- Hier seit
- 30.4.2018
- Beiträge
- 3.361
- Reaktionen
- 7.886
- Alter
- 63
Das ist (selbst mir) alles wohlbekannt. Und ja, dieser Punkt war ganz sicher der Kern der meisten Kritiken ... aber nicht der einzige. So simpel gestrickt, wie du es hier implizierst (so liest sich das zumindest), sind Filmkritiker nun auch wieder nicht. Sie können häufig durchaus mehrere Punkte monieren. Manchmal "erfinden" sie da sogar einen Zusammenhang, wie z.B. "gesichtslose Bösewichte ohne jedes Profil", die dann "die gnadenlose Selbstjustiz rechtfertigen würden". Klingt absurd, klar.Anscheinend kennst Du damalige Kritiken nur wenig bis eventuell gar nicht. So liest sich das zumindest. Macht ja nix und ist kein Vorwurf. Ich habe damals sehr viele Filme im Kino gesehen und auch viel dazu gelesen. Kritiker warfen jenen Filmen Selbstjustiz vor, die unverhohlen dargeboten und ihrer Meinung nach teils propagiert wurde. Hinzu kam zusätzlich der weitere Vorwurf, die Filme würden von faschistoider Gesinnung sein. Du glaubst gar nicht, wie oft man damals bei bestimmten Filmen mit dem Begriff, Faschismus um sich geworfen hatte. Nicht nur bei den, Death Wish Filmen, sondern mir fällt z.B. noch, Mad Max inkl. irgendwelcher anderer Endzeitfilme ein, dann Romeros, Zombie, der blieb davon auch nicht verschont und wenn ich weiter nachdenke oder bei mir suche finde ich noch mehr. Denen ging es nie um fehlende Charakterisierungen der Verbrecher, sondern um das besagte andere. Und da waren die oft sehr schnell dabei. Einer der schärfsten Kritiken war auch mal, das man z.B. bei Death Wish 2 und Ein Mann wie Dynamit (beide mit Bronson) nicht nur mit dem Vorwurf faschistoid zu sein ankam, sondern Charles Bronson zusätzlich bescheinigte, das er mit großem Kaliber für die Endlösung sorgte. Ha ha, auf so etwas übertriebenes muss man auch erstmal kommen, mich hatte das damals schon eher amüsiert und man konnte nur den Kopf darüber schütteln. Naja, lange lange her.
Für mich war das eher simpel, gerade weil damals vermehrt linke Kritiker ständig bei gewissen Filmen mit Begriffen wie, Faschismus / faschistoide Gesinnung in Verbindung mit Selbstjustiz argumentativ um sich warfen. Simpel deshalb, weil man sich aufgrund der genannten Vorwürfe, nämlich keine weiteren Gedanken zum weiteren Inhalt, Inszenierung etc. der Filme machen musste, was auch einfacher war. In deren Kritiken wurde sich weder mit Opfern von Gewaltverbrechen auseinandergesetzt, noch mit deren Hinterbliebenen usw. Stattdessen wurden nur die Selbstjustiz ausübenden Rächer kritisch in Augenschein genommen und nicht etwa die vorigen Gewalt-Straftaten inkl. der Verbrecher an sich. Wobei dadurch zusätzlich der Eindruck entstand, das diese Verbrecher und deren Straftaten verharmlost, die des Rächers hingegen als schlimmer hingestellt wurden. Und so lasen sich damals viele Kritiken.