Ich habe mir als uralten Tolkien-Fan natürlich die Mühe gemacht, die Serie durchzusehen, als sie noch in der ZDF-Mediathek war. Gestern abend noch den letzten Teil fertiggeschaut, bevor alles runtergenommen wurde.
Tja, was soll ich sagen?
Positiv:
- manche CGI-Shots hatten einen tollen Look. Einige - nicht alle!
- Darsteller sind zumeist gut bis brauchbar - wirklich stark fand ich Sam Hazeldine als Adar (Staffel 2).
- den Charakteren wurden immer wieder Szenen zum Glänzen gegeben, was natürlich den Darstellern viel gebracht hat.
- die Musik ist bestenfalls gut (aber selten so großartig wie bei Howard Shore).
Negativ:
- Storyline und Dramaturgie ist auf viele Stränge verteilt und wird zusehr gestreckt - dadurch wirken manche Teile überflüssig.
- die Charaktere sind fast alle aus dem Zusammenhang gerissen, wie sie in Der Herr der Ringe vermittelt werden: Galadriel und Elrond passen weder vom Mindset noch von ihrer Beziehung zueinander, Saurons Faszination wirkt durch das Zeigen seiner Taten erstaunlich profan, der Fremde funktioniert überhaupt nicht.
- die Dialoge sind nicht immer überzeugend.
Mein größtes Problem ist die Tatsache, daß Tolkiens Welt einfach nicht so stattfindet, wie es bei Peter Jackson passiert. Die Faszination ist nie ganz da, stellenweise mal vorhanden - und im nächsten Augenblick wird sie komplett weggewischt durch unsinnige Änderungen der Vorlage. Man darf durchaus sagen, daß die Macher die Mythologie von Mittelerde nie verstanden haben.
Nicht.Für.Eine.Sekunde. Und dank dieser sechs Erzählstränge wirkt diese Serie auch nie wirklich geschlossen, sondern stets zersplittert und unausgewogen.
Dazu kommen Storydetails, die einfach frech sind: niemand kann mir erzählen, daß ein Istar so in Mittelerde landet und sich erst noch finden muß. Niemand! Auch paßt Galadriels Charakter nicht ins Bild. Manche Handlungsabläufe wirken wie aus einem Sammelbecken für Klischees. Und trotz ordentlicher Kameraleute fehlt dem Ganzen ein durchgängiger epischer Atem. Es wirkt alles so klein, provinziell, nach Standard ausgerichtet.
Ganz ehrlich: hier wurde eine echte Chance schnöde vertan. Man hat falsche Entscheidung getroffen in Bezug der Charaktere, der Story und der Gewichtung. Man hat bei der Ausführung nie die richtigen Indigrenzien zusammengerührt und sich lieber für den Zeitgeist und somit gegen die Vorlage entschieden.
Ich wußte schon immer, daß die Trilogie aus den Jahren 2001-2003 ein echter Knaller war - es kam der Richtige und packte das Thema richtig an. Selbst später konnte er immer noch die richtige Faszination hervorbringen, auch wenn es nicht mehr so grandios war. Aber hier versagt Amazon Studios so komplett, daß es wirklich schmerzt. Die Serie ist Content - nicht mehr.
👎