Der Tod der Freier durch Odysseus Hand ist erstmal der Klimax im Epos, dass hätte man in seiner Gänze unmöglich verändern können. Im Detail hat man es aber sehr wohl, Odysseus sieht in den Freiern eine direkte Bedrohung für Penelope und seinen Sohn, als auch das Spiegelbild seiner selbst, die Vertreter der Völker zu See, die Perversion der Zivilisation. Es steht also nicht seinen Selbstbild als Kriegsverbrecher im Wege, sondern ist mit ihm in Einklang, denn gerade in Antinoos sieht er seine eigene Hinterlist, dem Keim seiner antiken Atombombe, dem Ende Trojas als Symbol für das Ende des mykenischen Zeitalter. Die Anlogie über Oppenheimer zur Gegenwart ist kaum zu übersehen und im intertextuellen Austausch zwischen Oppenheimer und Die Odyssee, gewinnen beide Filme in meinen Augen nochmal deutlich.
Ich hab in meinen ersten niedergeschriebenen Gedanken ja noch das Ende kritisiert, die buchstäbliche Fahrt in den Sonnenuntergang. Ich hab auf das Ende bei der Zweitsichtung nochmal genau drauf geachtet, es wirkt im Gegensatz zu den naturalistischen Gegenwartsaufnahmen überstrahlt, beinahe luizide. Wenn man meinen Gedanken der Irrfahrten als post-traumatische Bewältigungsstrategie folgt, dann kann man auch im Ende eine Todeserfahrung sehen, ein sanftes Entgleiten Odysseus aus dem Leben in den Armen von Penelope. Eine Uneindeutigkeit, ein Rückgriff auf Cobbs Kreisel. Und damit die vollendete Dekonstruktion der Heldenreise, anhand eines prototypischen Stoff eben jener. Finde ich schon meisterhaft. Damit ist der von
@leeloo angestellte Vergleich mit Dune auch sehr passend, nicht nur als Vertreter verschiedener Ausprägungen der Phantastik. (Aber diesbezüglich haben die Internet Detektive ja ohnehin ein Cinematic Universe ausgerufen. 🤣)