Wie nicht anders zu erwarten, ist Camerons dritter Besuch auf Pandora ein sensationelles audiovisuelles Spektakel geworden, an dem man sich durchaus überfressen kann. Da passt hinterher kein hauchdünnes Minzplättchen mehr rein. "Fire and Ash" verpasst dem geneigten Zuschauer, der hungrig nach mehr Pandora ist und den Hals nicht vollkriegt, einen dreistündigen Vollrausch, der ohne weiteres mit dem Zeuch mithalten kann, das Varang in ihrem Zelt Colonel Quaritch zu rauchen gibt. Die Wucht der Bilder ist gewaltig, die Welt, die Cameron erschafft, fasziniert auch in der dritten Runde. Ermüdung oder Langeweile kommt da trotz der stattlichen Laufzeit nicht auf. Alles, egal wie bizarr oder fremdartig es auch sein mag, wirkt jederzeit greifbar und real.
"Fire and Ash" schließt unmittelbar an "The Way of Water" an und führt alle losen Enden zu einem runden und befriedigenden Ende. Ein wenig Enttäuschung, dass Quaritch nicht, wie erhofft, eine vollständige Läuterung erfahren hat, bleibt zurück. Andererseits kann ich aber nachvollziehen, dass er und Varang als dunkle Spiegelbilder von Jake und Neytiri aufgestellt werden. Überhaupt, Varang! Was für ein Feger - die animalische Erotik, die Oona Chaplin der Figur verleiht, lässt Neytiri wie ein biederes Hausmütterchen wirken. Wie breit habe ich gegrinst, als sie mit Quaritch im Tipi verschwindet und (ja, ich weiß, platt, aber einfach herrlich) eine automatische Waffe in Großaufnahme einen Feuerstoß abgibt. Edie Falco und Giovanni Ribisi liefern an der Unsympathenfront auch kräftig ab. Generell fand ich die Düsternis und auch die Brutalität mancher Szenen recht überraschend. In dem großen Finale, das einem eine gefühlt halbstündige Maulsperre verpasst, werden auf allen Seiten keine Gefangenen gemacht. Daumen hoch auch für das erstklassige 3D. Ansonsten behauptet sich Cameron erneut als praktisch unentthronbar, was fette Actionszenen angeht.
Erleichtert war ich, dass keiner der Helden in Anlehnung an einen anderen dritten Teil aus der Karl-May-Reihe die Glocken gehört hat. Ich hatte eh schon genug Pipi in den Augen bei "Fire and Ash".
Sollte das jetzt tatsächlich Camerons letzter Avatar-Film gewesen sein, so fände ich das zwar schade, aber ich kann mit diesem befriedigenden Abschluss gut leben.
8,5/10
P.S.: Eine Frage treibt mich noch um: Wer hat die Tulkun-Matriarchin tätowiert und gepierced und wie viel Arbeit war das?