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Die Existenz der kürzeren Fassung trotz Tarantinos Recht auf Final Cut ist kein Indiz dafür, dass das seine bevorzugte Fassung ist, sondern einfach nur dafür, dass er sich darüber im Klaren ist, dass sein Film auch eine Ware ist und er eine Verpflichtung gegenüber seinen Geldgebern hat, die eine kommerzielle Erwartung haben und die er zu befriedigen hat, wenn er auch weiterhin Filme drehen will. Mal davon abgesehen, dass sein finanzieller Verdienst auch maßgeblich vom Erfolg der Auswertung abhängig ist. Er hat die kürzere Schnittfassung aus wirtschaftlichen Überlegungen oder Zwängen heraus erstellt.Wo willst du denn erkennen, dass ich behaupte die US-Fassung wäre zweifelsfrei Tarantios bevorzugte Fassung?
Ich schrieb
Denn genau das ist die Referenz, ob es der vom Regisseur angestrebte Fassung ist, spielt dabei keine Rolle. Ob das bei Kill Bill die Kinofassung oder der Japan-Cut ist, da kann man sich drüber streiten. Das kann sich ja über die Jahre auch wandeln, nicht selten in der Filmbranche (James Cameron, George Lucas, Wong Kar-Wai ect.) Evt. ist es nun The Whole Bloody Affair, vielleicht auch nicht. Und was ein als Konsument am besten gefällt, ist dann nochmal was ganz anderes.
Darüber hinaus hab ich meine Meinung dahingehend geäußert, dass ich die US-Fassung künstlerisch gelungener empfinde. Und die Vermutung, dass es auch die bisher von Tarantio bevorzugte Fassung sei, der Japan-Cut ein Dankeschön an den japanischen Film, aufgrund der Tatsache, dass Tarantio den Cut nur dem japanischen Markt bedient hat und international eben nicht. Was ja ohne Probleme möglich gewesen wäre. Wo du da nun den Absolutheitsanspruch meinerseits sehen willst, musst du bei Gelegenheit nochmal erklären.
Nein, keine Wortklauberei, sondern einfach präzise Sprache. Lese dir die Definition von Zensur nochmal in Ruhe durch. Dann merkst du selbst, dass kürzen ungleich Zensur ist. Filmproduktion laufen in Regel so ab: (Achtung, vereinfacht) Produzent X will beispielsweise einen Film produzieren, der sich an Jugendliche richtet, also geht er zu Regisseur Y, einen Film drehen. Oder Regisseur Y oder Drehbuch Autor Z wenden sich mit einer Idee an Produzent X. Wie rum auch immer, Produzent X treibt Geld auf und investiert es in die Produktion. Konzept, Drehbuch, Casting, Dreh und dann kommt die Arbeit im Schnittraum. Und dort entsteht der Film, es gibt zahlreiche Schnittfassungen und es wird hin und her montiert. Dann gibt es ggf. Testvorführungen und dann wird weiter rangiert. Irgendwann fällt dann der Final Cut an, es gibt Regisseure die das Recht auf den Final Cut zugesprochen bekommen, in der Regel gilt das Recht aber dem Produzenten bzw. Studio. (Tarantio gehört zu diesen Regisseuren, ein weiterer Hinweis darauf, dass die Kinofassung seine bevorzugte Fassung ist) Und genau das ist die Fassung, die ins Kino kommt und. Und damit die Referenz. Punkt. Also ein stinknormaler Prozess und nirgends gibt es einen staatlichen oder vergleichbar einflussreichen Akteur, der irgendeinen Beteiligten dazu genötigt hätte, eine dieser Entscheidungen zu treffen. Ergo keine Zensur!
Dein Beispiel mit Kondom des Grauens ist perfekt dafür geeignet, ein Eingriff seitens des Studios in den künstlerischen Prozess, aber eben keine Zensur. (Major)Filmproduktionen sind in erster Instanz eben ein Geschäft und erst in Zweiter möglicherweise Kunst.
Wenn diese Fassung seine bevorzugte wäre, wofür hat er die erweiterten, expliziteren Szenen dann nicht nur nur gedreht (es sind ja keine Handlungspassagen o.ä., bei denen man unter Umständen erst im Schnitt bemerkt, dass sie nicht funktionieren, unnötig oder zu lang sind etc.), sondern dann auch eine Schnittfassung erstellt, die diese enthält? Er wird wohl kaum dazu gezwungen worden sein, für einen wirtschaftlich in Relation eher zu vernachlässigenden Markt wie Japan eine extra Schnittfassung zu erstellen (was auch wiederum dem Final-Cut-Recht widersprechen würde).
Ich würde eher argumentieren, dass er sich den Gag mit der speziellen Fassung für Japan nur ersonnen hat, um seine Wunschfassung in Umlauf bringen zu können, OHNE dadurch gleichzeitig die Int. Fassung abzuwerten, zu der er sich indirekt gezwungen sah.
Wie schon mal geschrieben, ist auch bekannt, dass er in seinem öffentlichen Kino, dem New Beverly Cinema in L.A., (auch) die Uncut-Fassung (ja, ich nenne sie so) aufführen lässt. Warum sollte er das tun, wenn er auch einfach die kürzere, „von ihm bevorzugte“ Fassung zeigen kann?
