The Bride! ist eine trotzig seltsame Schöpfung: eine Monster-Romanze, die ihre Absichten schon nach wenigen Minuten offenlegt - und anschließend konsequent all jene vor den Kopf stößt, die etwas Sichereres, Glatteres oder Markttauglicheres erwarten. Der Film wirkt stellenweise wie Kammertheater, das heimlich in eine große Studioproduktion eingeschleust wurde. Stark stilisiert, selbstbewusst, gesellschaftlich aktuell, Meta und visuell opulent - getragen von einer grandiosen Performance von
Jessie Buckley. Gleichzeitig bringt
Penélope Cruz so viel verschmitzte Energie in ihre Nebenrolle, dass man das Kino schon fast mit dem Wunsch verlässt, eine ganze Spin-off-Serie zu sehen, in der sie Kriminalfälle löst.
Ganz klar: Das ist kein Film für die Masse. In der gestrigen, eher spärlich besuchten Vorpremiere konnte man nach der Vorstellung einige ziemlich ratlose oder zumindest nicht gerade glückliche Gesichter beobachten.
Ein interessanter Aspekt ist dabei der Umgang mit Erwartungen. Der zweite Trailer suggeriert im Marketing einen deutlich anderen Film - zugänglicher, konventioneller, viel Gangster, etwas Monster… Umso spannender, dass der Film diese Erwartung praktisch direkt zu Beginn selbst thematisiert und innerhalb der ersten Sätze seines Intros schon wieder zerlegt. Diese Erwartungshaltung wird also sofort und ziemlich unverblümt gebrochen. Falls Marketing und Film so bewusst miteinander gespielt haben, dann wäre das wirklich ziemlich cool.
Trotz vieler brillanter Momente und einer klaren ästhetischen Vision fühlt sich der Film insgesamt aber seltsam zerstückelt an. Vor allem in der zweiten Hälfte wirkt vieles sehr messy, das Tempo bricht immer wieder ein und die Struktur verliert an Spannung. Die Erzählweise entspricht dabei ziemlich genau dem, was
@Noir020 bereits beschrieben hat. Am Ende habe ich dann eher die Ambition und Ideen des Films bewundert, als seine tatsächliche Umsetzung im Kino.
Und trotzdem: Ich finde es großartig, dass ein Studio so etwas überhaupt produziert. Kudos an Warner, dass sie einem derart eigenwilligen Projekt grünes Licht gegeben haben.
Aktuell lande ich bei wohlwollenden 3,5 von 5 Sternen, mit der leisen Vermutung, dass der Film mit etwas Abstand und angepassten Erwartungen vielleicht sogar noch wachsen könnte.
Ich lese außerdem öfter den Vergleich, dass
The Bride! im Grunde das ist, was
Joker: Folie à Deux gerne gewesen wäre, aber bei vielen in der Wahrnehmung nicht geschafft hat. Vielleicht wird es also wirklich Zeit, dass ich mir den endlich einmal selbst anschaue.