Die 7 goldenen Vampire, das ist einer der Filme die ich mir schon immer für die Reihe gewünscht habe, dank Plaions Warner Deal ist auch hier zum Glück aus Wunsch Wirklichkeit geworden. Damals wie heute ist der ein richtiger Knaller, ein toller Film der einfach Spaß macht.

Die Story ist zwar auch hier nicht immer logisch, aber im Gegensatz zu
Ti Lung - Der tödliche Schatten des Mr. Shatter hat der Film für mich keine Längen und Langeweile kommt nie auf. Ich kann verstehen wenn man mit dem Film als Hammer-Fan weniger anfangen kann, denn das ist unter Hammer's Vampir Filmen schon ein kleines Unikat und wer mit Kung-Fu Filmen nix anfangen kann ist hier auch fehl am Platz.
Für mich passt dieser Mix aus Gothic Vampir-Horror und Kung-Fu aber wunderbar. Das man neben den Vampiren auch die "hüpfenden Untoten" (die dann auch alle Kung-Fu können) aus der Chinesischen Mythologie mit drin hat, ist zudem ne nette Ergänzung. Was ich gar nicht auf dem Schirm hatte, ist das man sich bei den Vampiren auf den Pferden von den Reitenden Leichen Filmen aus Spanien hat inspirieren lassen. Man lernt halt nie aus.
So billig wie manchmal gesagt wird ist der Film nicht. Die Sets der Shaw Brothers, die Action, die meisten der Effekte und Kamera sind vollkommen in Ordnung, da kann man nicht meckern.
Ich mag z.B. die Ausleuchtung der Sets im Tempel der goldenen Vampire und Draculas Gruft, dieses rot-grüne verleiht dem ganzen eine gewisse Atmosphäre.
Im Gegensatz zu
Shatter wird hier ordentlich Kung-Fu/ Martial Arts Action geboten, vielleicht etwas weniger wie in anderen Shaw Produktionen, aber trotzdem ganz ordentlich. Und für Hammer Verhältnisse ist dieser Film doch sehr blutig.
Die 7 goldenen Vampire hat obwohl er vollständig in Hongkong entstanden ist noch dieses "Hammer-Feeling" und den Charme. Das ist für mich der letzte aus dieser langen Ära, die ja dann bald darauf endet, der das hat. Bei den paar Filmen die danach noch kamen (
Shatter,
Die Braut des Satans) fehlt das.
Einen wichtigen Anteil daran hat natürlich die Musik von James Bernard, der nachdem er bei den beiden Vorgänger nicht dabei war, wieder zur Reihe zurückkehrt. Das war auch sein letzter (Film)Soundtrack für Hammer und damit auch hier das Ende einer Ära. Heißt wir hören zum letzten Mal sein ikonisches Dracula Thema.
Schauspielerisch darf hier Peter Cushing noch einmal richtig in einer seiner beiden Paraderollen glänzen. In den Actionszenen hält sich der ältere Herr natürlich zurück. David Chiangs Rolle harmoniert auch gut mit Cushing. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Ti Lung in der Schwesternproduktion ist er auch weitaus besser in den Film integriert, spielt von Anfang an eine zentrale/wichtige Rolle und hat auch was zu tun.
Ob es jetzt Rollen wie Van Helsings Sohn (Robin Stewart) oder Vanessa Buren (Julie Ege) gebraucht hätte sei mal dahingestellt, relevant für den Plot sind sie eigentlich nicht, außer das Vanessa Buren die Reise finanziert.
Was ich immer etwas kritisch sehe sind die Make-up Effekte/ Masken der 7 goldenen Vampire, die sind teilweise sehr deutlich als solche zu erkennen und hätten besser sein können. Und die Fledermäuse die durchs Bild fliegen waren noch nie Hammer Stärke. Die Effekte wenn sie zu Staub zerfallen gefallen mir wiederum und erinnern stark an die früheren Hammer Vampirfilme.
Dann haben wir noch John Forbes-Robertson der hier den Christopher Lee Ersatz gibt. Den als Dracula zu akzeptieren fällt natürlich schwer und das Make-up ist wirklich schlecht. Lee war zwar auch manchmal schlecht geschminkt, aber seine Ausstrahlung und Stimme machen sowas wieder wett. Draculas Ende in diesem Film ist auch recht schnell und unspektakulär.
Etwas was mich auch immer irritiert hat und zum Glück von Lars Dreyer-Winkelmann in seinem Kommentar erwähnt wird, ist diese merkwürdige Continuity zu den anderen Hammer Draculas. Der Film beginnt ja 1804 in Transsilvanien wo Dracula den Körper des Hohepriesters Kah übernimmt und macht dann den Sprung 100 Jahre später nach China 1904. Van Helsing erzählt von seiner Begegnung mit Dracula und am Ende bei der finalen Konfrontation wird im Dialog auch nochmal deutlich das die beiden sich schon kennen. Wie soll das aber gehen, wenn Dracula in Kahs Gestalt zurück nach China geht, dort die Vampire erweckt und diese die Gegend um das Dorf die 100 Jahre terrorisieren?
Wenn dieser Anfang 1804 nicht wäre und man diese Dracula/Kah Sache anders gelöst hätte, könnte man den eigentlich an die ursprüngliche Timeline anhängen (
Dracula bis
Wie schmeckt das Blut von Dracula). Da man u.a. davon ausgehen kann, dass der Van Helsing hier derselbe ist wie in
Dracula und
Dracula und seine Bräute.
Während die beiden modernen Filme
Dracula jagt Mini-Mädchen und
Dracula braucht frisches Blut ganz klar in ihrer eigenen separaten Timeline spielen, haben wir bei
Die 7 goldenen Vampire wie schon 1970 bei
Dracula - Nächte des Entsetzens (der ja als Reboot gedacht war) einen Film der zwar irgendwie ne gewisse Kontinuität zur alten Timeline hat, aber dann doch mehr sein eigenes Ding ist und in der Hinsicht etwas aus der Reihe tanzt. Vielleicht sollte man sich da auch nicht so viele Gedanken machen.
Die Bildqualität der Blu-ray ist ok. Es gibt aber immer mal Szenen z.B. bei Minute 48 wo die Vampire das Dorf angreifen, wo die Qualität deutlich schwächer wird. Das ist wohl auch bei der Shout Blu-ray von 2019 so, also gehe ich mal davon aus dass es dasselbe Master ist. Das ist entweder Materialbedingt oder es gibt nichts besseres. Ist halt Warner, da gibt es ja auch bei den Filmen die Plaion selber in ihrem Warner Deal rausgebracht immer mal qualitative Unterschiede. Muss man akzeptieren.
Kommen wir mal zu den Audiokommentaren: In Rolf Giesens Kommentar geht es wie gewohnt um Produktion, Darsteller, Hammer und in dem Fall auch Warners Rolle in dem ganzen Spektakel. Mir ist aufgefallen, dass er in letzter Zeit (zumindest bei den Hammer-Filmen) nicht mehr ganz so abschweifend ist wie früher.
Bey Logans Kommentar ist sehr szenenspezifisch und geht auch sehr genau auf die chinesischen Darsteller, Sets, Drehorte, die Shaw Brothers etc. ein.
Zum Schluss dann den Audiokommentar von Rainer Czech, Alexander Iffländer und Lars Dreyer-Winkelmann. In ihrem gehen die 3 auf die unterschiedlichsten Sachen ein. Die Herren Czech und Iffänder sind auch hier entweder szenespezifisch oder abschweifend unterwegs was die Sets, Darsteller (insbesondere David Chiang) und das Hongkong/Shaw Kino im allgemeinen angeht. Herr Czech erzählt wie bei
Shatter auch was über die deutschen Synchronsprecher. Einmal kommt das Thema auf, ob nicht vielleicht auch David Chiang Anweisungen bei den Kampfszenen gegeben hat, da führen Rainer Czech und Alex Iffländer ein kleines "Streitgespräch".

Lars Dreyer-Winkelmann ist dann mehr bei Hammer und geht wie oben erwähnt u.a. auf die Continuity und am Ende auch auf die US Version und die angebliche Hongkong Fassung ein.
Bei den anderen Extras gibt es diesmal nur ein Featurette "Once Bitten, Twice Shy", hier erzählt David Huckvale einiges über den Orientalismus in James Bernards Musik und seinem Dracula Thema zu diesem Film und den zusätzlichen Soundtrack für die Platte zum Film.
Ein interessantes Extra ist auch das Audiobook, eine Nacherzählung des Films mit Peter Cushing als Erzähler was damals als Platte erschienen ist. Soweit ich weiß gab es das im Heimkino bisher nur auf der alten DVD von Anchor Bay. Bei Anolis läuft außerdem bei Peter Cushings Erzählung auch der Film bzw. die (mal mehr mal weniger) passenden Szenen in schwarz-weiß.
Dann haben wir den deutschen und US Trailer als Recut. Ich liebe den deutschen Trailer zu dem Film, der spoilert mal wieder fast alles, ist aber trotzdem herrlich und der Trailersprecher ist Klaus Kindler (die erste Stimme von Clint Eastwood).

Es gibt diesmal sehr viel an Werbe- und Bildmaterialien also Werberatschläge, Filmprogrammen und Bildergalerien. Von den Bildergalerien die sehr umfangreich sind, gibt es sogar 3 Stück.
Und dann gibt es noch den damals wie auch bei anderen Hammerfilmen erschienenen Comic zum Film.
Auf der Scheibe sind dann noch 2 Easter eggs versteckt.
Es ist ein bisschen schade, dass man von der US Blu-ray von Shout nicht auch die Interviews (eins davon mit David Chiang) übernommen hat und auch die stark umgeschnittene US Fassung wäre interessant gewesen. Ich kann nur mutmaßen, dass hier vielleicht Warner was dagegen hatte.
Das Booklet besteht diesmal aus 64 Seiten, das bisher größte in der Hammer Reihe, es ist auch reich bebildert mit diversen Plakaten, Aushangfotos und Behind the Scenes Material. Rolf Giesen geht in seinem Text auch hier auf die ungewöhnliche Produktion, Darsteller, Warners Rolle und die US Version ein. Wie üblich bei Herrn Giesen angereichert mit Zitaten.
Der deutlich umfangreichere Teil des Booklets stammt wie schon bei
Shatter von Oliver Sodemann. Neben einigen persönlichen Anekdoten ist der Fokus hier auch wieder klar bei den Shaw Brothers. Er geht wieder genau auf Darsteller, Kampfszenen, Werbematerial ein und auch auf die Frage ob Chang Cheh hier für die Kampfszenen verantwortlich ist oder nicht. Auch geht er auf die US Version und die angebliche Mandarin/Hongkong Fassung ein und auf eine Deleted scene, was ich beispielsweise noch gar nicht wusste.
Bei mir gab es neben dem Keepcase auch das Cover A (deutsches Kinoplakatmotiv) Im Booklet sind auch 2 Plakate abgebildet, die ich mir auch gerne als Mediabook Cover gewünscht hätte, man kann aber nicht alles haben.
Wir hatten jetzt dank Plaion in den letzten anderthalb Jahren 5 Hammer-Warner Filme, davon 4 Wunschfilme und mit
Dracula braucht frisches Blut ein sehr gutes Update. Ich hoffe natürlich, das auch noch die fehlenden Filme wie
Herrscherin der Wüste irgendwann ihren Weg in die Hammer Reihe finden.
Aber als nächstes dürfte erstmal
Das Geheimnis der Blutinsel (1965) anstehen. Einer von Hammers Kriegsfilmen, so einen hatten wir noch gar nicht in der Reihe. Und Hammers Yeti fehlt ja auch noch...
Jetzt sind endlich alle 9 Hammer Draculas bei uns auf Blu-ray verfügbar, 8 davon bei Anolis und
Nächte des Entsetzens bei Studiocanal (da kann Anolis aber auch gerne nochmal ran

). Heißt für mich ich kann nächste Woche in meinem Urlaub endlich meinen lange geplanten Dracula-Marathon machen.