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Kinofilm: Die Odyssee [Christopher Nolan] (2026) [Kino]

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Es braucht den Willen zur Vernichtung eines Volkes, das zu vernichtende Volk und die Ausführung bzw. zu mindestens den Versuch. Also stellen sich nur zwei Fragen: War der Wille zu Vernichtung Trojas vorhanden? Ich denke hier kann man eindeutig mit einen Ja antworten. Kann man Troja bzw. die Trojaner als Volk ansehen? Wie von mir beschrieben, würde ich die Frage bejahen. Also sind wir quer Definition beim Völkermord, im Falle Trojas nach Homers Beschreibung auch ein entsprechend ausgeführter.
Ich sehe das etwas anders. Auch in der Sekundärliteratur ist mir im Kontext mit Troia noch nie etwas derartiges begegnet, dass man als Motiv für die Einnahme und Zerstörung Troias Genozid unterstellt hat. Es wurde nicht vorsätzlich eine Zivilisation oder Kultur vernichtet. Ich halte das für etwas zu hoch gegriffen. Aber ich muss auch dazusagen, dass ich kein Historiker bin.
Wenn man sich den Hisarlık Tepe näher anschaut (von dem man annimmt, daß er dem antiken Troja entspricht), gab es nach den möglichen Ereignissen des Trojanischen Krieges eine weitere Besiedlung über Jahrhunderte hinweg - da ist die Spurlage nicht so genau, daß man generell den Begriff Genozid anwenden kann. Die Nachfolger könnten andere Völker gewesen sein, aber zwingend ist das wohl erst um das 8. Jahrhundert v. Chr. anzunehmen (Troja XIII).
So ist es! Genau das spricht gegen Genozid.
Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber meinst du weil die Vernichtung nicht vollständig war, weil weiter Menschen in der Region siedelten, wäre es kein Genozid? Wie gesagt die meisten Genozide in der Menschheitsgeschichte waren "vollständig" nach dem Argument wäre auch der Holocaust kein Genozid. Selbstverständlich kannte man das Prinzip des Genozid in der Antike nicht, man hatte eine gänzlich andere Perspektive auf den Krieg, er wurde als legitimes Mittel zu Durchsetzung von Interessen, der Krieg war teilweise ritualisiert und man hatte kein humanitäres Völkerrecht. Aber, wenn der trojanische Krieg heute geführt worden wäre, dann hätte man den Tatbestand des Genozid wohl anerkannt. Ok, außer man wäre treuer Grieche oder von den Griechen wirtschaftlich/politisch abhängig oder hegt gemeinsame Animositäten. ;)
 
Aber, wenn der trojanische Krieg heute geführt worden wäre, dann hätte man den Tatbestand des Genozid wohl anerkannt.
Vermutlich ja. Der Vorsatz, wegen des Raubes der Helena Rache an den Trojanern zu nehmen, wird ja klar formuliert. Es gibt den Eid des Agamemnon in der "Ilias". Nach heutigen Kriterien ja, ein Genozid, nach antiker Vorstellung war es gängige Praxis, Städte einzunehmen, Männer zu ermorden und Frauen samt Kindern in die Sklaverei zu führen. Ich meine (als Nicht-Historiker und damit Laie), dass es nicht ganz einfach ist, den Stempel aufzudrücken, weil wir mit modernen Kategorien antike und in diesem Fall nicht-historische Ereignisse beschreiben.

Es gibt aus der Antike reale Ereignisse, die einem Genozid nahekommen: die vollständige Zerstörung Karthagos durch die Römer im 3. Punischen Krieg anno 146 v. Chr. sowie die Zerstörung der Stadt Melos durch die Athener im Peloponnesischen Krieg. Alexander der Große hat mit dem rebellierenden Theben 335 v. Chr. ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Später auch in Persepolis.
 
Es braucht den Willen zur Vernichtung eines Volkes, das zu vernichtende Volk und die Ausführung bzw. zu mindestens den Versuch. Also stellen sich nur zwei Fragen: War der Wille zu Vernichtung Trojas vorhanden? Ich denke hier kann man eindeutig mit einen Ja antworten. Kann man Troja bzw. die Trojaner als Volk ansehen? Wie von mir beschrieben, würde ich die Frage bejahen. Also sind wir quer Definition beim Völkermord, im Falle Trojas nach Homers Beschreibung auch ein entsprechend ausgeführter.
Ich sehe das etwas anders. Auch in der Sekundärliteratur ist mir im Kontext mit Troia noch nie etwas derartiges begegnet, dass man als Motiv für die Einnahme und Zerstörung Troias Genozid unterstellt hat. Es wurde nicht vorsätzlich eine Zivilisation oder Kultur vernichtet. Ich halte das für etwas zu hoch gegriffen. Aber ich muss auch dazusagen, dass ich kein Historiker bin.
Wenn man sich den Hisarlık Tepe näher anschaut (von dem man annimmt, daß er dem antiken Troja entspricht), gab es nach den möglichen Ereignissen des Trojanischen Krieges eine weitere Besiedlung über Jahrhunderte hinweg - da ist die Spurlage nicht so genau, daß man generell den Begriff Genozid anwenden kann. Die Nachfolger könnten andere Völker gewesen sein, aber zwingend ist das wohl erst um das 8. Jahrhundert v. Chr. anzunehmen (Troja XIII).
So ist es! Genau das spricht gegen Genozid.
Eigentlich nicht. Aber nehmen wir doch einfach die innere Logik der Geschichte als Maßstab. Gehen wir davon aus, dass die Angreifer die Stadt mehrere Jahre vorerst erfolglos belagert haben. Dann hätten sie in der Zwischenzeit die Region komplett ausgeblutet, allein um ihrer Versorgung willen (und zum Frustabbau natürlich). Bei der Erstürmung der Stadt hätte es keine Gnade mehr gegeben. So eine Belagerung ist eine zermürbende Sache.

Angesichts fehlender historischer Kenntnisse kann man es natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Der Vorsatz muss auch nicht zwangsläufig genozidal gewesen sein. Der Wille zur vollständigen Vernichtung des Feindes kann sich auch aus der grausamen Mechanik des Krieges selbst heraus entwickeln. Leider ist das sogar ziemlich normal.
Aber, wenn der trojanische Krieg heute geführt worden wäre, dann hätte man den Tatbestand des Genozid wohl anerkannt.
Vermutlich ja. Der Vorsatz, wegen des Raubes der Helena Rache an den Trojanern zu nehmen, wird ja klar formuliert. Es gibt den Eid des Agamemnon in der "Ilias". Nach heutigen Kriterien ja, ein Genozid, nach antiker Vorstellung war es gängige Praxis, Städte einzunehmen, Männer zu ermorden und Frauen samt Kindern in die Sklaverei zu führen. Ich meine (als Nicht-Historiker und damit Laie), dass es nicht ganz einfach ist, den Stempel aufzudrücken, weil wir mit modernen Kategorien antike und in diesem Fall nicht-historische Ereignisse beschreiben.

Es gibt aus der Antike reale Ereignisse, die einem Genozid nahekommen: die vollständige Zerstörung Karthagos durch die Römer im 3. Punischen Krieg anno 146 v. Chr. sowie die Zerstörung der Stadt Melos durch die Athener im Peloponnesischen Krieg. Alexander der Große hat mit dem rebellierenden Theben 335 v. Chr. ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Später auch in Persepolis.
In der Antike gab es definitiv Genozide, und zwar ziemlich häufig. Für die Römer war es eine Form der systematischen Bestrafung. Die Vernichtung bzw. Vertreibung der Juden inklusive der Zerstörung ihres kulturellen Erbes war ein Genozid, auch wenn es den Begriff noch nicht gab. Es gab in der Antike schließlich auch schon Pazifisten, wie zum Beispiel Ashoka. Der verfiel nach blutigen Feldzügen aufgrund der Gewalt in eine Sinnkrise und schwor ihr fortan ab.
 
Der Vorsatz muss auch nicht zwangsläufig genozidal gewesen sein. Der Wille zur vollständigen Vernichtung des Feindes kann sich auch aus der grausamen Mechanik des Krieges selbst heraus entwickeln. Leider ist das sogar ziemlich normal.
Wichtiger Punkt, manchmal passieren Völkermorde auch "ausversehen", wie diverse indigene Stämme Amerikas, bei dem die Invasoren auch mit der Unterwerfung zufrieden gewesen wären, oder die sportliche Menschen-Jagd in Afrika, da ging es wohl auch eher um den "Spaß", nichts desto trotz wurden ganze Kulturen ausgelöscht, von jeden einzigartigen Individium mal ganz abgesehen.

Ich finde auch, dass man eine moral-ethische Einstellung durchaus auch auf andere Kulturen stülpen kann, dafür muss man ja nicht mal in die Vergangenheit schauen, sondern in uns fremde Kulturen, in der Umstände gesellschaftlich mehrheitlich akzeptiert sind, die wir als verwerflich empfinden, sei es die Scharia-Gesetzgebung in islamistisch geprägten Regionen, das indische Kasten-System oder das Gebahren der Chinesen gegenüber den Uiguren, oder auch tatsächlich hier, wo es noch genug Repressionen gegen ganze Gruppen gibt und gab, die gesellschaftlich nicht mehrheitlich verurteilt wird. Wenn man in der Antike einen Sklaven getötet oder vergewaltigt hat, war das für Täter und Gesellschaft auch kein Ding (so lange es die eigenen Sklaven waren), wäre es für jedem moralisch denkenden heutigen Menschen trotzdem als Mord oder Vergewaltigung eingestuft worden, auch wenn man gleichzeitig aus historischer Sicht eine andere Perspektive einnehmen kann.

Man kann sich natürlich auch moralischen Imperialismus vorwerfen lassen und wir sind sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber mit den Ansatz das alle Menschen gleich viel wert sind und sich nur durch die eigenen Handlungen definieren, sind wir schon auf einen ganz guten Weg, gegenüber allen anderen, welche immer auf Macht fußen.
 
Wenn man in der Antike einen Sklaven getötet oder vergewaltigt hat, war das für Täter und Gesellschaft auch kein Ding (so lange es die eigenen Sklaven waren), wäre es für jedem moralisch denkenden heutigen Menschen trotzdem als Mord oder Vergewaltigung eingestuft worden, auch wenn man gleichzeitig aus historischer Sicht eine andere Perspektive einnehmen kann.
Das stimmt so nicht ganz, wie wir bspw. aus dem Alten Testament wissen. Es gibt da eine interessante Kontroverse über Emily Wilsons Übersetzung, in der die Menschen in Odysseus Haushalt als "Sklaven" bezeichnet werden, während es in älteren Adaptionen meist "Diener" (oder so ähnlich) waren. Wirklich korrekt werden wohl beide Varianten nicht sein, da keine von ihnen die damalige Gesellschaftsdynamik abbildet. Vermutlich bräuchte es eine Fußnote in Form eines eigenen Sachbuchs.

In Nolans Film (zumindest der Originalversion) wird dies übrigens sehr elegant gelöst. Antinous bezeichnet sie als "slaves", während Odysseus von "servants" spricht.
 
Die Übersetzung der verschiedenen griechischen Wörter, die in den Epen vorkommen, ist tatsächlich nicht ganz einfach. Es werden verschiedene Aufgabenbereiche o. ä. bezeichnet, die sich im Deutschen nicht immer ganz trennscharf unterscheiden lassen.
 
Wenn man in der Antike einen Sklaven getötet oder vergewaltigt hat, war das für Täter und Gesellschaft auch kein Ding (so lange es die eigenen Sklaven waren), wäre es für jedem moralisch denkenden heutigen Menschen trotzdem als Mord oder Vergewaltigung eingestuft worden, auch wenn man gleichzeitig aus historischer Sicht eine andere Perspektive einnehmen kann.
Das stimmt so nicht ganz, wie wir bspw. aus dem Alten Testament wissen. Es gibt da eine interessante Kontroverse über Emily Wilsons Übersetzung, in der die Menschen in Odysseus Haushalt als "Sklaven" bezeichnet werden, während es in älteren Adaptionen meist "Diener" (oder so ähnlich) waren. Wirklich korrekt werden wohl beide Varianten nicht sein, da keine von ihnen die damalige Gesellschaftsdynamik abbildet. Vermutlich bräuchte es eine Fußnote in Form eines eigenen Sachbuchs.

In Nolans Film (zumindest der Originalversion) wird dies übrigens sehr elegant gelöst. Antinous bezeichnet sie als "slaves", während Odysseus von "servants" spricht.
Worauf genau beziehst du dich? Also bzg. des alten Testaments. Die Antike ist selbstverständlich ein weitläufiger Zeitraum und umfasst eine Vielzahl an Kulturen, aber Sklaven waren in den meisten gegenüber ihren Besitzern rechtslos, im engeren Sinne gab es bis zu den Römern ja ohnehin keine Vorstellung von sowas wie Rechtsstaatlichkeit. Wurde den Sklaven Gewalt durch dritte angetan, war das Problem nicht der getötete oder vergewaltigte Sklave, sondern das des Besitzers Eigentum beschädigt wurde. Beides Umstände, die man heute absolut mit dem entsprechenden Tatbeständen in Verbindung bringen würde, daher der induktive Schluss vom Mord zum Völkermord. In den Zusammenhang möchte ich einen Literatur Tipp einstreuen, nämlich Penelope und die Zwölf Mägde von Margaret Atwood (The Handmaids Tale), eine feministische Perspektive auf die Odyssee, eine Anklage von Penelope und eine noch viel radikalere durch die Mägde. Die bis auf Melantho, bei Nolan von Mia Goth verkörpert, namenlos bleiben, ein starkes Statement, ist doch die Ilias berühmt dafür das sogar die unbedeutenste Nebenfigur einen Namen erhalten hatte. Odysseus ließ sie durch seinen Sohn brutal bestrafen und hinrichten. (Im Film wird Melantho von Penelope in den Tod geschickt, eine interessante Tatsache meiner Meinung nach) Wie dem auch sei, in den Buch gibt es eine Gerichtsverhandlung, Vorsitzender ist ein Richter aus dem 21. Jahrhundert. Und da wird genau eine moderne Perspektive, einer Verteidigung basierend auf antiken Rechts- bzw. Moralvorstellungen gegenüber gestellt. Außerdem ist die Episode, genauso wie das Buch an sich, immer wieder sehr witzig, wenn z.B. die barbusige Pallas Athene erscheint und der Richter darauf besteht, sie solle sich doch bedecken. (Eine absolute Empfehlung auch die deutsche Hörbuchproduktion, die schon teilweise Hörspiel Charakter annimmt)

An dieser Stelle würde ich gerne wieder direkt zum Film springen, denn Nolan hat sich ja bewusst auf eine weiblich lesbare Übersetzung bezogen, ich würde ihn daher schon den Versuch unterstellen, eine feministische Note in dem Film einzustreuen, die Frage ist inwieweit ihm es gelungen ist, denn Frauenfiguren waren nun wirklich noch nie seine Stärke, auch wenn ich sein Bestreben starke Frauen zu inszenieren durchaus anerkenne, anders als es z.B. Valérie Catil bei der taz tut, deren provokante Artikel ich wage in wesentlichen Teilen zu widersprechen. Die nolanischen Unbeholfenheit gegenüber der Spezies Mensch sorgt aber definitiv für Stolpersteine bzg. seines feministischen Wertes. Witzigerweise tuen die rechten Kulturkämpfer, sofern sie den Film trotz der Identitätspolitik überhaupt schauen, sich genau dort anzudocken, und argumentieren das die Freier (Migranten) das Gastrecht missbrauchen und die sittsamen Frauen bedrängen und schlimmeres, weswegen es nur Recht ist sich abzuschotten.
 
Hab gerade wieder zwei Homerverse in der letzten Lektion gehabt

Πολλοί τοι περὶ ἄστυ μέγα Πριάμοιο μάχοντο // ἥρωες.
Gewiss kämpften viele Helden um die große Stadt des Priamos.

Περὶ ᾽Οδυσσέως· * Πολλῶν δ᾽ ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω.
Über Odysseus: Vieler Menschen Städte sah er und erkannte (ihre/die) Gesinnung.

Im 8. Jh. v. Chr. übernahmen die Griechen ja erst das Alphabet der Phönizier (hebr. Aleph א Bet ב Gimel ג <> Alpha Beta Gamma), das erste was niedergeschrieben wurde ist Homer, es stellt somit die älteste schriftlich fixierte Sprachstufe dar (... im Alphabet; mykenisch Linear B und minoisch Linear A sind ebenfalls griechisch). Die Barden müssen das also schon eine Weile geträllert haben, es ist noch nicht so lange her da war das Auswendiglernen sehr sehr wichtig, insofern will ich an der mündlichen Überlieferung auch über mehrere Jahrhunderte gar nicht zweifeln, dass sie es nicht mit wissenschaftlicher Empirie unserer Tage hatten ist auch klar, also Verfälschungen auftreten.
Über die Seevölker besteht auch in der Fachwelt kein Zweifel, dass es die Völker der Ägäis, die Phönizier der Levanteküste, die Sizilier und Italer waren ebenso, auch wenn nicht alle Völkerbezeichnungen über die uns die Pharaonen berichten eindeutig geklärt sind. In dem Zusammenhang ist uns auch der Begriff Israel zum ersten Mal dokumentiert, der Pharao berichtet in der Merenptah- oder Israel-Stele davon, dass er die Seevölker und alle anderen Völkerschaften in der Umgebung geschlagen und auf ihren Platz verwiesen haben. Die Ägypter verlieren in ihren Aufzeichnungen niemals, auch wenn sie es in Wirklichkeit taten, tatsächlich hatten die Ägypter große Angst vor den Seevölkern.
Jan Assmann nennt den Exodus die "Revolution der Alten Welt". Zwei dutzend Pharaonen mit Namen Mose hatten im Neuen Reich bis an den Euphrat alles unterworfen, Kamose, Ahmose, Thutmose, Wedjmose, Merimose, Amenmose, Ramose.... Ram.ses. In der Amarna-Korrespondez unter Echnaton 14. Jh v. findet man auch den Stadtherrn von Jerusalem:

EA 288 schrieb:
Spr[eche] zum König, meinem Herrn, meinem Sonnengott, eine Botschaft von IR₃-Hebat, deinem Diener. Ich falle zu den zwei Füßen des Königs, meines Herrn, siebenmal und siebenmal.
Siehe, der König, mein Herr, hat seinen Ruf von Osten bis Westen begründet (wörtl. bis zum Aufgang der Sonne und dem Untergang der Sonne).

Für die Historizität vom biblischen Mose und dem Exodus besteht in der Fachwelt hingegen keine annähernd ausreichende Beweislage (sehr gut zB Christian Frevel - Geschichte Israels, 2018). Die Fasti Graeci in meinem Griechischkurs sehen jedoch so aus:
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Der Seevölkersturm jedenfalls ist gesichert, er fegte über das ganze Mittelmeer hinweg und löste den Bronzezeitkollaps aus, alle mykenischen Paläste gingen in Flammen auf, das Reich der Hethiter, Ugarit und viele tausend Städte gingen unter. Die spät-bronzezeitlichen Städte waren im Schnitt deutlich größer als sie das für eine Weile in der Eisenzeit waren.

Schliemann grub ja nicht bloß Troja aus, sondern auch Mykene und gab dort einer Goldmaske den Namen Maske des Agamemnon.

Nach alter Auffassung wurde der trojanische Held Aeneas Stammvater der Römer (nachdem er seinen Samen an Frauen aus allen Kontinenten verteilte, weshalb dem römischen Volk die Veranlangung zur Weltherrschaft innewohne > Dantes Monarchia), sein Enkel Brutus der Stammvater der Briten sowie eine Gruppe um Frankion die sich bei der Flucht vom Zug des Aeneas abspalteten die der Franken und Germanen: Troja wurde als bedeutenste Wende in der Alten Welt verstanden.



Altgriechisch ist eine sehr stark flektierende Sprache, die Beugung ist bei der Deklination bzw Konjugation sehr stark, Augment, Reduplikation, Themavokal, Tempus- & Moduskennzeichen werden nicht bloß eingefügt sondern verändern das Wort durch Kontraktion, Dehnung, Ablaut stark. Bei Homer findet man noch die unkontrahierten Formen (νόος > att. νοῦς), das Umspringen der Quantität fehlt noch (βασιλῆος > βασιλέως), Augment ist fakultativ, u.a.m.
Die Formenlehre ist einer der umfangreichsten Aspekte der altgr. Grammatik die insgesamt noch umfangreicher ist als die von Latein. Latein hat sich aber noch aus der indogermanischen Ursprache den Lokativ und den Ablativ als Kasus erhalten, Griechisch nur den Vokativ, vereinzelt gibt im Lokativ erstarrte Worte, οἴκοι zuhause zB.
Die Grenze zu Altgriechisch wird 1453 Fall von Byzanz gezogen, das sind 2200 Jahre, ursprünglich viele Alphabete und Dialekte, viele Sprachstufen, deshalb wird stets erwähnt, dass man es nicht als eine einzige Sprache betrachten sollte.

Mit persönlich bereitet der dichterische Duktus im altgr. Epos und Lyrik am meisten Probleme, weit mehr als Grammatik, Vokabular ist in allen griechischen Dialekten weitgehend gleich oder ähnlich, die Wortstämme sind bis heute die selben (modernes Gr. hat bloß deutlich veränderte und vereinfachte Grammatik). Gerade die Freiheit die die Dichtkunst von rigider Grammatik erlaubt ist was es für mich schwer macht, andere mag es da genau anders herum ergehen.

Ἱπποκράτους· Βραχὺς ὁ βίος, ἡ δὲ τέχνη μακρά.
 
Zuletzt bearbeitet:
Modernes Gr. hat bloß deutlich veränderte und vereinfachte Grammatik.

Das Neu-Griechische wird auch ziemlich anders ausgesprochen. Das η z. B. wird heute nicht mehr als ē / ä, sondern wie i ausgesprochen.
Dass Sprache grundsätzlich zur Vereinfachung tendiert, kennen wir ja auch vom Deutschen. Spätestens seit dem Einzug der SMS hat sich nochmal vieles verändert, z. B. verzichtet man heutzutage gern mal auf den Artikel. Oder: Beim Deklinieren werden inzwischen Kasusendungen weggelassen, z. B. "Ich höre niemand / den Bär." etc. Das Weglassen von -en ist leider weit verbreitet.

Die Formenlehre ist einer der umfangreichsten Aspekte der altgr. Grammatik, die insgesamt noch umfangreicher ist als die von Latein.

Das stimmt. Das kann man nicht zuletzt auch daran erkennen, dass sich das Griechische ein weiteres Tempus (Aorist) und einen weiteren Modus (Optativ) leistet, was eine sehr differenzierte Beschreibung von Verbalhandlungen erlaubt. Für den Griechen war es enorm wichtig, den Verbalaspekt oder die Aktionsart genau zu formulieren.
Mag auch der Formenbestand des Alt-Griechischen viel umfangreicher als der des Lateinischen sein, ist die Satzstruktur dennoch unserer deutschen ähnlicher. Dafür problematisch: Das Griechische hatte viele regionale Ausprägungen (Dialekte), was wir vom klassischen Latein nicht kennen.

Für diejenigen, die Homer nicht im Original lesen können, ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass das homerische Griechisch eine Kunstsprache ist, die so nie gesprochen, sondern für die Epen "konstruiert" wurde. Sie enthält durchaus Elemente, die man in griechischen Dialekten wiederfinden kann (z. B. wird oft einfach auf das Augment verzichtet, der Rest der Form könnte aber genauso bei Platon auftauchen).
Und ganz spannend am Original ist die formelhafte Sprache, die belegt, dass die Dichtung vorher rein mündlich tradiert und im 8. Jh. zum ersten Mal verschriftlicht wurde. Der Sänger konnte mit diesen formelhaften Versatzstücken während seines Vortrags (primär an Königshöfen) improvisieren. Das bedeutet nichts anderes, als dass die homerischen Epen wohl nur eine, aber nicht die (offizielle) Version dieser Stoffe abbildeten. Aber eine überaus geniale! Die homerischen Epen avancierten sehr schnell zu Klassikern der Literatur und wurden fortan tradiert. Daran kann man ablesen, wie früh die hohe Qualität dieser Dichtungen erkannt wurde. Für mich ist ein Ausdruck der Genialität auch die Tatsache, dass man in der Ilias das Gefühl hat, den zehnjährigen Krieg zu "erleben". De facto sind es gerade mal 51 Handlungstage, in die die Erzählungen vom Krieg eingebettet sind.
Weitere Relikte mündlicher Tradition: Es wurden nicht nur Teile von Versen, sondern ganze Versgruppen wiederholt. Etwas, was wir heute als stilistisch unschön empfinden. Gut zu erkennen ist das z. B. an Botenberichten. Diese wurden 1:1 im Text an anderer Stelle wiederholt.

Homerisches Griechisch bedarf einer gewissen Zeit des Einlesens. Wer heutzutage Deutsch als Fremdsprache lernt, wird eben auch erst ziemlich spät Goethe oder Schiller lesen können - wenn überhaupt. Die dichterische Sprache weicht nun mal von der Prosa sehr stark ab.
 
Das Neu-Griechische wird auch ziemlich anders ausgesprochen. Das η z. B. wird heute nicht mehr als ē / ä, sondern wie i ausgesprochen.
Ja genau, das η lässt sich in den meisten Fällen nicht mehr vom ι unterscheiden, das β und das υ werden in den meisten Worten wie V/F oder W ausgesprochen, so wird der βασιλεύς heute vasilefs ausgesprochen. Der Stamm war sogar ursprüngl. βασιληϝ-, das Digamma ϝ Ϝ oder Waw hebr. ו, phön. 𐤅 war das konsonantische υ (y) > double u (w). 403. v. Chr. wurde das heutige gr. Alphabet für die Gesetze Athens bestimmt, das Digamma fiel im Attischen weg, die Römer hatten das Alphabet von den Etruskern übernommen, die vielleicht aus Kleinasien kamen, dort blieb das Ϝ als F erhalten.
Der Basileus war übrigens einst am mykenischen Hof ein niederer Beamter, genannt qasireu.

Noch vor ein paar Jahren hieß es die Aussprache der klassischen Griechen sei nicht rekonstruiert, heute gibt es die reconstructed Greek pronunciation, dennoch liest man, dass wir deutsche und engl. Sprecher so wie die alten Griechen nicht sprechen können. Wir lernen heute nach wie vor die erasmische Ausprache von Erasmus von Rotterdam aus dem 16. Jh. Wir sprechen heute ja sehr schlampig, den Griechen und Römern war das Sprechen aber eine große Kunst, für die Rhetoren war es fast so wie singen. Die Akzente im Altgr. zeigen keine stärkere Betonung wie bei uns, sondern Tonhöhe, bis zu einer Quint höher für einen Akzent, Steigen und Fallen bei Zirkumflex und nur etwas höher bei Gravis. Die Vokallänge Betonungsstärke soll sich dabei nicht ändern.


Das kann man nicht zuletzt auch daran erkennen, dass sich das Griechische ein weiteres Tempus (Aorist) und einen weiteren Modus (Optativ) leistet, was eine sehr differenzierte Beschreibung von Verbalhandlungen erlaubt.
Außerdem auch Imperativ 3. Ps. und beide auch Plural, und all die vielen Modi und Diathesen in vielen Tempora. 3. Pers. Plural Imperativ Perfekt Mediumpassiv 🤔 kein Problem πεποιθόντων "sie haben zu gehorchen gehabt und müssen nun gehorchen", denn das gr. Perfekt ist kein Vergangenheitstempus, sondern zeigt einen gegenwärtigen Zustand an, der in der Vergangenheit begann. Die Aspektbedeutung ist wie du sagst das wichtigste bei den Tempora, die nicht-indikativischen Modi zeigen überhaupt keine absolute Zeitstufe an (außer beim Futur, das stets zukünftige Bedeutung hat). Bloß wie kriegt man das ins Deutsche? Solche Feinheiten verschwinden im dt. ganz einfach oft.



Was auch leicht Verwirrung stiften kann sind die vielen ähnlichen und gleichen Wortformen, besonders bei kurzen Wörten. εἰμί "sein" und "εἶμι" gehen, oder das Bsp. oben οἴκοι ein undeklinierbar Lokativ als Adverb gebraucht, aber οἶκοι Nom. Pl. von οἶκος dem Haus/Haushalt (inkl. Gründe, Sklaven etc, dagegen fem. ἡ οἰκία speziell die Wohnstätte), aber οἰκοῖ Optativ 3. Sg. Präs. Akt. von οἰκέω be-/wohnen, etc.
 
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