Mit dieser Formulierung tue ich mich etwas schwer. Genozid ist ein eher moderner Begriff, der in diesem Kontext vielleicht unpassend ist. Kriegsverbrechen würde es eher treffen.
Nachtrag: Von der Auslöschung einer Zivilisation würde ich nur sprechen, wenn eine Kultur mitsamt ihrer Bevölkerung, Sprache und Traditionen vollständig verschwindet. Das ist hier nicht der Fall. Aber ich halte diese Diskussion speziell in diesem Faden für zu akademisch.
Kriegsverbrechen ist ja ein genauso moderner Terminus, wie Genozid, wie du selbst schreibst, die antiken Griechen zu Homers Zeiten (sowie davor als auch danach) hatten einen vollkommen anderen Blick auf Krieg, der antike, homerische Heros definiert sich über den Kampf und Krieg, was ja auch nur noch wenig mit dem zu tun hat, was man heutzutage als Held verstehen würde.
Der Fall Trojas geht schon deutlich über das, was wir heute als Kriegsverbrechen verstehen würden hinaus, die Stadt wurde nieder gebrannt und geschliffen, die Böden gesalzeny die Brunnen vergiftet, die Bevölkerung wurde geschlachtet, vergewaltigt und im besten Falle in die Sklaverei verschleppt. Da die griechischen Völker sich in Stadtstaaten organisierten und identifizieren, ist es ein ziemlich vollendeter Völkermord, für diesen braucht es auch keine vollständige Auslöschung, es reicht der Wille und ein partielle Ausführung reichen vollkommen aus. Tatsächlich waren die wenigsten Genozide letztlich absolut. Das klingt jetzt alles sehr abgeklärter als ich draüber denke, immerhin reden wir über das wohl denkbar schlimmste Kollektivverbrechen, aber eine saubere Definition bedarf eine gewisse nüchterne Sachlichkeit. Zu dieser Form des Genozid kam es ja auch immer wieder in der Antike, ein weiteres bekanntes Beispiel dürfte die Zerstörung Karthagos während der punischen Kriege sein. In beiden Fällen starb auch defakto das kulturelle Erbe aus und ist nur noch aus der Perspektive der Gewinner erhalten geblieben.