My world is a coffin
Trudle gerade für ein paar Wochen durch Indien und das Album begleitet mich auf meinen Kopfhörern durch diese verrückte Welt, in der ich mich gerade befinde.
The Great Satan ist das Beste, was Zombie seit Jahren abgeliefert hat. Für mich ist es ein Album, in das ich mal wieder richtig schön tief eintauchen kann. Soll nicht heißen, dass Electric Warlock und Lunar Injection schlecht waren. Ich glaube, beide Alben waren für Zombie wichtig, um The Great Satan zu produzieren. Aber irgendwo hatte ich die Tage eine Review gelesen, dass sich Rob vielleicht ein bisschen zu sehr in psychedelischen, funky Trip-Metal-Soundexperimenten verloren hat. Beide Alben enthalten geile Songs, ich mag die Ästhetik und den Sound. Aber an die Non-Stop-Energie von Venomous Rat Regeneration Vendor kamen beide Alben nicht heran.
Rückblickend wusste ich nicht, wie sehr ich den düsteren Rob Zombie vermisst habe. Der Funky-Factor ist größtenteils verschwunden, schimmert hier und da aber noch in Songs wie „Black Rat Coffin“ oder „Revolution Motherfuckers“ durch. Allerdings viel schärfer und böser. Weitestgehend geht es hier brutal, hart und düster zur Sache. Was mir sofort aufgefallen ist: wie gnadenlos die Drums auf The Great Satan reinballern. Ich glaube, seit Astro-Creep: 2000 hat Zombie seinem Drummer nicht mehr so eine prominente Position im Mix gegeben wie hier. Insgesamt ist das Album produktionstechnisch eine Wucht. Die jahrelange Zusammenarbeit mit seinem Stammproduzenten Zeuss, mit dem Zombie auch die Scores zu seinen letzten paar Filmen produziert hat, hat dafür gesorgt, dass man einen verrückten Soundmix zwischen Punk, Metal und 70s-Rock perfektioniert hat, in dem immer wieder Einflüsse aus allen möglichen Genres aufbrodeln: Elektronik, Rave, orientalische Musik, klassische Musik. Es ist genau die anti-popkulturelle Explosion an klangtechnischer Reizüberflutung, die man von Zombie gewohnt ist.
Und auch wenn Zombies Texte noch immer ein ebenso wirres, kaleidoskopartiges Bahnhofskino-Manifest sind, so schimmert doch immer mehr zwischen all dem Sleaze, Monstern und Hot Rods auch eine gewisse Haltung zur aktuellen Weltlage sowie zum Film- und Musikbusiness durch. Eine gewisse Ende-der-Welt-Stimmung stellt sich bei Zombie ein. Als sähen sich all seine Monster und Ungetüme plötzlich ihrem Ende entgegen.
Hoffen wir mal, dass der neugewonnene kreative Boost noch für viele fetzige Zombie-Alben sorgt. Die erneute Zusammenarbeit mit Riggs und Blasko scheint Rob auf jeden Fall gutgetan zu haben. Mit den beiden an Bord und der weiteren Zusammenarbeit mit Ginger Fish und Zeuss erhält man auf The Great Satan das Beste aus beiden Welten.