Ich glaube Du verlangst hier etwas zu viel. Die Serie hat vor allem den Anspruch zu unterhalten und das schafft sie vorzüglich, jedenfalls bei mir.
Das sei dir unbenommen.
Pluribus lädt aber doch förmlich dazu ein, dass man sie diskutiert, die Serie atmet verklausuliert Zeitgeist (Social Distancing), spielt mit Genrewissen ("Körperfresser") und illustriert, überhaupt, (freiwillige/unfreiwillige) Isolation inmitten stillgelegter Produktionsprozesse. Man wird sehen, wohin das führt. Stand jetzt ist sie aber mMn - trotz jener Probleme, die ich mit ihr habe - am Puls der Zeit. Genug Stoff zum Diskutieren, Interpretieren etc. Nichts anderes machen wir. Das ist der Sinn eines Film- und Serienforums.
Guck' dir unbedingt beide Serien an!
Dazu muss man aber fairerweise auch erwähnen, dass das Thema Isolation erst ab Folge 4 in den Focus rückt. Die Folgen 1 - 3 behandeln die Ankunft, die neue Situation, die anderen 12 Individuen und Carols Versuch, die Anderen auszutricksen.
Erst ab Folge 4 ist Carol alleine, nimmt aber während dessen ihre Tapes auf, findet die "Nahrung" der Anderen, und fährt nach Las Vegas, dazwischen gibt es eine Folge, die sich quasi komplett um Manousos dreht. Genug Stoff also für den Zuschauer, auch andere Situationen zu erkunden. Ab Folge 8 kommen dann auch schon die Anderen zurück. Bei Dir hört es sich so an, als wenn man Carol 9 Folgen dabei beobachtet, wie sie alleine umherirrt. Für mich war diese Mischung sehr unterhaltsam und Carols Einsamkeit lang genug im Focus, um mit ihr fühlen zu können.
Absolut fair! Was die direkten erzählerischen Verschiebungen angeht, hast du Recht. Was allerdings die übergeordneten Motive angeht, gleicht sich, finde ich, vieles und geht als Echo ineinander über. Ich habe es mit dem Zusammenspiel von "Mensch, Architektur und Wüste" umschrieben, das zwar Verschiebungen erfährt, aber stets einen ähnlichen Ton(fall) beibehält.
Ob Carol in der Air Force One am Meeting teilnimmt, ohne am Meeting teilzunehmen (sie sitzt der Gruppe konfrontativ gegenüber, ihr wird allenfalls widerwillig zugehört; wiederum repliziert beim anschließenden Mittagessen), jemanden trifft, ohne ihn zu treffen (ein menschenleeres, überhaupt nicht mehr "volles" Las Vegas verstärkt den Grad an Entfremdung), ihre Einkäufe in einem eigens für sie simulierten Supermarkt erledigt oder später vermehrt den Tod ihrer Agentin betrauert - Objekte (wie deren Grab), Häuser, Räume, Architektur, Menschen(ansammlungen): Dies alles spiegelt Carols psychologische Situation.
Schön und gut. Aber darin filmisch auch sehr, sehr "transparent" und "redundant", ohne das Publikum auch einmal zu irritieren und/oder andere Töne auszuprobieren. Eben eine "Nummernrevue der immergleichen Bilder und Praktiken".
Da "passt" es, dass die Serie anscheinend besessen zu sein scheint von Carols knarziger Drei-Tage-Regenwetter-Attitüde bis zur völligen Infantilisierung, aus mehr Facetten besteht diese Figur anfangs nicht (und Manousos hält lediglich als ihr männliches Spiegelbild her, viel mehr "Fleisch" hat der genauso wenig).
Konzeptionell hätte ich von der neuen "Gilligan-Serie", die unter Apple künstlerische wie finanzielle Narrenfreiheit genoss/genießt (?), ich gebe es ehrlich zu, mehr erwartet.
Das kann ich kaum glauben, wenn ich Deine Kritik lese, die quasi kein gutes Haar an der Serie lässt.
Platt gesprochen: Die Neugier, in welche Richtungen sie die Serie entwickeln, ist groß. Aktuell kann ich mir vieles, aber auch wenig (für mehrere Staffeln!) vorstellen. (Ich breche auch ungern Serien ab, bei denen ich finde, dass Hopfen und Malz noch nicht gänzlich verloren sind.)