Sind das richtige 1.43:1 IMAX Kinos? Dachte eigentlich davon gäbe es nur wenige auf der Welt. Bin bei dem IMAX Ding aber noch nie durchgestiegen. Im Endeffekt ist es doch auch nur ein Bildformat. Gerade bei epischen Sachen wie Dune oder Odyssee verstehe ich nicht, warum man mehr in die Höhe als in die Breite möchte. Wirkt für mich eher wie ein moderner Marketinggag um die Leute noch ins Kino zu bekommen. Die Größe ist natürlich ein Argument, klar. Aber man kann ja auch andere Formate riesig bauen. War bisher nur ein mal in einem IMAX, im Technikmuseum in Speyer, da war die Leinwand aber so eine seltsame Kuppel.
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Ich möchte hier mal mit dem Irrtum aufräumen das das sicherlich tolle und moderne IMAX in Leonberg ein „richtiges“ IMAX mit 1:43 Projektion ist.
Dies ist tatsächlich nicht der Fall.
Um „The Odyssey“ im von Nolan favorisierten richtigen Format zu schauen, muss man nämlich nach Sinsheim (Leinwandgröße je nach Quelle ca. 25m-27m in der Breite und 18-19m in der Höhe) oder nach Karlsruhe (ca. 22m breit und 16m hoch) fahren. Dies sind die beiden einzigen übriggebliebenen IMAX Kinos in Deutschland (nachdem man das IMAX Potsdamer Platz in Berlin 2019 leider geschlossen hat) wo man den Film zumindest in digitaler Projektion in 1 : 1,43 sehen kann.
Beide Kinos sind von Leonberg auch nicht sehr weit entfernt (ca. 1,5 Stunden mit Auto), leiden aber meiner Meinung nach darunter, deutlich weniger bekannt zu sein als das IMAX in Leonberg was natürlich mit dem Hinweis die größte Leinwand der Welt zu haben deutlich mehr Aufmerksamkeit generiert.
Den Besitzern des IMAX in Leonberg ist auch kein Vorwurf zu machen nur ein „normales IMAX“ mit Leinwand AR 1,90 errichtet zu haben da sie nämlich von IMAX keine Genehmigung zum Bau eines „richtigen“ IMAX mit Leinwand AR 1,43 bekommen haben. Das war nach deren eigener Aussage nämlich ursprünglich deren Plan.
IMAX hat nämlich kein größeres Interesse daran eine IMAX Zweiklassengesellschaft zu schaffen sondern wollen ein einheitliches System mit dem Markennamen IMAX etablieren so das man immer im Glauben ist überall die gleiche Präsentation zu bekommen. Der Einbau einer deutlich höheren Leinwand, die sich aus dem Format 1 : 1,43 automatisch ergibt ist deutlich schwieriger und teurer und in vielen Lokalitäten baulich schwer umzusetzen.
Deswegen setzte man bei der Umstellung von Dokumentarfilmen auf kommerzielle Kinofilme ungefähr in den 2010er Jahren auf das Kompromissformat 1 : 1,90.
Übrigens möchte ich hier die „normalen“ 1,9er IMAX Kinos auch nicht verteufeln. Das sind in der Regel super ausgestattete moderne Kinos mit einem deutlich besseren Bild und auch Ton als die meisten anderen Nicht-IMAX Kinos. Das schlecht zu reden wäre meckern auf sehr hohem Niveau.
Allerdings sind IMAX Spielstätten mit 1 : 1,43 Projektion doch noch mal auf einem anderen Level, da man da deutlich immersiver in das Geschehen förmlich hineingezogen wird. Die Bildanteile ganz oben und unten dienen fast ausschließlich dem immersiven Effekt. Aber mit sehr großer Wirkung.
Christopher Nolan und einige wenige andere Filmemacher haben allerdings das Unternehmen IMAX in die Bredouille gebracht indem sie weiter auf das alte analoge Filmbandaufnahmesystem IMAX 70mm (3 normale 70mm Bilder hochkant nebeneinander bei der Belichtung) gesetzt haben was zu einer bis heute unübertroffenen Bildqualität mit gleichzeitig enorm immersiven Bildeindruck aufgrund des ursprünglichem 1,43 Format führt.
Dieses Format wollte IMAX ja eigentlich „klammheimlich“ in Rente schicken aus den o.g. kommerziellen Gründen. Gleichzeitig beziehen sich aber alle Lobpreisungen und Kommentare in der Presse über IMAX Produktionen von Christopher Nolan immer auf Präsentationen in dem von Nolan favorisierten analogen IMAX 70mm 1,43 Format.
Bei der breiten Masse bleibt allerdings nur hängen gedreht in (oder mit) IMAX Kameras. Sodas die meisten Kinogänger beim Besuch eines 1,90 IMAX Kinos (die es fast ausschließlich gibt) davon ausgehen das sie den Film genau so sehen wie er geplant war.
Die beiden oben genannten IMAX Kinos zeigen „The Odyssey“ wie bereits erwähnt nicht analog auf IMAX 70mm Filmband sondern „nur“ als digitales DCP in 4K Dual Laser Projektion. Das DCP ist aber eine 1:1 digitale Umwandlung vom IMAX Negativ im 1,43 Format.
Bitte beachten das das IMAX in Leonberg auch eine Dual Laser Projektion besitzt, diese hat aber nichts mit dem Filmformat zu tun sondern lediglich mit der adäquaten Ausleuchtung sehr großer Leinwände die notwendig ist um IMAX Spezifikationen zu erfüllen.
Um „The Odyssey“ in analoger IMAX 70mm Projektion sehen zu können muss man übrigens mindestens ins europäische Ausland fahren.
In London, Brüssel, Paris oder Prag zum Beispiel gibt es entsprechende Vorstellungen mit zum Teil erneuter Installation alter analoger Projektoren.
Weltweit gibt es übrigens ja auch nur lediglich ca. 40 analoge IMAX 70mm Installationen.
Technisch gesehen spielt bei dem ganzen Hype um die „analoge IMAX 70mm Projektion“ allerdings auch eine zum Teil verklärende Nostalgie eine Rolle.
Vergleichbar mit dem Run der letzten Jahre auf den analogen Plattenspieler, der auch von jungen Nutzern wieder eine recht große Rolle spielt.
Rein von den Zahlen her hat die analoge IMAX 70mm Projektion definitiv eine deutlich höhere Auflösung (ca. 12k-18K). Aber inwieweit man alles was über 4K liegt überhaupt noch mit dem bloßen Auge wahrnehmen kann ist eine andere Frage, selbst bei so großen Leinwänden wie den hier besprochenen.
Zumal bei der digitalen IMAX Doppelprojektion beide Bilder so geschickt übereinander gelegt werden das das Auge subjektiv eine höhere Auflösung als 4K wahrnimmt.
Im Gegensatz dazu hat aber die digitale IMAX Projektion rein technisch gesehen einen besseren Kontrast und eine bessere Farbdarstellung als eine analoge Projektion.
Ob man einen nennenswerten Unterschied zwischen analoger und digitaler Projektion sehen kann läßt sich allerdings sehr schwer sagen und beruht sicherlich auf rein subjektiver Wahrnehmung und Erwartungshaltung.
Wo kann man schon den gleichen Film in analoger und digitaler Projektion gleichzeitig nebeneinander sehen ????
Meiner Meinung sind die entscheidenden Faktoren weniger die technischen Spezifikationen sondern die Wiedergabe im Format 1 : 1,43, was den Unterschied ausmacht.
Sicherlich hat Leonberg die deutlich breitere Leinwand als Sinsheim oder Karlsruhe, aber wenn man sich so platziert das man die Breite der Leinwand peripher gerade noch wahrnimmt ohne den Kopf ständig drehen zu müssen, wird ein Teil über und unter der Leinwand nicht komplett von der „schmaleren“ 1,90 Leinwand im Sichtfeld ausgefüllt. Dementsprechend ist das immersive Erlebnis bei 1,43 Bildwänden deutlich besser.
Ich habe selber eine ganze Menge IMAX Filme in 1,43 gesehen sowohl in analoger Projektion als auch als DCP aber eine 1,90 Projektion ist bei weitem weniger eindrucksvoll unabhängig davon wie breit die Bildwand ist.