- Hier seit
- 21.4.2018
- Beiträge
- 86
- Reaktionen
- 137
- Alter
- 52
Wie, kein Thread über meine Lieblingsband? Dann eröffne ich mal...
Ja, U2 gibt es tatsächlich noch.
Gestern ist die Veröffentlichung ihres 11. Albums "How To Dismantle An Atomic Bomb" 20 Jahre her und da ich ja eigentlich mal Musikjournalist werden wollte schreibe ich ab und zu aus Spass "Artikel".
Hier etwas zur gestrigen Veröffentlichung...
U2 – How to dismantle (and re-assemble) an atomic bomb.
Nicht Uno, Dos, Tres, Catorce, nein ganze Veinte Jahre ist es her, dass U2 ihr 11. Studio-Album „How to dismantle an atomic bomb“ veröffentlichten.
Mit „Vertigo“ enthielt es den letzten großen Hit, weitere Singles wurden der Abschiedssong „Sometimes you can’t make it on your own“ für Bonos verstorbenem Vater Bob Hewson (die Vater-Sohn-Beziehung und Bobs Tod sind auch die namensgebende - emotionale - Atombombe, die dismantled werden muss) und die Post-9/11-New-York-Hymne „City of blinding lights“.
Die „Bombe“ und ihre Singles wurde für 8 Grammys nominiert, die sie alle gewannen. Mit „Vertigo“ und einem ikonischen Silhouetten-Video machten U2 zum ersten und einzigen Mal Werbung für ein kommerzielles Produkt, Apples iPod und den damals neuen iTunes Store. Als „Bezahlung“ wurde eine U2 Special Edition des iPods aufgelegt, an deren Verkaufserlös die Band beteiligt wurde. Und Bono wurde für Jahre die Silhouette für „Interpreten“ bei iTunes. Die folgende „Vertigo“-Tour war damals die zweiterfolgreichste Tour aller Zeiten.
U2 waren DIE Band.
Zum Jubiläum des Albums gibt es nun die mittlerweile branchenübliche Zweitverwertung in einem Box-Set mit 5 CDs oder 8 LPs.
Das neu remasterte Album ist auch einzeln auf CD oder Vinyl erhältlich.
Exklusiv in der Box, die haptisch ansprechend ist und noch 8 Kunstdrucke sowie ein von Haus- und Hoffotograf Anton Corbijn kuratiertes Hardcover-Fotobuch enthält, gibt es ein Album mit Remixen und eine Live-Show der Vertigo-Tour.
Beide Audio-Inhalte sind jedoch selbst für Hardcore-U2-Fans eher mäßig spannend. Die große Remix-Band wie z. B. Depeche Mode waren U2 nie und die Live-Show ist schlicht die ohne großen Qualitätsunterschied remasterte Audio-Spur der bereits 2005 veröffentlichen DVD „Live from Chicago“, neu editiert und um das Intro sowie einige Ansagen von Bono gekürzt. Das mag manchen freuen, für mich gehört sein „Gelaber“ aber zu einer U2-Show dazu.
Das Highlight der Box ist ansonsten nur digital und in einer Woche limitiert zum Record-Store-Day einzeln auf Vinyl erhältlich. The Edge höchstpersönlich ist in die Archive der Band herabgestiegen (bzw. hat in seiner Leder-Tasche gekramt) und den „Jackpot“ gefunden. Hieraus wurde das „Shadow“-Album „How to re-assemble an atomic bomb“ mit 5 gänzlich neuen Songs und 5 Raritäten kuratiert.
„Picture of you (X+W)“ ist Fans schon in zwei Versionen, einmal als experimenteller Album-Bonus-Track „Fast cars“ sowie als „Xanax and wine“ bekannt, und wurde nun nochmals überarbeitet.
„Evidence of life“ ist der erste neue Track, rockig und mit The Edge an den Lead-Vocals. Ein Highlight ist zweifelsohne „Luckiest man in the world“, den dahinter verbirgt sich ein Song, der seinerzeit in letzter Sekunde vom Album genommen wurde, sich aber schnell im Internet verbreitete und ein echter Fan Favourite wurde. 2010 wurde „Mercy“ dann, obwohl unveröffentlicht, in gekürzter und geänderter Form live auf der 360° Tour gespielt. „Luckiest man …“ ist sehr dicht am „Original“, wobei Puristen beklagen werden, dass es eben nicht die 2004er Version ist, das noch Lyrics geändert und neu eingesungen wurden. Dennoch : U2 in absoluter Hochform, völlig unverständlich, dass man den Track damals gestrichen hat.
„Treason“ zeigt eine Seite von U2 die ich besonders schätze. Experimentell, mutig und nicht nach U2 klingend, ohne dass sie extra bemüht nicht nach U2 klingen. Eine tolle Zusammenarbeit mit Dave Stewart und Dr. Dre. „I don’t wanna see you smile“ war zuvor schon als „Smile“ erhältlich und ist nun deutlich ausproduzierter. Eine schöne Vertonung der Lyrics von Simon Carmody.
„Country mile“ ist ein Midtempo-Ohrwurm der auch seinerzeit durchaus Single Potential gehabt hätte. „Happiness“ erinnert an Franz Ferdinand und hat interessante Tempo-Wechsel und einen ordentlichen Groove.
„Are you gonna wait forever?“ Ist schlicht die B-Side zur „Vertigo“-Single, das Thema zur Zeichentrickserie „The Batman“ wirkt mitten im Album etwas deplatziert und „All because of you 2“ macht den Song nicht deutlich besser oder schlechter.
Den 5 neuen Songs hört man, obwohl sie teils tatsächlich dieses Jahr noch im Studio verfeinert und einige Parts neu eingespielt oder eingesungen wurden, den Demo-Status noch an, einiges klingt nicht ganz rund und einige Lyrics wirken „unfertig“ oder wie das, was Bono spontan einsingt, aber das ist als Gegensatz zur sonstigen Tendenz zu Überproduktion und Perfektion erfrischend.
Lohnen tun sich die Box-Sets allerdings wirklich nur für Sammler solcher Staubfänger, denn insgesamt bietet es musikalisch zu viel bekanntes. Wer sonst an U2 interessiert ist mit der digitalen Veröffentlichung bzw. dem Einzel-„Shadow“-Album ausreichend versorgt.
Sind U2 nun zu einer Band geworden, die nur noch in der Vergangenheit schwelgt? You glorify the past, when the future dries up?
Im Moment mag es sehr danach aussehen, aber ein neues Album und eine Tour scheitern im Moment eben noch am Gesundheitszustand von Larry Mullen Jnr.
Der U2-Drummer hat sich Knie, Schulter und Nacken-Operationen unterzogen und war deswegen auch nicht in Las Vegas auf der Bühne. Er selbst hat kürzlich in einem seiner seltenen Interviews verraten, dass es nur langsam voran geht und - viel wichtiger - dass er ungeduldig ist.
Eine erste Studio-Sessions mit ihm hat es schon gegeben, weitere sind geplant und angesichts der wiederentdeckten Tracks ist man begeistert davon, einfach zu viert gemeinsam in einem Raum zu spielen.
Die Geschichte von U2 geht also weiter, vermutlich Ende 2025 oder Anfang 2026. Und eins ist sicher, ich bin dabei. Die Zeit nimmt eben nicht den Jungen aus dem Mann.
Ja, U2 gibt es tatsächlich noch.
Gestern ist die Veröffentlichung ihres 11. Albums "How To Dismantle An Atomic Bomb" 20 Jahre her und da ich ja eigentlich mal Musikjournalist werden wollte schreibe ich ab und zu aus Spass "Artikel".
Hier etwas zur gestrigen Veröffentlichung...
U2 – How to dismantle (and re-assemble) an atomic bomb.
Nicht Uno, Dos, Tres, Catorce, nein ganze Veinte Jahre ist es her, dass U2 ihr 11. Studio-Album „How to dismantle an atomic bomb“ veröffentlichten.
Mit „Vertigo“ enthielt es den letzten großen Hit, weitere Singles wurden der Abschiedssong „Sometimes you can’t make it on your own“ für Bonos verstorbenem Vater Bob Hewson (die Vater-Sohn-Beziehung und Bobs Tod sind auch die namensgebende - emotionale - Atombombe, die dismantled werden muss) und die Post-9/11-New-York-Hymne „City of blinding lights“.
Die „Bombe“ und ihre Singles wurde für 8 Grammys nominiert, die sie alle gewannen. Mit „Vertigo“ und einem ikonischen Silhouetten-Video machten U2 zum ersten und einzigen Mal Werbung für ein kommerzielles Produkt, Apples iPod und den damals neuen iTunes Store. Als „Bezahlung“ wurde eine U2 Special Edition des iPods aufgelegt, an deren Verkaufserlös die Band beteiligt wurde. Und Bono wurde für Jahre die Silhouette für „Interpreten“ bei iTunes. Die folgende „Vertigo“-Tour war damals die zweiterfolgreichste Tour aller Zeiten.
U2 waren DIE Band.
Zum Jubiläum des Albums gibt es nun die mittlerweile branchenübliche Zweitverwertung in einem Box-Set mit 5 CDs oder 8 LPs.
Das neu remasterte Album ist auch einzeln auf CD oder Vinyl erhältlich.
Exklusiv in der Box, die haptisch ansprechend ist und noch 8 Kunstdrucke sowie ein von Haus- und Hoffotograf Anton Corbijn kuratiertes Hardcover-Fotobuch enthält, gibt es ein Album mit Remixen und eine Live-Show der Vertigo-Tour.
Beide Audio-Inhalte sind jedoch selbst für Hardcore-U2-Fans eher mäßig spannend. Die große Remix-Band wie z. B. Depeche Mode waren U2 nie und die Live-Show ist schlicht die ohne großen Qualitätsunterschied remasterte Audio-Spur der bereits 2005 veröffentlichen DVD „Live from Chicago“, neu editiert und um das Intro sowie einige Ansagen von Bono gekürzt. Das mag manchen freuen, für mich gehört sein „Gelaber“ aber zu einer U2-Show dazu.
Das Highlight der Box ist ansonsten nur digital und in einer Woche limitiert zum Record-Store-Day einzeln auf Vinyl erhältlich. The Edge höchstpersönlich ist in die Archive der Band herabgestiegen (bzw. hat in seiner Leder-Tasche gekramt) und den „Jackpot“ gefunden. Hieraus wurde das „Shadow“-Album „How to re-assemble an atomic bomb“ mit 5 gänzlich neuen Songs und 5 Raritäten kuratiert.
„Picture of you (X+W)“ ist Fans schon in zwei Versionen, einmal als experimenteller Album-Bonus-Track „Fast cars“ sowie als „Xanax and wine“ bekannt, und wurde nun nochmals überarbeitet.
„Evidence of life“ ist der erste neue Track, rockig und mit The Edge an den Lead-Vocals. Ein Highlight ist zweifelsohne „Luckiest man in the world“, den dahinter verbirgt sich ein Song, der seinerzeit in letzter Sekunde vom Album genommen wurde, sich aber schnell im Internet verbreitete und ein echter Fan Favourite wurde. 2010 wurde „Mercy“ dann, obwohl unveröffentlicht, in gekürzter und geänderter Form live auf der 360° Tour gespielt. „Luckiest man …“ ist sehr dicht am „Original“, wobei Puristen beklagen werden, dass es eben nicht die 2004er Version ist, das noch Lyrics geändert und neu eingesungen wurden. Dennoch : U2 in absoluter Hochform, völlig unverständlich, dass man den Track damals gestrichen hat.
„Treason“ zeigt eine Seite von U2 die ich besonders schätze. Experimentell, mutig und nicht nach U2 klingend, ohne dass sie extra bemüht nicht nach U2 klingen. Eine tolle Zusammenarbeit mit Dave Stewart und Dr. Dre. „I don’t wanna see you smile“ war zuvor schon als „Smile“ erhältlich und ist nun deutlich ausproduzierter. Eine schöne Vertonung der Lyrics von Simon Carmody.
„Country mile“ ist ein Midtempo-Ohrwurm der auch seinerzeit durchaus Single Potential gehabt hätte. „Happiness“ erinnert an Franz Ferdinand und hat interessante Tempo-Wechsel und einen ordentlichen Groove.
„Are you gonna wait forever?“ Ist schlicht die B-Side zur „Vertigo“-Single, das Thema zur Zeichentrickserie „The Batman“ wirkt mitten im Album etwas deplatziert und „All because of you 2“ macht den Song nicht deutlich besser oder schlechter.
Den 5 neuen Songs hört man, obwohl sie teils tatsächlich dieses Jahr noch im Studio verfeinert und einige Parts neu eingespielt oder eingesungen wurden, den Demo-Status noch an, einiges klingt nicht ganz rund und einige Lyrics wirken „unfertig“ oder wie das, was Bono spontan einsingt, aber das ist als Gegensatz zur sonstigen Tendenz zu Überproduktion und Perfektion erfrischend.
Lohnen tun sich die Box-Sets allerdings wirklich nur für Sammler solcher Staubfänger, denn insgesamt bietet es musikalisch zu viel bekanntes. Wer sonst an U2 interessiert ist mit der digitalen Veröffentlichung bzw. dem Einzel-„Shadow“-Album ausreichend versorgt.
Sind U2 nun zu einer Band geworden, die nur noch in der Vergangenheit schwelgt? You glorify the past, when the future dries up?
Im Moment mag es sehr danach aussehen, aber ein neues Album und eine Tour scheitern im Moment eben noch am Gesundheitszustand von Larry Mullen Jnr.
Der U2-Drummer hat sich Knie, Schulter und Nacken-Operationen unterzogen und war deswegen auch nicht in Las Vegas auf der Bühne. Er selbst hat kürzlich in einem seiner seltenen Interviews verraten, dass es nur langsam voran geht und - viel wichtiger - dass er ungeduldig ist.
Eine erste Studio-Sessions mit ihm hat es schon gegeben, weitere sind geplant und angesichts der wiederentdeckten Tracks ist man begeistert davon, einfach zu viert gemeinsam in einem Raum zu spielen.
Die Geschichte von U2 geht also weiter, vermutlich Ende 2025 oder Anfang 2026. Und eins ist sicher, ich bin dabei. Die Zeit nimmt eben nicht den Jungen aus dem Mann.