Naja, das was ich bereits aufgeführt habe? Emily Brontë schockierte mit ihrem Roman seinerzeit ja auch, brach mir Konventionen, der gänzlich verschieden aufgenommen. Humanistische, marxistisch, feministisch, intellektuelle, liberale Lesarten, aber auch von konservativer Seite hervorgehoben aber noch vielmehr zerissen. Ein äußerst provokantes Stück Literatur, was ja auch die spätere Rezeptionsgeschichte bestätigt.
Emerald Fennel versteht sich als Feministin, in ihren Filmen erlebt man immer wieder das Brechen mit Geschlechterrollen. Eine freie Adaption eines derart beliebten Stoffes ist an sich schon ein Statement für den freien Ausdruck und gegen Konventionen, man kann das natürlich als "Verrat" am Text betrachten, aber ich sehe da mehr sich in die Tradition Brontë stellen, eine neue feministische Perspektive finden. Und das geschieht zum einen die Reduzierung des Mannes als Objekt, sprich die Umkehr der Rolle die die Frau allzu oft einehmen musste, sowie niederer Gelüste. Das wird bereits in der ersten Einstellung deutlich, mit dem errigierten Penis und den vermeintlichen Masturbationsgeräuschen. Außerdem zelbriert sie die Sexualität als natürliches Bedürfnis der Frau, Sex aus Leidenschaft, entgegen gesellschaftlicher Tabuisierung oder dem zerstörerischen Klischee Vorurteil eine Femme Fatale. Die einzige halbwegs positiv gelesene männliche Figur ist der Stallbursche, der die Bedienste ihr masochistisches Verlangen zugesteht, ohne sie als Mensch zu erniedrigen. Weibliche masochistische Fetische werden in einigen radikal-feministischen Auslegungen regelrecht als induzierte Misogynie verpöhnt, das sehe ich als auch als provokante Spitze in die eigenen Reihen. Auch der ethische Switsh des Heathcliff find ich spannend und lese es als Kritik an das koloniale Weltbild, dem Schwarzen als Verkörperung der Niedertracht. Der Film ist dabei zu keiner Sekunde subtil, aber den Ansatz der Provokation und trotz aller Abweichung des Verständnis des Textes kann man ihm nicht aberkennen.