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Kinofilm: Die Odyssee [Christopher Nolan] (2026) [Kino]

  • Werde ich mir anschauen

    Stimmen: 38 43,2%
  • Gesehen, für gut befunden

    Stimmen: 24 27,3%
  • Gesehen, kann man schauen, muss man aber nicht

    Stimmen: 5 5,7%
  • Gesehen, gefällt mir nicht

    Stimmen: 2 2,3%
  • Interessiert mich nicht

    Stimmen: 19 21,6%

  • Umfrageteilnehmer
    88

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Ich glaube der Punkt kam aber nicht von Kumbbl
Das stimmt, ich bezog mich auf diese Art der Kritik in Allgemeinen, dass war nur ein willkürlich aus dem Thread aufgegriffenes Beispiel.
Es ging mir nicht nur um Kumbbis Meinungsäußerung, sondern tatsächlich generell an diese Art der kritischen Auseinandersetzung, die hier vorherrscht, in meinen Augen sollte man das Werk betrachten, was man aus ihm heraus lesen kann und das dann sezieren. Es ist doch z.B. kein valider Kritikpunkt an einer Verfilmung der Odyssee, fehlende Schlachten zu bemängeln, dass gibt die Geschichte doch von sich aus schon nicht her.

Du machst es ja ganz richtig, hast die Anti-Kriegs-Botschaft heraus gearbeitet und argumentierst am Text warum sie deiner Ansicht nach nicht greift
Ist das nicht etwas anmaßend zu fordern, wie die Stoßrichtung einer Kritik zum Film auszusehen hat, damit das Ganze hier Akzeptanz findet? Zu beurteilen, wann eine Filmkritik „richtig gemacht“ ist?! Lieber @Noir020, du könntest nochmal über deinen Satz „Du machst es ja schon ganz ruchtig…“ und die daraus ableitbaren Implikationen nachdenken ….. 😉

Hab ich mit einem Wort die ganzen hier geäußerten positiven Bewertungen dieses Films bewertet oder in Frage gestellt? Ich hab rein an der Sache und rein aus meinem Blickwinkel geurteilt.
Den Schuh zieh ich mir nicht an. ^^ Deine Meinung und Gefühle zu Nolans Odyssee will ich dir nicht streitig machen, ich meinte nur das ich mit dieser Form der Kritk nichts anfangen kann. (Da kannste nichts zu, ist mein Problem) Dabei will ich keine Jubelstürme, sondern lediglich eine Argumentation am Film, so wie er ist und nicht wie man ihn gerne gehabt hätte. Was unse Philosoph wieder zusammengezimmert hat ist z.B. genau das was ich meine. Und in dem Kontext ist der Satz an Monco zu verstehen.

@Il Monco
Du hast Nolan in Verbindung mit nuanciert gebracht, das will ich an dieser Stelle mal im Protokoll vermerkt haben. :biggrin:

Auf deinen eigentlichen Beitrag antworte ich später noch.
 
Jo, Platz 5 in meinem Christopher-Nolan-Ranking. War spitze (wenngleich nicht frei von Schwächen)!

...

Gedanken dazu:

Die "Antikriegsbotschaft" funktionierte für mich allein deswegen, weil der letzte Shot weit über den Krieg als Fanal hinausreicht - er adressiert, über den Krieg, eine Ursünde des zivilisatorischen Regelsystems (die aber nicht durchweg der Krieg in Vollendung sein muss, schließlich hadern die Männer Odysseus' und Odysseus als solcher im Kleinen wie Kleinsten - ich würde es als den Missbrauch von Vertrauen interpretieren).

Man könnte es dem Film negativ und gefühlt ahistorisch auslegen, dass Nolan Oppenheimer im Geiste bloß fortsetzt und ein alternatives historisches Setting findet, um die Genese des instrumentellen Bösen wiederholt zu begründen. Was die Atombombe war, ist nun der Fall Trojas, und verfolgt man (populärhistorisch) die Zivilisationsbrüche der Moderne, landet man von Troja und der Atombombe zwangsläufig irgendwann in Auschwitz, Vietnam und, wenn man will, Abu Ghuraib. Diese "Singularitätslinie", die Zivilisationsbrüche reihum in Beziehung setzt, halte ich für abgegriffen, unterkomplex und dekontextualisierend.

Spannender war für mich der Fall Trojas als vermenschlichte Theodizee: Wenn durch eine (menschliche) Lüge, durch die Vernunft die Geschicke des Westens übergreifend begannen, kam dann (auch), dank eines Menschen, der Zeus ironischerweise überwindet, das Böse in die Welt?

Zumindest sind sich Odysseus und Oppenheimer nicht unähnlich. Männer, die zu einer spezifischen Umbruchszeit "da" sind, Moderne mitgestalten, Moderne gleichermaßen pervertieren, weil sie selbst, Opfer ihrer Erfindung(en), mitgestaltet, mitpervertiert werden. Durch den Film hinweg spürt man abermals diese Trauer der in die Zukunft gerichteten Tat.

Mich berührte Die Odyssee, ich wunderte mich eher, warum Zuschauer emotional gar nicht mitgingen. Am berührendsten war sicher der Heimatkitsch in Gestalt einer Depression: Steuerte Odysseus gezielt Inseln an, um den Weg zu seiner Heimat zu verschleppen? Der Kitsch von Nähe, die Welten trennt. Eine der formal anregendsten Ideen war es, Penelope zu separieren. Man sieht sie hinter einer Wand, hinter einem Schleier, geisterhaft. Bekommt dadurch der Mythos der Penelope eine Form, die unangreifbar, unberührbar sich den Gewalten von Männern aussetzt wie widersetzt, oder entkörperlicht und entsubjektiviert der Krieg den Menschen? Oder bedingt das eine das andere?

Apropos: Zu Jennifer Lames assoziativer Montage meinte ich scherzhaft zu meiner Begleitung, die sich mit den "Anforderungen" der IHK bei eigenen filmischen Projekten einst herumschlug: Der Schnitt wäre von denen rigoros abgelehnt worden, zu "verwirrend", zu wenig continuity editing; tatsächlich dirigiert Lame poetisch durch eine Reihe von Erinnerungsfragmenten in Erinnerungsfragmenten. Christopher Nolans neu hinzugekommene Sinnlichkeit, bei der der Schnitt seine Unsichtbarkeit verliert, gefällt. Mein Lieblingsschnitt: von (menschlichem) Kopf zu (göttlichem) Kopf.

Ich frischte als Vorbereitung Following (1998) wieder auf - ja, die "Kinderkrankheiten" hatte Nolan bereits dort, und sie sollten nie gänzlich kuriert werden. Kinderkrankheiten wie: Subtext zu verbalisieren (Odysseus hält noch einmal einen schweren Monolog an der Wand nahe seiner Frau, das Gedachte und das Gesagte, Text, Subtext und Metatext fallen idiotensicher in eins), eine philosophische Idee grobschlächtig in Genre kippen zu lassen; die Figurenanzahl ist jedenfalls massiv, bei der Nolan hin und wieder Schwierigkeiten hat, bekannten Gesichtern Relevanz zuzuweisen (Mia Goth z.B.), ebenso den Episoden der Odyssee, deren Verweildauer schwankt. Meine Begleitung kam schwer(er) rein, die Expositionsdialoge lähmten. Ich konnte es nachvollziehen.

Leider lässt er nicht locker (mein Lieblingskritikpunkt): Aus Christopher Nolan wird in diesem Leben kein Actionregisseur mehr. Wenn Nolan Action abstrahiert und der Raum während des Sehens vom Publikum selbst hergestellt werden muss (exemplarisch in der Höhle des Zyklopen), dann funktioniert es. Es funktioniert nicht, wenn Nolan direkt das Gefecht gewohnt steif (The Dark Knight Rises), gewohnt zerschnitten (Batman Begins) bebildert.
Glücklicherweise hat er Jennifer Lame und Ludwig Göransson an seiner Seite, die der Erstürmung Trojas einen tickenden Herzschlag-Herzinfarkt-Intensivstation-Bombast verleihen. Schnitt wie Musik sind in dieser Szene am formschömsten aufeinander abgestimmt.
Horror hin oder her (auch ich wünsche ihm einen Horrorfilm) - was Benny Safdie (als antiker Darth Vader), Jon Bernthal und Lupita Nyong'o an dunkelschwülstiger Präsenz, an emotionalem (Narben-)Ornament unter Beweis stellen, hätte möglicherweise den besseren, den noch dunkleren Film ergeben!

Letztlich muss ich Menelaus' Frage aber bejahen - diese Geschichte hat mich bewegt. Statt verkopfter Mathematik (er)findet Christopher Nolan das modernistische, sich seiner Materialität hingebende Erzählkino, bei dem Geschichte in Gegenwart gegossen wird. Wo andere Filmschaffende von einer einzigen Idee ihr Leben lang zehren, finde ich diese Entwicklung, auch oder vor allem durch die künstlerischen Impulse neuer und neuerer Wegbegleiter, beachtlich.
Oppenheimer gab mir mehr zum Denken, Interstellar zum Fühlen. Odysseus hingegen schippert irgendwo zwischen Denken und Fühlen - und dem sicheren, unsicheren Hafen großen verkehrsverunglückten Kinos, zu dem man sich verhalten muss und sollte. {3,5/5 ❤️}
Wow! Ich liebe Deine Besprechungen, Deine Expertise und Deine gelungene Wortwahl. Aber hier bin ich einfach nur geplättet, was Du darin alles findest, siehst, hineininterpretierst. Dafür fehlt mir offenbar der intellektuelle Background. Leider finde ich zu Nolans aktuellem Werk gar keinen Zugang. Im Gegensatz zu den für mich bereits schwer zugänglichen Vorgängern, finde ich DIE ODYSSEE darüber hinaus noch unerwartet banal und bieder inszeniert, die Dialoge schal und einfallslos, nur Mittel zum Zweck, also Informationsvermittlung plus Pathos, ohne Esprit, ohne Witz, ohne Gefühl für Rhythmus und Stimmung, und vor allem ohne Überraschung. Das ist alles so erwartbar, was da über die lange Laufzeit gesprochen wird.

Der Film berührt mich null. Die Szenen sind entweder gedehnt lang (Kirke "welches Schweinderl hätten's denn gern?", oder auch dieses "Einer gegen alle" am Ende - wirklich lächerlich) oder aber dann wieder zu kurz, gehetzt scheinend, die Abenteuer abarbeitend, aber nie "richtig". Es gibt keinerlei rhythmischen Fluss, der einen zu tragen begönne. Somit finde ich auch den von Dir exklusiv gelobten Schnitt misslungen. Die Musik, zu Beginn noch spannend, weil ungewohnt, nervt mit zunehmender Laufzeit und fühlt sich mehr und mehr wie Lärm an, weil sie so inflationär eingesetzt und im Verlauf auch immer weniger passend zum Geschehen scheint, wie etwas, das parallel nebenher läuft. Das Sound Design eher wuchtig als filigran, macht schon einige Punkte, aber zusammen mit der Musik, die ja ihrerseits "sounddesignt", ist das oft des Guten zu viel und zu laut.

Mein wesentliches Problem: Nichts lädt mich hier ein, so tief zu graben wie Du und weitere intellektuelle Ebenen zu entdecken - dafür müsste es schon auf der oberen, direkten, empathischen Ebene irgendetwas geben, dass mich fesselt und begeistert. In drei langen Stunden ist mir jeder der Protagonisten tatsächlich herzlich egal. Ich sehe distanziert zu und beobachte die auch mal durchaus spannenden Geschehnisse, aber „andocken“ im Sinne von mitfiebern, hoffen, bangen, freuen … das will mir nicht gelingen. Der Hund, der im Film nur eine kleine Rolle spielt, ist letztlich der einzige, der mir für ein paar Sekunden zu Herzen geht.
Ich stimme diesen äußerlichen Kritikpunkten und IMHO auch handwerklichen Unzulänglichkeiten absolut zu. Das ist umso ärgerlicher, weil mir natürlich trotz meines zunehmenden Ärgers das unterschwellig spannende des Nolan-Ansatzes nicht verborgen blieb:

Wenn, WENN Nolan ein visuell karges Kanmerspiel hätte inszenieren wollen, quasi um auch äußerlich der inneren Reise von Odysseus zu sich selbst Ausdruck zu verleihen, dann hätte er das konsequent tun können und sollen - und nicht so eine krude Mischung aus nix und den (gescheiterten) Versuchen, Blockbuster-Vibes bei einem visuell asketischen Kammerspiel zu erzeugen … man könnte die Odyssee durchaus provokant ganz anders erzählen und darstellen, aber daran hat sich der gute Nolan IMHO komplett verhoben …

Denn generell fand ich den Ansatz wurkoch nicht unspannend:
Die eigentliche Heimkehr ist bei Noman ja nicht geografisch, das merkt man auch ohne psychologischen Grundkurs recht schnell. Ithaka ist nicht das Ziel. Der Mensch O, der in ithaka ankommt, muss erst wieder föhig werden, dort zu leben.

Das ist zwar psychologischer gedacht als bei Homer (so weit waren die damals noch nicht 😉), der eher die unverrückbarkeit der göttlichen Ordnung und die Sinnlosigkeit, sich dieser wie O widersetzen zu wollen, ausdrücken wollte - widerspricht dem homerischen Epos aber auch nicht grundsätzlich. Nolan verschiebt eigentlich nur geschickt den Akzent von der äußeren auf die innere Heimkehr…

Homer erzählt eine Geschichte übwr die Ordnung der Welt. Nolan erzählt eine Geschichte über die Psychologie eines Menschen traumatiseirten Menschen

Bei Homer lautet die Frage: Wie finde ich meinen Platz im Kosmos? Bei Nolan: Wie finde ich nach dem krieg wieder zu mir selbst? Vor allem, da der Krueg durch meine Schuld gewonnen wurde - und ein Stadt komplett im blutbad vernichtet.

Nolan verschiebt also den Schwerpunkt von göttlicher Ordnung und homerischer List hin zu Trauma, Schuld und trotz dieser wieder zu sich selbst und zur eigenen inneren Heimar zu finden, zu seinem inneren Ithska.

Aber diese im Kern interessante Botschaft wird eben leider für mich absolut desaströs und komplett uninspiriert umgesetzt, und deswegen war mir das gestern kein Wort wert in meiner Rezi - zumindest war es mir das nicht gestern in meinem frischen Filmärger 😉

Und wenn jemand eine an sich gute Idee handwerklich so mau umsetzt und such statt dessen im Dauer-Posing seines elitären 70mm Gedöhns suhlt (ein Gedöhns, das 99% der Zuschauer niemals nutzen können, und deswegen reiner Selbstzweck bleibt), dann macht das nen Film in meinen Augen nur noch schlechter.
 
Ich möchte übrigens an dieser Stelle mal als unaufgeregten Gegenentwurf zu Nolans Film "Rückkehr nach Ithaka" von 2024 ins Spiel bringen. Eine ganz hervorragende Verfilmung der zweiten Odyssee-Hälfte. Vielleicht kennt ihn ja jemand von euch schon.

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Link: https://youtu.be/bUSiWmuqg78?is=D6hvVpPNwykGWqch

"Gegenentwurf" trifft es natürlich nicht recht, denn Pasolinis Film war zuerst da.

Für die, denen Nolan zu bombastisch, pompös und zu laut war.
 
Jo, Platz 5 in meinem Christopher-Nolan-Ranking. War spitze (wenngleich nicht frei von Schwächen)!

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Die "Antikriegsbotschaft" funktionierte für mich allein deswegen, weil der letzte Shot weit über den Krieg als Fanal hinausreicht - er adressiert, über den Krieg, eine Ursünde des zivilisatorischen Regelsystems (die aber nicht durchweg der Krieg in Vollendung sein muss, schließlich hadern die Männer Odysseus' und Odysseus als solcher im Kleinen wie Kleinsten - ich würde es als den Missbrauch von Vertrauen interpretieren).

Man könnte es dem Film negativ und gefühlt ahistorisch auslegen, dass Nolan Oppenheimer im Geiste bloß fortsetzt und ein alternatives historisches Setting findet, um die Genese des instrumentellen Bösen wiederholt zu begründen. Was die Atombombe war, ist nun der Fall Trojas, und verfolgt man (populärhistorisch) die Zivilisationsbrüche der Moderne, landet man von Troja und der Atombombe zwangsläufig irgendwann in Auschwitz, Vietnam und, wenn man will, Abu Ghuraib. Diese "Singularitätslinie", die Zivilisationsbrüche reihum in Beziehung setzt, halte ich für abgegriffen, unterkomplex und dekontextualisierend.

Spannender war für mich der Fall Trojas als vermenschlichte Theodizee: Wenn durch eine (menschliche) Lüge, durch die Vernunft die Geschicke des Westens übergreifend begannen, kam dann (auch), dank eines Menschen, der Zeus ironischerweise überwindet, das Böse in die Welt?

Zumindest sind sich Odysseus und Oppenheimer nicht unähnlich. Männer, die zu einer spezifischen Umbruchszeit "da" sind, Moderne mitgestalten, Moderne gleichermaßen pervertieren, weil sie selbst, Opfer ihrer Erfindung(en), mitgestaltet, mitpervertiert werden. Durch den Film hinweg spürt man abermals diese Trauer der in die Zukunft gerichteten Tat.

Mich berührte Die Odyssee, ich wunderte mich eher, warum Zuschauer emotional gar nicht mitgingen. Am berührendsten war sicher der Heimatkitsch in Gestalt einer Depression: Steuerte Odysseus gezielt Inseln an, um den Weg zu seiner Heimat zu verschleppen? Der Kitsch von Nähe, die Welten trennt. Eine der formal anregendsten Ideen war es, Penelope zu separieren. Man sieht sie hinter einer Wand, hinter einem Schleier, geisterhaft. Bekommt dadurch der Mythos der Penelope eine Form, die unangreifbar, unberührbar sich den Gewalten von Männern aussetzt wie widersetzt, oder entkörperlicht und entsubjektiviert der Krieg den Menschen? Oder bedingt das eine das andere?

Apropos: Zu Jennifer Lames assoziativer Montage meinte ich scherzhaft zu meiner Begleitung, die sich mit den "Anforderungen" der IHK bei eigenen filmischen Projekten einst herumschlug: Der Schnitt wäre von denen rigoros abgelehnt worden, zu "verwirrend", zu wenig continuity editing; tatsächlich dirigiert Lame poetisch durch eine Reihe von Erinnerungsfragmenten in Erinnerungsfragmenten. Christopher Nolans neu hinzugekommene Sinnlichkeit, bei der der Schnitt seine Unsichtbarkeit verliert, gefällt. Mein Lieblingsschnitt: von (menschlichem) Kopf zu (göttlichem) Kopf.

Ich frischte als Vorbereitung Following (1998) wieder auf - ja, die "Kinderkrankheiten" hatte Nolan bereits dort, und sie sollten nie gänzlich kuriert werden. Kinderkrankheiten wie: Subtext zu verbalisieren (Odysseus hält noch einmal einen schweren Monolog an der Wand nahe seiner Frau, das Gedachte und das Gesagte, Text, Subtext und Metatext fallen idiotensicher in eins), eine philosophische Idee grobschlächtig in Genre kippen zu lassen; die Figurenanzahl ist jedenfalls massiv, bei der Nolan hin und wieder Schwierigkeiten hat, bekannten Gesichtern Relevanz zuzuweisen (Mia Goth z.B.), ebenso den Episoden der Odyssee, deren Verweildauer schwankt. Meine Begleitung kam schwer(er) rein, die Expositionsdialoge lähmten. Ich konnte es nachvollziehen.

Leider lässt er nicht locker (mein Lieblingskritikpunkt): Aus Christopher Nolan wird in diesem Leben kein Actionregisseur mehr. Wenn Nolan Action abstrahiert und der Raum während des Sehens vom Publikum selbst hergestellt werden muss (exemplarisch in der Höhle des Zyklopen), dann funktioniert es. Es funktioniert nicht, wenn Nolan direkt das Gefecht gewohnt steif (The Dark Knight Rises), gewohnt zerschnitten (Batman Begins) bebildert.
Glücklicherweise hat er Jennifer Lame und Ludwig Göransson an seiner Seite, die der Erstürmung Trojas einen tickenden Herzschlag-Herzinfarkt-Intensivstation-Bombast verleihen. Schnitt wie Musik sind in dieser Szene am formschömsten aufeinander abgestimmt.
Horror hin oder her (auch ich wünsche ihm einen Horrorfilm) - was Benny Safdie (als antiker Darth Vader), Jon Bernthal und Lupita Nyong'o an dunkelschwülstiger Präsenz, an emotionalem (Narben-)Ornament unter Beweis stellen, hätte möglicherweise den besseren, den noch dunkleren Film ergeben!

Letztlich muss ich Menelaus' Frage aber bejahen - diese Geschichte hat mich bewegt. Statt verkopfter Mathematik (er)findet Christopher Nolan das modernistische, sich seiner Materialität hingebende Erzählkino, bei dem Geschichte in Gegenwart gegossen wird. Wo andere Filmschaffende von einer einzigen Idee ihr Leben lang zehren, finde ich diese Entwicklung, auch oder vor allem durch die künstlerischen Impulse neuer und neuerer Wegbegleiter, beachtlich.
Oppenheimer gab mir mehr zum Denken, Interstellar zum Fühlen. Odysseus hingegen schippert irgendwo zwischen Denken und Fühlen - und dem sicheren, unsicheren Hafen großen verkehrsverunglückten Kinos, zu dem man sich verhalten muss und sollte. {3,5/5 ❤️}
Ich musste für diverse Fachbegriffe mehrmals Google bemühen, danke dafür. (Und bitte stelle deine Rezensionen auch auf letterboxd, die Nachwelt wird es dir danken.)
 
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Link: https://x.com/CoreyAtad/status/2081715975775268984?s=20

Eine Überraschung sollte das nicht sein. Emily Wilson ist eine Altphilologin, die Homer neu ins Englische übersetzt hat. Es hätte mich gewundert, wenn sie etwas Positives daran gefunden hätte. Irgendwie verhält sich der Literaturbetrieb zum Filmgeschäft wie Hund und Katze.
there are no sex scenes and all the food looks horrible
:14:
 
  • Cremig
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