Nun denn, ich habe mir Saló am Wochenende angesehen. Für mich war es ein Blindkauf und daher zugleich auch eine Erstsichtung, um das vorweg zu schicken.
Die Erstsichtung erfolgte in der deutschen Fassung. Zu den technischen Aspekten hat ja Timo Wolters in seiner Rezension wie gewohnt detailliert alles aufgedröselt. Ich kann nur sagen, dass sowohl die Bild-, als auch die Tonpräsentation (deutsche Tonspur) absolut einwandfrei sind. Mangels Vergleichsmöglichkeiten kann ich keinen Bezug zu früheren Veröffentlichungen ziehen. Bei einem Teil des Bonusmaterials gab es Szenen des Films zu sehen, die sehr gelbstichig waren. Sofern man das als Vergleich heranzieht liegen absolut Welten dazwischen was Wicked und LSP hier abgeliefert haben. Allein diese Qualität ist ihr Geld wert. Gerade diese Triste Farbpalette, z. B. innerhalb der Villa, unterstreicht die Wirkung des Films.
Apropos Wirkung. Wie hat nun der Film auf mich nach der Erstsichtung gewirkt? Da ich durch die Diskussion hier im Forum in etwa wusste was auf mich zukommt, konnte ich mich ein Stück weit darauf einstellen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass Saló mich komplett angewidert hätte, aber der Film hat mich dennoch die nächsten 2 Tage beschäftigt. Saló ist definitiv ein Filmkunstwerk aber ich sehe dieses Werk nicht unbedingt als Unterhaltungsfilm. Vielmehr ist der Film für mich eine Art mahnendes Werk mit einer klaren Message, die natürlich in recht drastischer Weise präsentiert wird. Was passiert, wenn Personen oder Institutionen so viel Einfluss und Macht haben, sodass sie schalten und walten können wie sie wollen, ohne dabei Konsequenzen zu befürchten. Gut, Pasolini hat den Film bewusst in die Zeit des Faschismus in Italien gelegt. Beim Schauen fühlte ich mich allerdings ständig daran erinnert wie aktuell der Film im Grunde ist, da heutzutage entsprechende "Partys" durchaus real sind und die auch im Booklet Erwähnung finden. Innerhalb des Filmes war ich dann gespannt, wie weit Pasolini für die nächsten Handlungen gehen würde. Gibt es beispielsweise eine Steigerung zu den vorherigen Handlungen und wie explizit werden diese nach den jeweiligen Erzählungen unter anderem von Signora Vaccari gezeigt. Der schwierigste Block war für mich der Höllenkreis der Scheisse, was wohl wenig überraschen dürfte. Saló ist wie gesagt ein Kunstwerk, aber eben keines was man mal eben in den Player schmeißt. Es bedarf schon einer gewissen intrinsischen Motivation den Film zu schauen, sodass er auch bei mir in Zukunft eher sporadisch erneut gesichtet wird.
Neugierig war ich natürlich auch auf das Bonusmaterial, dem ich mich zum Teil schon gewidmet habe. Das Booklet habe ich in kürzester Zeit durchgelesen und die Texte von Christoph Kellerbach sowie von Lioba Schlösser und unserem geschätzten Toxie waren absolut lesenswert und informativ. Im Nachgang an die Erstsichtung habe ich auch die Doku "Whoever says the truth shall Die" über Pasolini geschaut sowie auch "Das Höllenlabor" mit den Auszügen einer Pressekonferenz mit Pasolini. Auch hier war es für mich sehr interessant etwas Hintergrundfutter zum Film und Pasolini selbst zu bekommen, wodurch ich Salò direkt ein Stückweit besser einordnen konnte. Beim Lesen der Untertitel musste ich unweigerlich an den armen Toxie denken, der in mühevoller Arbeit die Untertitel erstellt haben muss. Eine absolute Fleißarbeit.
Die Diskussionsrunde "Saló oder eine Zensur findet nicht statt" ist ein, wie ich finde, tolles Zeitdokument. Viele Passagen daraus hatten Parallelen zu Diskussionen die in ähnlicher Weise auch heutzutage geführt werden, weswegen ich mehrfach schmunzeln musste. Es zeigt einfach, dass Filmbewertungen einem ständigen Wandel und Prozess unterliegen und das Für und Wider immer wieder aufs Neue abgewägt werden müssen.
Ich freue mich auf die Sichtung der weiteren Extras, insbesondere der Audiokommentare sowie den Interviews der Beteiligten. Die Veröffentlichung ist wirklich das Rund-um-Sorglos Paket zu Saló, nach dessen Sichtung keine Fragen zum Film offen bleiben dürften und der betriebene Aufwand jeden Euro wert.

Umso mehr freut es mich für Wicked Vision, dass der Release so gut läuft, weil es absolut verdient ist.