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Vielleicht ziehe ich die erneute Sichtung auch vor. Bei mir war die Erstsichtung auch noch VHS. Kann sein ich sehe das heute anders. Was die Bilder an der Wand betrifft, würde das passen. Die italienischen Faschisten hatten, anders als die deutschen, keine Berührungsängste mit neuer Kunst und Architektur. Und einige der Avantgarde Künstler waren selber überzeugte Faschisten. Die Futuristen im Besonderen.
 
Ich war ziemlich erstaunt, als ich dann zum ersten Mal las, dass Pasolini auch moderne gesellschaftliche Auswüchse wie den erwähnten Konsumismus verarbeitet hat, denn: gibt der Film selber Hinweise auf diese Lesart?
Naja. Was bekommst du schon in Fast Food Restaurants zu essen? In TK Gerichten, in allen möglichen Lebensmitteln mit unnötigen Zusatzstoffen? Welche Lösungen bietet der Kapitalismus immer wieder, für Probleme die er selbst schafft? Wie viel unnötige Produkte und Erfindungen gibt es, die keiner hinterfragt?
Wir bekommen scheiße serviert und wir haben sie zu fressen. Und großflächig haben wir sogar gelernt, sie zu mögen.


Unter Nazi-Herrschaft wären diese Bilder sicherlich mindestens abgehängt worden. Ist das von Pasolini als eine Art Anker für das moderne Italien der 70er inszeniert oder welchen Zweck erfüllen diese?
Mglw. ein Kommentar darüber, dass Regeln für das Volk gelten, nicht für die Herrschenden. Jeden Tag zu beobachten in: unserer Welt, in der Politiker und Reiche selten bis nie Konsequenzen tragen müssen.

Das passt auch alles wunderbar, da Faschismus am Ende nichts anderes als die letzte Konsequenz zur Verteidigung und Erhaltung des Kapitalismus ist. Diese Systeme stehen sich alles andere als feindlich gegenüber.
 
Ich war ziemlich erstaunt, als ich dann zum ersten Mal las, dass Pasolini auch moderne gesellschaftliche Auswüchse wie den erwähnten Konsumismus verarbeitet hat, denn: gibt der Film selber Hinweise auf diese Lesart?
Naja. Was bekommst du schon in Fast Food Restaurants zu essen? In TK Gerichten, in allen möglichen Lebensmitteln mit unnötigen Zusatzstoffen? Welche Lösungen bietet der Kapitalismus immer wieder, für Probleme die er selbst schafft? Wie viel unnötige Produkte und Erfindungen gibt es, die keiner hinterfragt?
Wir bekommen scheiße serviert und wir haben sie zu fressen. Und großflächig haben wir sogar gelernt, sie zu mögen.
Das ist alles gut & schön & richtig, zielt aber an meiner Frage vorbei. Wenn du ohne jegliche Information von außen dich nur auf den Film beziehen kannst, kommst du dann so selbstverständlich darauf, dass die allgegenwärtigen Themen der Unterwerfung, Aufoktroyierung von Willen und Ausschweifung verlassen werden und dass das Thema Konsumkritik aufgemacht wird? Ich habe Schwierigkeiten damit, im Film Hinweise auf diese Lesart auszumachen.
Ich weiß nicht, wie es in Italien 1975 aussah, aber in Deutschland gab es Mitte der 70er - bundesweit gesehen - bspw. kaum Mäckes-Filialen und Convenience wurde da noch ziemlich klein geschrieben. Die traditionelle Familie und ebenso die der Gastarbeiter haben mehrheitlich noch traditionell home-ccoking betrieben. Da war Pasolini sehr prophetisch unterwegs, hat in Richtung USA geschaut und erkannt, dass das hier ebenfalls dräut. Aber: ich habe im Film bislang nichts ausfindig gemacht, das eine Deutung in diese Richtung nahelegt. Im Kontext des Films ist es imho wahrscheinlicher, dass die Kotnascherei und die Weise, wie sie eingeführt wird, eine weitere Runde im Reigen der Demütigungen ist.

Unter Nazi-Herrschaft wären diese Bilder sicherlich mindestens abgehängt worden. Ist das von Pasolini als eine Art Anker für das moderne Italien der 70er inszeniert oder welchen Zweck erfüllen diese?
Mglw. ein Kommentar darüber, dass Regeln für das Volk gelten, nicht für die Herrschenden. Jeden Tag zu beobachten in: unserer Welt, in der Politiker und Reiche selten bis nie Konsequenzen tragen müssen.
Mag sein. Oder das, was Pedone schreibt. Das erscheint aus italienischer Perspektive sinnvoller.
 
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