Es ist bezeichnend, dass die einzige Star Trek Serie, die bei mir noch funktioniert Lower Decks ist. Da waren halt Fans an den Drehbüchern beteiligt und das merkt man,
weil sie die Materie verstehen und trotz Hampel-Humor das mehr Star Trek als alles andere zur Zeit ist.
So gerne ich auch Lower Decks mag, aber es zeigt auch das Problem der neuen Serien auf. Die besten Momente entstehen, wenn (in guter Form) auf das alte Star Trek referenziert wird, etwas neues und tolles haben die New-Trek-Serien aber bisher nicht geschaffen.
Rückblickend betrachtet, hatte man beim Start von New Trek ein konzeptionelles Problem. DSC ist doch offensichtlich anfangs als Prequel-Serie gestaltet worden, weil man den Krieg gegen die Klingonen als Aufhänger nutzen und zeigen wollte, da dieser bisher noch nicht beleuchtet wurde. Soweit so gut, aber das Thema war dann aber bereits nach Staffel 1 mehr oder weniger abgehakt. Das Re-Design der Klingonen wurde zum Flopp und man hat bereits für die 2. Staffel zwangsweise an einer Neuausrichtung der Serie gearbeitet, die letztlich dann ins 32. Jahrhundert geführt hat. Mir kommt es auch so vor, als ob zumindest die alte Paramount-Führung das 32. Jahrhundert als das Haupt-Jahrhundert für New-Trek angesehen hat und man dort auch bleiben wollte. SNW und PIC kamen nebenbei zustande, weil Pike & seine Crew gut ankamen und die TOS-Enterprise sowieso ikonisch ist, bei PIC ähnlich, auch wenn es hier anfangs eine andere Ausrichtung gab und erst Staffel 3 eigentlich das war, was eine TNG-Nachfolgeserie vom Start weg hätte sein müssen.
Das größte Problem ist einfach, dass aktuell DSC und die Academy-Serie die Kernserien von New Trek sind, inkl. das 32. Jahrhundert. Ich behaupte jetzt einfach mal, was aber die Fans lieber sehen würden, wäre, wenn man Star Trek dort weitermacht, wo PIC aufgehört hat. Also am Anfang des 25. Jahrhunderts. Der Zeitliche Abstand von rund 25 bis 30 Jahren zu TNG/DS9/VOY ist auch groß genug, dass man nicht noch einen größeren Zeitsprung benötigen würde. Ob eine Serie,die im 25. Jahrhundert spielt nun wieder auf einen Raumschiff stattfindet, auf einer Raumstation oder in einer anderen Sternenflotteneinrichtung ist, glaube ich, erst einmal egal, solange man genug von aktuellen Lage innerhalb und außerhalb der Föderation mitbekommt und zu anderen neuen oder bekannten Welten reist.
Ich hätte auch nichts gegen eine Fortsetzung zu SNW, auch wenn ich die 3. Staffel deutlich schwächer als die ersten beiden empfand, aber wahrscheinlich würde mit Year One (Übernahme der Enterprise durch die Kirk) etwas brauchbareres dabei rumkommen als mit sowas wie die Academy-Serie. Wobei mir sogar lieber wäre, wenn man direkt an das Ende von TOS/TAS ansetzen würde. Zwischen TOS/TAS und dem ersten ST-Kinofilm sind ja auch noch ein paar Jahre vergangen, in denen die TOS-Crew Abenteuer erlebt hat (Fortsetzungen zu TOS-Episoden wären hier auch denkbar, wie es schon bei TAS gemacht wurde).
Btw. weil immer von Zeitgeist etc. die Rede ist. Ich glaube niemand verlangt, dass eine neue ST-Serie 1:1 wie 90er-Jahre-ST sein muss. Aber mehr Fokus auf charaktergetriebene Geschichten anstatt mit Logiklöchern durchtränkte Effektorgien wären schon mal wieder wünschenswert. Auch beim Casting und Writing wäre es toll, wenn man wieder mehr auf Sympathie Wert legen würde. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber bereits auf Bildern und in Trailern wirken einige Charaktere schon so unsympathisch, dass mir die Lust komplett vergeht. Das heißt nicht, dass Charaktere gleich vom Start weg sympathisch sein müssen (bei DS9 war z. B. Kira auch am Anfang von der Art her eher nervig, aber je mehr man von ihr erfahren hat, hat man ihr Verhalten besser verstanden und sie hat sich ja auch im Laufe der Serie weiterentwickelt), aber wenn einem teils die Antipathie von Anfang an ins Gesicht springt, dann wird es echt schwierig. Aber gut, vielleicht auch nur mein Problem, nur bei den früheren ST-Serien war das halt nicht so, da gab es aber auch keine überdrehten Charaktere im Hauptcast, hätte auch irgendwie nicht zur Sternenflotte gepasst, wie sie damals noch dargestellt wurde.
Auch ganz wichtig, ST-Serien sollten auch weiterhin Ensemble-Serien bleiben, bei der die einzelnen Charaktere über die Folgen hinweg im Schnitte die selbe Aufmerksamkeit bekommen. Sowas wie bei DSC, wo nur Burnham im Fokus steht, und man sich von Teilen der Brücken-Crew am Ende der Serie immer noch nicht die Namen gemerkt hat, brauche ich wirklich nicht mehr. Zumal es bei DSC in der letzten Staffel zum Ende hin sogar so war, dass einzelne Personen der Brücken-Crew plötzlich ohne Begründung verschwunden waren. Das wurde zwar nachträglich dadurch begründet, dass es angeblich Terminkonflikte gab und deshalb manche Schauspieler nicht mehr auftauchten, aber das kann's doch auch nicht sein bzw. man hätte dann doch einzelne Szenen separat nachdrehen können, immerhin waren die Charaktere knapp 5 Staffeln dabei (zeigt aber auch wieder wie viel Beachtung seitens der Produktion man den Charakteren geschenkt hat...).