Il Monco
Linksradikaler Fußballterrorist
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Christopher Nolan. Die Odyssee. Griechische Mythologie und ein dreistündiges Epos. IMAX. Sich überschlagende Rezensionen.
Bei dieser Prämisse sollte man doch unmöglich enttäuscht aus dem Kino gehen, vor allem wenn man die eigenen Erwartungen gering hält. Und dennoch war dies der Fall. Warum?
Zunächst sei gesagt, dass mich der Film über die Laufzeit hinweg sicher auf einer niedrigschwelligen Ebene ganz gut unterhalten hat, denn durch das IMAX-Erlebnis, mit einer sichtfeldfüllenden Leinwand in 1.43:1 und tinnitusinduzierendem Soundsystem bis zur Übersteuerung, war es physisch und psychisch unmöglich auch nur irgendwie abzuschalten.
Der Film hat einen an einen Mast gebunden und sich selbst präsentiert.
Dies zum Positiven und das meine ich wirklich positiv, denn bis zum Abspann war es für mich tatsächlich ein recht beeindruckender Rausch der Bilder und Klänge, der mich doch sehr vereinnahmt und keineswegs durch die Intensität überfordert hat. Hat mir als Erlebnis als solches gut gefallen.
Ich bin keine Autorität bezüglich des Quellmaterials, da ich nur eine zusammenfassende Version des Textes aus meinem Sachbuch über griechische Mythologie kenne, daher kann ich hier kaum Bezüge ziehen und ein Film steht grundsätzlich ja für sich alleine und ist unabhängig von und nicht im Vergleich zu seiner Inspiration zu bewerten.
Warum hat der Film denn dann enttäuscht, wenn nicht durch die allgegenwärtige Kritik an der Umsetzung der Geschichte?
Nun, er hat sich trotz der erdrückenden Präsentation einfach leer angefühlt und ist für mich ein klassisches Blendwerk.
Ich weiß nicht, ob es an den IMAX Kameras lag oder ob es eine kreative Entscheidung war um mehr Intensität und Intimität zu suggerieren, aber der Film wird zum Großteil in Nahaufnahmen erzählt und für überdimensionale Fratzen gehe ich nicht in ein IMAX. Gerade bei dieser Prämisse erwartet man doch eine irgendwie geartete Epik, Grandezza, Schauwerte, Landschaften, Schlachten, Protz, you name it. Nichts davon ist vorhanden. Alles ist graubraun, alles sieht nach Ruine aus, Wald und Wiese. Das Designdepartment hat wohl seit dem ersten Fall der ersten Klappe Urlaub gemacht. Es gibt wirklich nichts im Film, was hier visuell anregend ist und eine gewisse Größe, die man sich bei dieser Epoche erhofft, vermittelt. Die Rüstungen sind mir historisch egal, ich weiß nicht wie sie aussahen und glaube auch keinem der es behauptet zu wissen. Cool waren sie im Film trotzdem nicht.
Einzige Agememnons Design war wirklich fett, dieser Helm mit der Wirbelsäule und die Rüstung komplett in schwarz hatte was, besonders bei der Schlacht um Troja, in der er wie die Personifizierung des Todes selbst vor den Toren stand. Hat für mich schon ein kleines Gänsehaut-Visual ergeben.
Anachronismen in der Sprache waren für mich durchaus unpassend, aber nicht weil man hätte Father statt Dad sagen sollen, die alten Griechen haben soweit ich weiß generell kein Englisch gesprochen, sondern weil ich so einen Ansatz wie Mel Gibson ihn mal in aramäisch verfolgte extrem cool finde. So ein Film in altgriechisch? Gerne! Aber bitte nicht finanziert von Elon Musk im Sinne des Kulturkampfs.
Die einzelnen Stationen des Odysseus, die abgearbeitet werden, werden genau dies. Abgearbeitet. Wir hetzen vom Zyklopen, zu den Riesen, zu Circe, zu Hades, zu den Sirenen, zu Scylla. Mal mit mehr, mal weniger Lust auf Verbleib, denn richtig genutzt wurden hier eigentlich nur der Zyklop, Hades und Circe, in Ansätzen. Immerhin gab es dort optisch und inhaltlich ein bisschen was zu bieten. Doch gerade die Riesen und Sirenen waren eine Randnotiz und bei Scylla hast du einfach gemerkt, dass Nolan sich wohl für den Einsatz von CGI schämt und ganz schnell weiter wollte. Mehr als ein Abhaken war das nicht.
Unterbrochen werden diese, wenigstens ganz unterhaltsamen Stationen, immer wieder von dem Locationwechsel nach Ithaka, wo Penelope uns jedes Mal sagt, dass sie Odysseus wieder sehen möchte während der Palast seit zehn Jahren von Leuten besetzt wird die sich an Odysseus Hab und Gut laben und Antinoos bedrohlich dreinblickt. Währenddessen irrt Telemachus umher und... redet. Mit Leuten. Über Dinge.
Diese Passagen bremsen den Film dermaßen aus, sind dermaßen uninteressant anzuschauen und ziehen sich dann auch noch wie Kaugummi.
Generell ist Nolan bei seiner Idee eines Antikriegsfilms wohl deutlich überfordert. Du machst keinen Antikriegsfilm wenn du die Botschaft selbst wieder unterminisiert und du machst auch keinen Antikriegsfilm, wenn du im selben Atemzug versuchst, die Action cool und unterhaltsam zu inszenieren, stylisch und mit hektischer Hollywood-Wackelkamera. So funktioniert das nicht und du hast deine eigene Idee nicht verstanden. Halt die Kamera drauf, zeige Gewalt, zeige Leid, lass niemanden gewinnen und alle verlieren. Es ist alles handzahm, er- und verträglich. Er traut sich nicht. Entweder weil er es nicht kann, oder weil für die Bekömmlichkeit des Massengeschmacks gefilmt werden muss, ich kann nur raten.
Bei der Erzählstruktur vom Spiel mit der Zeit zu sprechen überschätzt den Aspekt jedoch deutlich und vermutlich nur, weil es halt Nolan ist, der sowas eh immer macht. Dabei geschieht das erstens auch in der Vorlage und zweitens würde ich behaupten, dass eine Erzählung in Rückblenden, die wiederum linear geschieht und vom erzählenden Charakter quasi angekündigt wird, kaum als Spiel mit Zeit bezeichnet werden kann. Der Film ist im Kern einer der straightesten Nolans überhaupt geworden, was keine Kritik ist, sondern nur eine Anmerkung.
Der Cast hat bei mir Fragezeichen hinterlassen. Nicht weil mir irgendwelche Besetzungsentscheidungen aufgrund von Äußerlichkeiten missfallen, sondern weil mir missfällt, dass Zendaya, Mia Goth, Lupita Nyong'o, Elliot Page und Charlize Theron insgesamt etwa 14 Millionen an Gage erhalten haben und das für Rollen mit einer gesamten Screentime von geschätzt 5 Minuten. Mehr als einen oder zwei Drehtage dürfte da keiner gehabt haben. Ist das die Leistungsgesellschaft von der alle reden? Einen Tag arbeiten und siebenstellig kassieren! Fritz platzt vor Stolz und Bewunderung für diesen wirtschaftlichen Einsatz.
Alternativ hätte man diese kleinen Rollen auch talentiertem Nachwuchs anbieten können.
Der Main Cast war dann okay. Matt Damon hat seine Sache gut gemacht, Anne Hathaway, Tom Holland und Robert Pattinson sind offenbar am Set erschienen und haben getan, was sie tun mussten.
Muss man zu Göransson eigentlich noch Worte verlieren? Der Mann macht erweitertes Sounddesign. Ein Gedröhne von Anfang bis Ende. Ja, so als Erlebnis für die Sinne macht das Spaß, hat mir Filmmusik aber nichts mehr zu tun. Wer behauptet, sich an ein Stück aus dem Score zu erinnern, lügt.
Am Ende des Tages kann ich immerhin behaupten, den ersten vollständig in IMAX gedrehten Film in einem IMAX Kino in der original Aspect Ratio von 1.43:1 gesehen zu haben. Ähnlich neidisch auf mich werden zukünftige Generationen blicken, wie ich auf diejenigen, die den ersten Tonfilm im Kino erlebten. Ganz bestimmt!
2/5
Bei dieser Prämisse sollte man doch unmöglich enttäuscht aus dem Kino gehen, vor allem wenn man die eigenen Erwartungen gering hält. Und dennoch war dies der Fall. Warum?
Zunächst sei gesagt, dass mich der Film über die Laufzeit hinweg sicher auf einer niedrigschwelligen Ebene ganz gut unterhalten hat, denn durch das IMAX-Erlebnis, mit einer sichtfeldfüllenden Leinwand in 1.43:1 und tinnitusinduzierendem Soundsystem bis zur Übersteuerung, war es physisch und psychisch unmöglich auch nur irgendwie abzuschalten.
Der Film hat einen an einen Mast gebunden und sich selbst präsentiert.
Dies zum Positiven und das meine ich wirklich positiv, denn bis zum Abspann war es für mich tatsächlich ein recht beeindruckender Rausch der Bilder und Klänge, der mich doch sehr vereinnahmt und keineswegs durch die Intensität überfordert hat. Hat mir als Erlebnis als solches gut gefallen.
Ich bin keine Autorität bezüglich des Quellmaterials, da ich nur eine zusammenfassende Version des Textes aus meinem Sachbuch über griechische Mythologie kenne, daher kann ich hier kaum Bezüge ziehen und ein Film steht grundsätzlich ja für sich alleine und ist unabhängig von und nicht im Vergleich zu seiner Inspiration zu bewerten.
Warum hat der Film denn dann enttäuscht, wenn nicht durch die allgegenwärtige Kritik an der Umsetzung der Geschichte?
Nun, er hat sich trotz der erdrückenden Präsentation einfach leer angefühlt und ist für mich ein klassisches Blendwerk.
Ich weiß nicht, ob es an den IMAX Kameras lag oder ob es eine kreative Entscheidung war um mehr Intensität und Intimität zu suggerieren, aber der Film wird zum Großteil in Nahaufnahmen erzählt und für überdimensionale Fratzen gehe ich nicht in ein IMAX. Gerade bei dieser Prämisse erwartet man doch eine irgendwie geartete Epik, Grandezza, Schauwerte, Landschaften, Schlachten, Protz, you name it. Nichts davon ist vorhanden. Alles ist graubraun, alles sieht nach Ruine aus, Wald und Wiese. Das Designdepartment hat wohl seit dem ersten Fall der ersten Klappe Urlaub gemacht. Es gibt wirklich nichts im Film, was hier visuell anregend ist und eine gewisse Größe, die man sich bei dieser Epoche erhofft, vermittelt. Die Rüstungen sind mir historisch egal, ich weiß nicht wie sie aussahen und glaube auch keinem der es behauptet zu wissen. Cool waren sie im Film trotzdem nicht.
Einzige Agememnons Design war wirklich fett, dieser Helm mit der Wirbelsäule und die Rüstung komplett in schwarz hatte was, besonders bei der Schlacht um Troja, in der er wie die Personifizierung des Todes selbst vor den Toren stand. Hat für mich schon ein kleines Gänsehaut-Visual ergeben.
Anachronismen in der Sprache waren für mich durchaus unpassend, aber nicht weil man hätte Father statt Dad sagen sollen, die alten Griechen haben soweit ich weiß generell kein Englisch gesprochen, sondern weil ich so einen Ansatz wie Mel Gibson ihn mal in aramäisch verfolgte extrem cool finde. So ein Film in altgriechisch? Gerne! Aber bitte nicht finanziert von Elon Musk im Sinne des Kulturkampfs.
Die einzelnen Stationen des Odysseus, die abgearbeitet werden, werden genau dies. Abgearbeitet. Wir hetzen vom Zyklopen, zu den Riesen, zu Circe, zu Hades, zu den Sirenen, zu Scylla. Mal mit mehr, mal weniger Lust auf Verbleib, denn richtig genutzt wurden hier eigentlich nur der Zyklop, Hades und Circe, in Ansätzen. Immerhin gab es dort optisch und inhaltlich ein bisschen was zu bieten. Doch gerade die Riesen und Sirenen waren eine Randnotiz und bei Scylla hast du einfach gemerkt, dass Nolan sich wohl für den Einsatz von CGI schämt und ganz schnell weiter wollte. Mehr als ein Abhaken war das nicht.
Unterbrochen werden diese, wenigstens ganz unterhaltsamen Stationen, immer wieder von dem Locationwechsel nach Ithaka, wo Penelope uns jedes Mal sagt, dass sie Odysseus wieder sehen möchte während der Palast seit zehn Jahren von Leuten besetzt wird die sich an Odysseus Hab und Gut laben und Antinoos bedrohlich dreinblickt. Währenddessen irrt Telemachus umher und... redet. Mit Leuten. Über Dinge.
Diese Passagen bremsen den Film dermaßen aus, sind dermaßen uninteressant anzuschauen und ziehen sich dann auch noch wie Kaugummi.
Irgendwann kommt Odysseus dann natürlich zu Hause an. Der finale Kampf gegen die Hausbesetzer konterkariert dann eigentlich das, als was Odysseus den ganzen Film über dargestellt wird. Der große Taktiker, der sich aus jeder Situation gewieft befreien kann, packt die Keule aus und schnetzelt 100 Mann im Alleingang in Grund und Boden. Wow. Und das nach einem ewigen Monolog der uns darlegen soll, wie traumatisiert und beschämt er doch für die Gewalt in Troja sei. Ein Monolog unterlegt mit Bildern, die ohne jenen Monolog übrigens hätten auch verstanden werden können, denn die transportierte Idee des sich eigentlich versteckenden und traumatisierten Kriegs"helden" fand ich ja ganz nett.
Generell ist Nolan bei seiner Idee eines Antikriegsfilms wohl deutlich überfordert. Du machst keinen Antikriegsfilm wenn du die Botschaft selbst wieder unterminisiert und du machst auch keinen Antikriegsfilm, wenn du im selben Atemzug versuchst, die Action cool und unterhaltsam zu inszenieren, stylisch und mit hektischer Hollywood-Wackelkamera. So funktioniert das nicht und du hast deine eigene Idee nicht verstanden. Halt die Kamera drauf, zeige Gewalt, zeige Leid, lass niemanden gewinnen und alle verlieren. Es ist alles handzahm, er- und verträglich. Er traut sich nicht. Entweder weil er es nicht kann, oder weil für die Bekömmlichkeit des Massengeschmacks gefilmt werden muss, ich kann nur raten.
Bei der Erzählstruktur vom Spiel mit der Zeit zu sprechen überschätzt den Aspekt jedoch deutlich und vermutlich nur, weil es halt Nolan ist, der sowas eh immer macht. Dabei geschieht das erstens auch in der Vorlage und zweitens würde ich behaupten, dass eine Erzählung in Rückblenden, die wiederum linear geschieht und vom erzählenden Charakter quasi angekündigt wird, kaum als Spiel mit Zeit bezeichnet werden kann. Der Film ist im Kern einer der straightesten Nolans überhaupt geworden, was keine Kritik ist, sondern nur eine Anmerkung.
Der Cast hat bei mir Fragezeichen hinterlassen. Nicht weil mir irgendwelche Besetzungsentscheidungen aufgrund von Äußerlichkeiten missfallen, sondern weil mir missfällt, dass Zendaya, Mia Goth, Lupita Nyong'o, Elliot Page und Charlize Theron insgesamt etwa 14 Millionen an Gage erhalten haben und das für Rollen mit einer gesamten Screentime von geschätzt 5 Minuten. Mehr als einen oder zwei Drehtage dürfte da keiner gehabt haben. Ist das die Leistungsgesellschaft von der alle reden? Einen Tag arbeiten und siebenstellig kassieren! Fritz platzt vor Stolz und Bewunderung für diesen wirtschaftlichen Einsatz.
Alternativ hätte man diese kleinen Rollen auch talentiertem Nachwuchs anbieten können.
Der Main Cast war dann okay. Matt Damon hat seine Sache gut gemacht, Anne Hathaway, Tom Holland und Robert Pattinson sind offenbar am Set erschienen und haben getan, was sie tun mussten.
Muss man zu Göransson eigentlich noch Worte verlieren? Der Mann macht erweitertes Sounddesign. Ein Gedröhne von Anfang bis Ende. Ja, so als Erlebnis für die Sinne macht das Spaß, hat mir Filmmusik aber nichts mehr zu tun. Wer behauptet, sich an ein Stück aus dem Score zu erinnern, lügt.
Am Ende des Tages kann ich immerhin behaupten, den ersten vollständig in IMAX gedrehten Film in einem IMAX Kino in der original Aspect Ratio von 1.43:1 gesehen zu haben. Ähnlich neidisch auf mich werden zukünftige Generationen blicken, wie ich auf diejenigen, die den ersten Tonfilm im Kino erlebten. Ganz bestimmt!
2/5
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