sachen Tonalität gibt es ein größeres Problem. Dass man die Geschichte nicht bierernst erzählen wird war ja klar, dass jedoch fast sämtliche Gags und Oneliner wirkungslos verpuffen, hat mich schon überrascht. Zumal es zwischenzeitlich auch wirklich mal düster und seriös zu sich geht, grade Richtung Showdown, was mir persönlich dann deutlich besser gefallen hat, als der Einstieg und Mittelteil ohen Flow, Dynamik und nachvollziehbaren Build Up.
Warum Chun Li, Cammy und ja Guile (!) durchgehend auf Dialogebene sexualisiert werden oder selbst sexualisieren bleibt mir ein Rätsel. Den ersten richtigen Kampf gibt es erst nach über 30 Minuten, was ich etwas seltsam fand. Die Special Moves wurden generell gut umgesetzt und die späteren Kämpfe wurden dann qualitativ stetig besser, im Showdown am besten. Das Kampfturnier selbst verkommt dagegen zu einer völligen Farce. Wer also mal wieder vergeblich bei einer Fighting-Game Adaption ein richtiges Kampfsportturnier sehen will, guckt auch hier weitestgehend in die Röhre. Was die Figuren angeht waren Chun Li, Ryu, Ken, Dhalsim und Akuma meine Highlights. Blanka und Guile waren für mich Eigentore. Die Darstellung von M. Bison durch David Dastmalchian erinnerte mich leider zu sehr an eine Kopie von Raul Julias Performance im 90s Street Fighter Film. Ärgerlich ist zu dem ein seltsam antiklimaktives Ende, das selbstbewusst auf eine Forsetzung schielt, die es vermutlich nie geben wird.