Nun noch ein paar Gedanken zum Film.
Salò war für mich eine Erstsichtung. Über dessen Existenz wusste ich so ziemlich seit ich mich tiefergehend für Filme interessiere, aber in den 15 Jahren habe ich es leider nicht auf die Reihe bekommen ihn mal zu sehen. Durch die schöne 4K Restauration von Wicked Vision war dies nun in bester Qualität möglich und ich war wirklich begeistert.
Ihm eilt ein Ruf vorraus und oft wird er ausschließlich auf die Abscheulichkeiten reduziert, dabei ist der selbstverwirklichende kreative Aspekt nebst Kritik an Faschismus, Kapitalismus und Konsumerismus, eine Dreifaltigkeit die Hand in Hand geht und sich gegenseitig bedingt, natürlich das wahre Freudbringende an diesem Machwerk.
Aber warum hatte ich denn Spaß daran, ich krankes Schwein? Nun, der Film ist in seiner Inszenierung zwar keineswegs subtil aber gerade deswegen mochte ich ihn so. Ich mag es, wenn sich Künstler radikal selbstverwirklichen, das Publikum anschreien und Täterschaft denenigen zeigen, die sie nicht sehen und wissen möchten.
Wenn Pasolini hier am feinen Tisch kot servieren lässt, dann sagt er: Die Menschen erhalten im Kapitalismus und Konsumerismus das, was die Obrigkeit für richtig empfindet zu servieren und ihr habt es zu fressen und ihr habt es zu mögen. Wenn Pasolini die Scheiße vom Boden fressen lässt, geschissen von den Herrschern, während draußen Kriegsgetöse zu hören ist, dann sagt er: Wer im Krieg gewinnt, sind die, die ihn anzetteln und wer die Scheiße im Krieg fressen muss sind die, die ihn nie wollten.
Das ist alles unfassbar einfach aber gerade deswegen so radikal und eindringlich, dass es mir eine wahre Freude ist zu wissen, dass dieser Film gemacht wurde und existiert. Die reine Beobachtung der Geschehnisse bleibt dabei natürlich unangenehm und intensiv.
Ebenso bieten sich bei einer Sichtung im Jahre 2026 moderne Lesarten an, wie frappierende Parallelen zu Finanzeliten die sich den Mensch zum Eigentum machen um die eigenen Gelüste zu befriedigen - Epstein & Konsorten. Zwar kein Phänomen der Moderne und ein Umstand der schon existiert, seit es herrschende und beherrschte Klassen gibt, allerdings ein neo-mittelalterliches Beispiel, das jeder kennen dürfte.
Nebst Aufrüttelung war der Film auch im klassischen Sinn nie langweilig, denn er zieht die Intensität der Handlungen nach Vorbild der Danteschen Höllenkreise immer weiter an. Nach der Aneignung des Leibs folgt die Auslebung der Macht, die Degradierung zum Objekt und wenn das nicht mehr reicht kann es nur noch in der vollkommenen Barbarei gipfeln. Erschütternd und so lange aktuell, so lange wir es zulassen.
Pasolinis letzter Film, kurz darauf wurde er ermordet. Besser kann man nicht abtreten.