Während ihres Erscheinens (50 Ausgaben von 1982 bis 2007) ist die Filmzeitschrift
steadycam komplett an mir vorbei gegangen. Erst als der Versandhandel Zweitausendeins ab 2012 Restexemplare für jeweils wenige Euro verramschte, bestellte ich mir einige Ausgaben und war gleich ganz hingerissen. Später habe ich dann eine Sammlung mit 44 Heften gekauft und lese diese peu à peu nach Lust und Laune. Neben ausführlich behandelten Themenschwerpunkten über Genres, Regisseure usw. bestimmen Festivalberichte über die Berlinale, Cannes oder die Oscar-Verleihung sowie exklusive Interviews und der Blick auf aktuelle Kinoproduktionen und deren Zuschauerzahlen den Inhalt. Dabei liegt die Bandbreite zwischen ROBOCOP und europäischem Arthouse-Kino mit Fokus auf Mainstream-Kino.
Die noch amateurhaft anmutende Nummer 1 umfasst läppische 12 Seiten. Der Umfang stieg kontinuierlich. Im Schnitt lag er bei circa 100 Seiten, bei den späteren Heften deutlich darüber. Die finale Ausgabe Nr. 50 bringt es auf sagenhafte 354 Seiten und wiegt 1,2 kg. Allein die Strecke über Robert Altman, das Titelthema der letzten Nummer, erstreckt sich über mehr als 100 Seiten.
steadycam bietet durchgehend gut lesbare Texte auf hohem Niveau und versprüht gleichzeitig den Enthusiasmus eines Fanprojekts. Denn das ist es tatsächlich, weil die professionellen Autorinnen und Autoren ihre Artikel ohne Bezahlung beisteuerten, darunter auch bekanntere Namen wie Tom Tykwer und Dominik Graf.
Kopf und treibende Kraft der Zeitschrift war Milan Pavlovic (Jg. 1965), Filmkritiker und Sportjournalist der Süddeutschen Zeitung. Ihm ist es geschuldet, dass sich immer mal wieder Artikel über Fußball oder Tennis in den Inhalt verirrten. Genau so wie bestimmte Filme, interessiert mich Sport nicht und doch ziehen mich viele der Beiträge trotzdem in den Bann, weil sie einfach klasse geschrieben sind und es schaffen, ihre Begeisterung auf die Leser zu übertragen. Es ist neben dem enormen Fachwissen genau diese durch eigene Vorlieben geprägte Sichtweise, die den besonderen Charme und Reiz der
steadycam ausmacht.
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