Good Boy hat mich wirklich überrascht. Ein Horrorfilm, erzählt aus der Sicht eines Hundes – klingt erstmal nach Gimmick, ist aber ein verdammt cleverer Ansatz. Der gesamte Film ist aus Froschperspektive gefilmt, also auf Augenhöhe des Hundes. Keine POV-Spielerei, kein GoPro-Trick – einfach alles aus seiner Sicht, konsequent und glaubwürdig. Das verleiht dem Ganzen eine ungewohnte Intensität, weil man als Zuschauer nie die volle Übersicht hat. Man sieht, was der Hund sieht – und das reicht völlig, um Gänsehaut zu bekommen.
Dialoge gibt es nur sporadisch, vieles wird über Musik, Atmosphäre und Körpersprache erzählt. Genau das macht den Film so stark. Statt Schockeffekten setzt Good Boy auf Stimmung, und die ist teilweise richtig beklemmend. Man fühlt sich, als wäre man selbst im Haus, verloren zwischen seltsamen Geräuschen und flackerndem Licht.
Der Clou: Der Hund ist kein trainierter Filmhund, sondern der echte Hund des Regisseurs – und er liefert unglaublich ab. Authentisch, natürlich, ohne jede Überinszenierung. Gerade weil er nicht dressiert wirkt, glaubt man ihm jede Regung, jedes Zögern, jedes leise Winseln. Nach dem Film gab’s ein kurzes Making-of, das zeigte, wie vertraut das Tier-Team-Verhältnis war – und dass genau das die emotionale Wucht des Films erklärt.
Besonders interessant fand ich, dass der Film bewusst offenlässt, was hier eigentlich passiert. Ist das Haus wirklich verflucht – oder reagiert Indy, der Hund, nur auf die Krebserkrankung seines Herrchens? Diese Ungewissheit ist der eigentliche Horror. Der Film zwingt einen, die Angst des Tieres zu deuten, ohne zu wissen, ob sie übernatürlich oder zutiefst menschlich ist.
Was mir außerdem gefallen hat: Good Boy ist angenehm kurz. Keine Längen, kein unnötiger Ballast, keine überzogenen Jumpscares. Die Laufzeit verging wie im Flug, und als der Abspann kam, dachte ich: „Das war rund. Bitte kein Sequel.“ Der Film steht für sich – ein stiller, ungewöhnlicher Horrorfilm, der beweist, dass man mit einer simplen Idee, einer starken Perspektive und einem verdammt guten Hund etwas wirklich Besonderes schaffen kann.
Und ja, Indy sieht den Abspann des Films.