Young-Ha Kim - Aufzeichnungen eines Serienmörders

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12.5.2018
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Aufzeichnungen eines Serienmörders (Salinja-ui gieokbeop) ist ein Roman des südkoreanischen Schriftstellers Young-Ha Kim aus dem Jahr 2013. Erst 2020 sind die Leser durch den class Verlag in den Genuss einer deutschen Übersetzung gekommen, die direkt aus den koreanischen von Inwon Park übersetzt wurde.

Der Serienmörder Byongsu Kim hat seit über fünfundzwanzig Jahren keinen Mord mehr begannen. Inzwischen ist der siebzigjährige Veterinär im Ruhestand und widmet sich dem Gedichteschreiben. Zusammen mit seiner Adoptivtochter Unhi lebt er in einem abgelegenen Haus an einem Berghang. Sein Leben Gerät aus den Fugen als bei ihm Alzheimer diagnostiziert wird, die immer weiter voranschreitet. Zudem treibt ein Frauenmörder in seiner Umgebung sein Unwesen und wildert in seinem Revier. Drei Frauen sind nacheinander ermordet worden. Als sich die Wege mit dem jungen Mann Jutae Park kreuzen, erkennt er in ihm seinesgleichen. Immer öfter sieht er ihn in seiner Nähe. Byongsu Kim ist davon überzeugt, Jutae Park für die Frauenmorde in der Gegend verantwortlich ist und dass seine Adoptivtochter in großer Gefahr schwebt. Ihm wird klar, er kann sie nur beschützen, wenn er wieder mordet. Er muss Jutae Park umbringen, bevor er vergisst, wer Jutae Park ist.

Der Text besteht aus kurzen Abschnitten und ähnelt einem Tagebuch. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive des alten Mannes, der in der Vergangenheit dutzende Menschen umgebracht hat. Wir erhalten Einblicke in die Psyche eines Serienmörders.

Ich aber dachte nur ans Morden. Ich führte meinen eigenen Krieg gegen diese Welt. Ich tötete, floh und versteckte mich. Dann töte ich wieder, floh und versteckte mich. Damals gab es weder DNA-Tests noch Überwachungskameras, nicht einmal das Wort »Serienmord« war geläufig. Mehrere Dutzende zwielichtig erscheinende Personen und Geisteskranke wurden als Tatverdächtige verhaftet und von der Polizei gefoltert. Einige gestanden sogar. Da die Polizeireviere nicht zusammenarbeiteten, wurden Fälle, die sich anderswo ereigneten, als irrelevant angesehen. Allenfalls stocherten ein paar Tausend Polizisten mit Stöckchen in irgendeinem Wald herum. Das nannte sich dann Ermittlung.

Das waren schöne Zeiten.

Byongsu Kim reflektiert über sein Leben, den Tod und das kommende Vergessen. Seine Demenzerkrankungen macht es nicht leichter Jutae Park umzubringen und seine Demenz schreitet voran. Auf Rat seines Arztes versucht er Wichtiges aufzuschreiben.

Alles fängt an durcheinanderzugehen. Ich meine, etwas aufgeschrieben zu haben, doch im Heft steht nichts. Was sich auf den Voicerecorder gesprochen zu haben glaube, ist schriftlich fixiert. Oder umgekehrt. Erinnertes, Aufgezeichnetes und Eingebildetes kann ich nicht mehr auseinanderhalten.

Der Leser befindet sich im Labyrinth von Byongsu Kim, dessen Gedächtnis immer weiter nachlässt. Wie viel davon ist real?

Das Thema Alzheimer, verästelt in einer Krimihandlung. Man kann die Geschichte auf verschiedene Arten lesen. Einfach und spannend geschrieben, mit einer kleinen Prise schwarzen Humor. Die 152 Seiten sind flott zu lesen.

Wertung: 4/5 Sterne
⭐⭐⭐⭐

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Link: https://www.youtube.com/watch?v=hT_JzEt51Ws

Der class Verlag hat Ende 2023 seine Pforten geschlossen. Die Taschenbuchausgabe gibt es beim Goldmann Verlag.
 
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