Mörder ohne Erinnerung
Belgien, Niederlande 2003
BR Fernsehen Freitag, 16.10.2026
22:50 bis 00:45 Uhr
Video demnächst in der Mediathek verfügbar
Ein Profikiller führt seine Taten routiniert und ohne sichtbare Skrupel aus - bis ein Schlaganfall sein Gedächtnis zerstört. Ausgerechnet in dem Moment, als er einen heiklen Auftrag erledigen soll, bricht seine Vergangenheit weg: Namen, Gesichter, Absprachen, Motiv, alles verschwimmt. Was bleibt, ist ein Mann, der zwar weiß, dass er gefährlich ist, aber nicht mehr, für wen er arbeitet und gegen wen sich seine Gewalt richtet.
Erik van Looy nutzt diese Ausgangslage für einen Thriller, der klassische Spannung mit einem psychologischen Kern verbindet. Der Auftragskiller wird plötzlich selbst zum Getriebenen, gejagt von den Auftraggebern, die ihn kontrollieren wollen, und von Ermittlern, die das Netz aus Korruption und Gewalt aufzudecken versuchen.
Die Frage, ob ein Mörder ohne Erinnerung noch in vollem Sinn verantwortlich ist, zieht sich als moralische Linie durch den Film. Zugleich spielt der Film elegant mit den Mitteln des Genres: rasche Perspektivwechsel, präzise gesetzte Twists und ein visuell konsequenter Blick in eine Welt, in der Loyalität reine Verhandlungsmasse ist.
"Mörder ohne Erinnerung" verbindet Spannung und Atmosphäre mit einem sehr physischen Schauspiel: Der Hauptdarsteller trägt den Film über die sichtbare Unsicherheit seines Körpers, seine plötzlichen Aussetzer, das ständige Misstrauen gegenüber der eigenen Wahrnehmung. Damit wird der Thriller zu einem Drama über einen Mann, der seine Identität Stück für Stück neu zusammensetzen muss, ohne sicher sein zu können, ob er sie überhaupt noch behalten will.
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Geheimring 99
Vereinigte Staaten von Amerika 1955
BR Fernsehen Nacht auf Samstag, 17.10.2026
00:45 bis 02:10 Uhr
Eine Stadt befindet sich in der Hand eines Gangsters, der sich hinter dem Allerweltsnamen Mr. Brown verbirgt. Der Polizist Leonard Diamond ist seit Jahren davon besessen, diesen Mann zur Strecke zu bringen - ohne Erfolg. Jeder weiß, dass Brown der Boss eines straff organisierten Syndikats ist, doch Brown gibt sich keine Blöße. Sein Wahlspruch lautet: "First is first and second is nobody."
Lieutenant Diamonds fanatische Besessenheit erklärt sich aus seiner Leidenschaft für eine Frau. Susan Lowell ist die Geliebte und Gefangene des Gangsters. Von ihr erhält Diamond endlich einen Hinweis, der ihn weiterbringt: Zu ehemaligen Unterweltlern, die reden, weil sie längst mit dem Leben abgeschlossen haben, oder liquidiert werden, bevor sie reden können. Doch Diamond lässt nicht locker. Die Spur führt ihn zu Alicia, einer Frau, die in einer Irrenanstalt eingesperrt und mit Mr. Brown verheiratet ist. Aus den Kämpfen mit einem Gangsterrivalen geht Brown noch einmal als Sieger hervor. Schon glaubt er, alle Mitwisser seiner Verbrechen beseitigt zu haben, aber bei dem Versuch unterzutauchen, wird Brown im nächtlichen Nebel eines einsamen Flugzeughangars von Diamond gestellt.
"Geheimring 99" von 1955 ist ein Spätwerk des Film noir und einer der besten Gangsterfilme überhaupt. Mit wenig Licht und vielen hart kontrastierenden Schatten tauchte ihn der geniale Kameramann John Alton (Oscar für "Ein Amerikaner in Paris") in das schwärzeste Schwarz, das denkbar erscheint. In "The Big Combo" werden Beziehungen zu Verstrickungen, Gegensätze zu Angleichungen.
Die explizite Darstellung von Gewalt und Sex wurde als beachtlich gesehen. Bruce Crowther ("Film Noir. Reflections in a dark mirror") betonte "die perverse Sexualität, die permanent gegen den Hays Code und dessen Beschränkungen anrennt", und führte unter anderem "die sadomasochistische Gewalt der Gangster, von denen zwei, Fante und Mingo […], klar homosexuell sind", und die "psychosexuelle Dominanz", die Anführer Brown auf seine Geliebte ausübt, an.
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