Ich habe den Film Montag schon gesehen und naja...
Eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Audiovisuell ist die Geschichte rund um Showmaster Chris Hansen und seine berüchtigte Reality-TV Verbrecherjagd "To Catch a Predator" in der Tat eine Wucht, auch wenn viele Stilelemente zum Selbstzweck verkommen. Auch für die großartigen Schauspielleistungen lohnt sich der Kinobesuch auf jeden Fall. Nicht nur Robert Pattinson agiert hier auf höchstem Niveau, vor allem Skyler Gisondo stiehlt hier so ziemlich allen die Show.
Das Drehbuch meint es jedoch nicht ganz so gut. Das Pacing ist, gelinde gesagt, gar nicht vorhanden. Träge wäre eine nette Formulierung dafür. Und das liegt daran, dass es keine wirkliche Narrative gibt, sondern viel mehr eine Aneinanderreihung von Nebenplots, die unterschiedlich interessant, selten notwendig und genauso unbefriedigend zu Ende erzählt sind. Der Film will uns vermutlich etwas über den Menschen Chris Hansen erzählen, opfert dafür aber kaum Zeit, höchstens um uns von einer völlig belanglosen Affäre zu berichten. Rein als Film betrachtet ist das vielleicht letztlich sogar einfach langweilig.
Wer eine ernsthafte, tiefsinnige Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet, liegt mit Primetime völlig falsch. Der Film interessiert sich nicht für Kindesmissbrauch, nicht für die Opfer, nicht für die Täter. Er interessiert sich aber auch nicht für die zweifelhaften, völlig exploitativen Methoden von Hansens TV-Show. Im Grunde interessiert der Film inhaltlich für gar nichts. Und damit ist der Film am Ende mehr auf einer Wellenlänge mit "To Catch a Predator" als ich befürchtete. Die künstlerischen Freiheiten, die sich das Drehbuch nimmt, sind dann die Spitze des Eisbergs. Jeder der die bessere, wirklich sehenswerte Dokumentation "Predators" gesehen hat, dürfte spätestens bei der letzten Szene mehr als einen faden Beigeschmack im Mund haben.
Vielleicht ist es meine Schuld, dass ich hier eine spannende und tiefgründige Auseinandersetzung mit Hansen, "To Catch a Predator" und dem Thema Pädophilie erwartet habe. Bekomme habe ich einen Abklatsch von Nightcrawler in schöner Optik, verpackt als tolles Schauspielkino, das vielleicht dadurch für den ein oder anderen Award in Frage kommt.