grauer-pilger
auf Reisen
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Ich habe die reguläre Kinovorstellung gesehen - Bildformat übrigens 1,85:1, wie ich feststellen konnte. In der Hinsicht hat er auch super funktioniert, auch wenn da zu 1,43:1 noch Einiges fehlt. 
Generell wundert mich allgemein der Tenor in Presse und Foren, daß man es mit einem Blockbuster zu tun habe, der episch seine Geschichte erzähle. Nun, er ist typisch Nolan - aber mir kommt Die Odyssee eher wie ein aufwendig gedrehtes Abenteuer-Drama vor. Wie es zu erwarten war, bleibt Nolan seiner nichtlinearen Erzählweise treu, was jedoch schon die Vorlage beinhaltete, verbindet aber ein eigenes dramaturgisches Konzept, was selbst den Schnitt einbezieht. Die Handlung wird oft durch innere Monologe getragen, die jedoch immer wieder durch Einschübe aus der Erinnerung unterbrochen werden, aber zum Verständnis der fortschreituenden Handlung wichtig sind. Praktisch alle Episoden von Troja bis zum Stranden an Kalypsos Insel sind so eingebunden, wobei sie dabei nicht immer zwingend chronologisch angeordnet sind. Diese leicht essayistisch angehauchte Erzählweise gibt dem Film eine sehr eigene Note, und selbst wenn die Handlung auf den Höhepunkt in Odysseus' Palast zusteuert, bricht sie immer wieder die Kontinuität durch eingeschobene Episoden auf. Nolan hat seinen finalen dramaturgischen Kniff bis zuletzt aufgehoben und bietet eine Sichtweise an, die sicherlich eher für unsere moderne Zeit gilt, anstatt daß es als die Wiedergabe der Weltanschauung der damaligen Griechen gelten könnte. Nur: damit hat Nolan aber schon mehr Substanz hereingebracht als es in anderen Odyssee-Verfilmungen bisher zu erkennen war. Insofern ist das ein bemerkenswerter Film.
Doch auch er verändert manche Episoden drastisch, zumal ja nur eine Auswahl aus der Odýsseia verwendet wurden. Der Zyklop Polyphem spricht kaum ein Wort, die Riesen in ihren Rüstungen (die Laistrygonen) haben eine ganz andere optische Wirkung, und der konkrete Umgang mit den Göttern wird auf Athene beschränkt. Das ist jene übliche Freiheit, die sich Filmemacher immer wieder genommen haben, zumal man letztendlich filmischen Konzepten folgen muß, um ein überzeugendes Filmwerk zu schaffen.
Visuell ist Die Odyssee einfach grandios: die vielen echten Drehorte, das gezielt eingesetzte CGI und die Kostüme verbinden sich zu einem ganz eigenen Stil, der gewiß nicht authentisch griechisch ist, aber ein Alleinstellungsmerkmal kreiert. Und obwohl der Film fast immer zu einem realistischen Look neigt, läßt er manche Ausnahmen zu: Agamemnon ist reine Stilistik - eine lebende Statur mit blanker wuchtiger Rüstung, die niemals als reale Figur gedacht war, aber die Übermächtigkeit seines bisherigen Einflusses auf Odysseus zeigt. Die Riesen bleiben anonym und haben durch ihre schiere Präsenz etwas Übermächtiges. Dagegen wirken die anderen Hauptfiguren recht menschlich und nahe, ihre Aura schon fast zerbrechlich.
Nolan setzt also verschiedene Schwerpunkte je nach Charakter und Episode, wodurch er einer ganz eigenen Ästhetik folgt: kühl, dunkel, manchmal grau, manchmal rotbraun, aber immer erdig und leicht dreckig. Das hier ist nicht das ausgeprägte Technicolor von Die Fahrten des Odysseus (1954) oder das mystische Eastmancolor von Pasolinis Medea (1969) - es bekommt eine ganz eigene visuelle Kraft mit großangelegten Landschaftsaufnahmen und subtilen Nahaufnahmen der leidenden Charaktere.
Der Schnitt ist dabei die Klammer, die alles zusammenhält: konzentriert, manchmal rhythmisch, auf die wichtigsten Ausschnitte getrimmt, dabei immer auf den Kern fokussiert, erweist sich Jennifer Lames Arbeit als perfektes Instrument, um das "Essay" Die Odyssee zu einer kurzweiligen Erzählung zusammenzufügen. Der Film hätte mühelos doppelt so lang sein können, doch so wie jetzt destilliert er sich zu einer hochprozentigen Sichtung, die hohe Aufmerksamkeit erfordert.
Nolan gelingt ein wuchtiges Epos mit eigenwilliger Struktur und überragender Technik, welches sich dem Stoff auf ungewöhnliche Weise nähert. 8/10 (mit Tendenz zu 9/10)

Generell wundert mich allgemein der Tenor in Presse und Foren, daß man es mit einem Blockbuster zu tun habe, der episch seine Geschichte erzähle. Nun, er ist typisch Nolan - aber mir kommt Die Odyssee eher wie ein aufwendig gedrehtes Abenteuer-Drama vor. Wie es zu erwarten war, bleibt Nolan seiner nichtlinearen Erzählweise treu, was jedoch schon die Vorlage beinhaltete, verbindet aber ein eigenes dramaturgisches Konzept, was selbst den Schnitt einbezieht. Die Handlung wird oft durch innere Monologe getragen, die jedoch immer wieder durch Einschübe aus der Erinnerung unterbrochen werden, aber zum Verständnis der fortschreituenden Handlung wichtig sind. Praktisch alle Episoden von Troja bis zum Stranden an Kalypsos Insel sind so eingebunden, wobei sie dabei nicht immer zwingend chronologisch angeordnet sind. Diese leicht essayistisch angehauchte Erzählweise gibt dem Film eine sehr eigene Note, und selbst wenn die Handlung auf den Höhepunkt in Odysseus' Palast zusteuert, bricht sie immer wieder die Kontinuität durch eingeschobene Episoden auf. Nolan hat seinen finalen dramaturgischen Kniff bis zuletzt aufgehoben und bietet eine Sichtweise an, die sicherlich eher für unsere moderne Zeit gilt, anstatt daß es als die Wiedergabe der Weltanschauung der damaligen Griechen gelten könnte. Nur: damit hat Nolan aber schon mehr Substanz hereingebracht als es in anderen Odyssee-Verfilmungen bisher zu erkennen war. Insofern ist das ein bemerkenswerter Film.
Doch auch er verändert manche Episoden drastisch, zumal ja nur eine Auswahl aus der Odýsseia verwendet wurden. Der Zyklop Polyphem spricht kaum ein Wort, die Riesen in ihren Rüstungen (die Laistrygonen) haben eine ganz andere optische Wirkung, und der konkrete Umgang mit den Göttern wird auf Athene beschränkt. Das ist jene übliche Freiheit, die sich Filmemacher immer wieder genommen haben, zumal man letztendlich filmischen Konzepten folgen muß, um ein überzeugendes Filmwerk zu schaffen.
Visuell ist Die Odyssee einfach grandios: die vielen echten Drehorte, das gezielt eingesetzte CGI und die Kostüme verbinden sich zu einem ganz eigenen Stil, der gewiß nicht authentisch griechisch ist, aber ein Alleinstellungsmerkmal kreiert. Und obwohl der Film fast immer zu einem realistischen Look neigt, läßt er manche Ausnahmen zu: Agamemnon ist reine Stilistik - eine lebende Statur mit blanker wuchtiger Rüstung, die niemals als reale Figur gedacht war, aber die Übermächtigkeit seines bisherigen Einflusses auf Odysseus zeigt. Die Riesen bleiben anonym und haben durch ihre schiere Präsenz etwas Übermächtiges. Dagegen wirken die anderen Hauptfiguren recht menschlich und nahe, ihre Aura schon fast zerbrechlich.
Nolan setzt also verschiedene Schwerpunkte je nach Charakter und Episode, wodurch er einer ganz eigenen Ästhetik folgt: kühl, dunkel, manchmal grau, manchmal rotbraun, aber immer erdig und leicht dreckig. Das hier ist nicht das ausgeprägte Technicolor von Die Fahrten des Odysseus (1954) oder das mystische Eastmancolor von Pasolinis Medea (1969) - es bekommt eine ganz eigene visuelle Kraft mit großangelegten Landschaftsaufnahmen und subtilen Nahaufnahmen der leidenden Charaktere.
Der Schnitt ist dabei die Klammer, die alles zusammenhält: konzentriert, manchmal rhythmisch, auf die wichtigsten Ausschnitte getrimmt, dabei immer auf den Kern fokussiert, erweist sich Jennifer Lames Arbeit als perfektes Instrument, um das "Essay" Die Odyssee zu einer kurzweiligen Erzählung zusammenzufügen. Der Film hätte mühelos doppelt so lang sein können, doch so wie jetzt destilliert er sich zu einer hochprozentigen Sichtung, die hohe Aufmerksamkeit erfordert.
Nolan gelingt ein wuchtiges Epos mit eigenwilliger Struktur und überragender Technik, welches sich dem Stoff auf ungewöhnliche Weise nähert. 8/10 (mit Tendenz zu 9/10)


